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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-09 · Heft 24 (9.6.1845) · p. Seite 358

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 24 (9.6.1845)
Date
1845-06-09
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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358 den mit Bleistift geschriebenen Inschriften erkennen, welche die Diebe zurückgelaffen. Aus Würtemberg, 6. Mai. (Privatmitth.) Im Rabbinatsbezirk Oberdorf wird gegenwärtig auf Veranlassung des Rabbiners Adler in Oberdorf eine Protestation vorbereitet, vermittelst deren man sich bei unserer israelitischen Oberkirchenbehörde gegen die Beschlüsse der braunschweiger Rabbinerversammlung verwahren will. Es wurden zu diesem Behufe sämmtliche Kirchenvorsteher des Rabbinatsbezirks nach Oberdorf zur, Berathung hierüber eingeladen, wozu denn auch alle mit Ausnahme,der von Pflaumloch erschienen. Man soll hierbei nicht ermangelt haben, diesen Leuten die mährchenhaften Anekdoten vom Kirchenrath Meier in Stuttgart, als dem Präsidenten jener Versammlung zu erzählen, so z. B. daß derselbe beabsichtige, anstatt des Schofars eine Trompete einzuführen u. s. w. Am Meisten thaten sich bei dieser Versammlung zu Gunsten der Protestation die Lehrer Maison, Frank und Wassermann hervor., Als es aber zur Unterzeichnung der Protestation kam, so erklärten diese Schulmeister, sie unterzeichnen die Schrift nicht, warum — weil es ihnen Nachtheil bringen kann. Gewiß eine heldenmüthige Aufopferung für die heilige Sache der Religion! Abgesehen davon, daß bis jetzt kein Grund vorhanden ist, irgend eine Verwahrung gegen die Beschlüsse jener Versammlung einzulegen, so mag es Manchem auffallen, wie Rabbiner Adler überhaupt nur seine Zuflucht zu Schulmeistern und gewöhnlichen Handelsleuten vom Lande nehmen mag, um in Gemeinschaft mit solchen in einer so ernsten und heiligen Sache gewiß unberufenen Leuten aufzutreten; allein wer die Verhältnisse, in welchen dieser Rabbiner — zu Hannover ^und Frankfurt steht, kennt, kann sich auch die Motive seiner Protestation leicht erklären. Man gehe aber nach' Oberndorf selbst, und sehe mit an, welche gräßliche Unordnung im Gottesdienste herrscht, wie die Schulangelegenheiten vernachlässigt werden, wie derChasan bemüht ist, sein Auditorium in der Synagoge durch Arien theilweise aus komischen Opern zu erheitern, wie selbst die orthodoxesten Leute über solche traurige Zustände betrübt sind! Und ein solcher Mann wagt es, eine ganze Versammlung von Rabbinern gleichsam zu verlaumden? Bei solch betrübenden Erfahrungen fühlen wir in Würtemberg erst recht das Bedürfniß von Rab» binatsvisitationen. Würde es unserer Oberkirchenbehörde gefallen, darauf hinzuwirken, daß solche von Zeit zu Zeit stattzusinden hatten, so könnten wir nur dankbar eine solche Maaßregel begrüßen, denn wir dürften uns dann der angenehmen Hoffnung hingeben, daß den vielen Mißständen, deren Vorhandensein natürlich außerdem unsere Oberkirchenbehörde nie erfahren würde, endlich Abhülfe geschehe. Man wende nicht ein, es stehe Jedem frei, seine Klagen der Oberkirchenbehörde einzureichen, denn unsere Gemeinden bestehen meistens aus Landleuten, welche weder Zeit noch die Gabe haben, schriftliche Beschwerdeschriften zu entwerfen, noch geneigt sind, an den wenigen Tagen, an welchen sie zu Hause sind und deshalb das Familienleben ungestört genießen wollen, sich mit dem Rabbiner und den Kirchenvorstehern abzuwerfen. So lange wir übrigens keine guten Rabbiner d. h. wissenschaftlich gebildete jüdische Theologen bekommen, reichen selbst Rabbinatsvisitationen nicht aus. Es dürfte daher die Errichtung einer besondern jüdischen Fakultät in Deutschland sich als das dringendste und nothwendigste Bedürfniß der Zeit Herausstellen. Unsere Regierung in Würtemberg ist stets von den humansten Gesinnungen gegen die Israeliten beseelt, was sie bei jeder Gelegenheit bethätigt. Auf unserer Universität Tübingen herrscht eine freiere Richtung als in manchen anderen Landern. Unsere Landstände kommen unseren Bedürfnissen bereitwilligst entgegen.. Es dürfte daher kein Land zur Errichtung einer jüdischen Fakultät geeigneter sein, als Würtemberg, dessen Regierung nicht nur kein Hinderniß einer solchen entgegensetzen, sondern, nach ihren bisherigen humanen Grundsätzen zu schließen, sie sogar bestens unterstützen dürfte. Hamburg, 26. Mai. (Privatmitth.) Am LI. Mai beging die hiesige Unterrichtsanftalt für arme israelitische Mädchen (ein Institut, das unabhängig von der Gemeinde, auf ähnliche Weise wie die israel. Freischule durch jährliche Beiträge von Privaten besteht), - die schöne Feier eines Jubiläums. Einer ihrer ältesten und verdientesten Direktoren, Herr Sadick Ephraime hatte mit

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