Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1845)
- Date
- 1845-06-09
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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360 und das beweist, daß ich gelogen! Denn sonst hätte ich doch erwähnt, daß die Rede nicht auf dem Begräbnißplatze, sondern in der Synagoge abgehalten wurde. „Dieses hätte ein treuer Berichterstatter .nicht übergehen sollen." Thut hier denn' der .Ort etwas zur Sache? Ist darum der Bericht lügenhaft? O Herodot! O Johannes Müller! wenn wir einst, als die drei größten Berichterstatter in jenen Gefilden Zusammentreffen, wie werde ich mich dieses Geschichtsfehlers zu schämen haben! Endlich sagen Sie: „Ich will mich hier zu einer Ansicht bekennen, die vielleicht Herrn Kuschta und seiner Genossenschaft nicht wenig abgeschmackt vorkommt. Ich will es nur eingestehen, daß mir das Unbegrabenlaffen einer Leiche — recht verstanden! einer Leiche — so wie die Schaustellung derselben während mehrerer Lage ein widerwärtiges Schauspiel ist. Vielleicht wundert sich Herr.Kuschta über meine Albernheit." Verzeihen Sie, Herr Qr., ich wundere mich nicht, aber ich will Ihnen meine Genossenschaft vorstellen, die alle gegen die frühe Beerdigung sind. Diese ist: 1) Der Talmud, worüber Sie nicht vollkommen berichtet worden. Sie sagen: „Unsere Gemeinde hält es für besser, die Leichen — die Leichen! gleich zu begraben. Ihr Grund, nach welchem ich mich erkundigt, ist so uneben nicht. Man sagte mir, es geschehe vorzüglich deshalb, weil man das Entstellen der Leiche durch Verwesung als eine Schmach, der man dieselbe durch ein langes Verweilen über der Erde aussetzt betrachte." Dasverhält sich aber folgendermaaßen. Die ganze heilige Schrift, von Abraham an, deutet auf späte Beerdigung; bei dem vom Gericht Gehenkten aber steht: „Uebernachte seinen Leichnam nicht am Holze, sondern du sollst ihn begraben an denselbigen Lage, denn Geringschätzung Gottes ist ein Gehenkter." D. h-. durch die grwaltsame Lodesart wird das Antlitz — welches durch die daraus hervorleuchtende Vernunft das göttliche Ebenbild im Menschen ist — so verzerrt und entstellt, daß dessen Ansehen eine Entweihung Gottes ist, daher soll er, der Gehenkte, gleich begraben werden. — Da nun aber selbst der natürliche Tod jede Leiche entstellt,. sobald eine Verwesung eintritt, so deuten unsre Weise diesen Passus auch auf jede Leiche. Wohlverstanden, daß keineLeiche übernachten soll, das sagt auch irrar!« ybErs ^2; nur daß nicht darunter begraben gemeint sei, das sagt uns die Verordnung der Leichenkeller, dadurch ist die frühe Beerdigung verhütet, und zugleich findet keine Schaustellung, keine Entweihung und kein Ballanzug statt, wogegen Sie mit so vielem Recht austreten. — Das sagen unsere Weisen und 2) die Vernunft, und die ganze kultivirte Welt. Wen überfällt nicht ein Schauder bei dem Gedanken einer zu frühen Beerdigung! Lieber will ich am Tage der Auferstehung einige Stunden später aufstehen, als mich eine Sekunde früher niederlegen lassen. Sie erzählen uns so schön „von den Egyptiern, die ihre Todten einpöckelten und die ihrer Zeit ein gebildetes Volk waren" — ja das müssen sie gewesen sein, denn besser eingepöckelt als lebendig begraben. Und Sie machen mich und meine Genossenschaft noch ängstlicher durch Ihre Erklärung, daß selbst, drei Tage kein vollgültiges Mittel wären! Und weil drei Tage keine Ueberzeugung geben, darum lieber gleich begraben? Wie das Vieh, das, dem Verbrennen auszuweichen, in's Feuer rennt? — Ich weiß recht gut, daß beim Gleichbegraben der Arzt erst die Leiche als Leiche erklären soll^, ist dann nicht dennoch allemal eine dreitägige Beisetzung das Sicherste, wo dennoch immer der Arzt befragt werden kann? — Meine dritte Genossenschaft ist 3) die Regierung. Die meisten Regierungen, wenn sie auch den Juden das Leben sauer machen, so wünschen sie doch nicht es zu verkürzen. Auch Dänemarks weise, humane Regierung hat drei Tage für das Unbegrabenlassen - verordnet. Warum wird es nicht dankbar anerkannt und so oft umgangen? Kuschta. Preußen. Münster, 30. Mai. (Privatmitth.) Unsere treffliche, immerfort im Blühen und Wachsen begriffene Anstalt: „Verein für Westfalen und Rheinprovinz zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden," gegründet von Herrn Dr. Haindorf, und von diesem selbst mit 400 Thlr. jährlich unterstützt, hat ihren 15. und 16. Bericht über die Jahre 1841 und 1842 veröffentlicht. In diesen beiden Jahren sind wieder 21 Elementarlehrer nach erlangter Ausbildung entlassen, von der Regierung geprüft und