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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-09 · Heft 24 (9.6.1845) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 24 (9.6.1845)
Date
1845-06-09
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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357 .Zeit vorgekommene unglückliche Fälle bei dem Beschneiden der israelitischen Kinder, wenn diese Operation Personen anvertraut wurde, denen es an den dazu erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten gebrach, haben die Behörde, zur Abstellung aller Mißbräuche, die dem Leben oder der Gesundheit nachtheilig werden können, veranlaßt zu verordnen, daß vom nächsten 1. Oktober an 1) das Beschneiden der israelitischen Kinder im Großherzogthume von Niemand verrichtet werden darf, der nicht durch obrigkeitliche Zeugnisse nachzuweisen vermag, daß er zu diesem Geschäft die nöthigen Kenntnisse besitzt; '2) muß der Beschneidung eine Untersuchung des Gesundheitszustandes des Kindes hinsichtlich der Zulässigkeit dieser Operation, sowie auch des Beschneiders, durch einen zur ärztlichen und wundärztlichen Praxis Berechtigten vorausgehen; 3) darf die Beschneidung selbst nur im Beisein eines öffentlich angestellten Arztes unternommen werden, welchem, auch die Nachbehandlung des Beschnittenen zu überlassen ist; doch hat diese Bestimmung keine Geltung, wenn die.Beschneidung von einem zur ärztlichen und wundärztlichen Praxis Berechtigten vorgenommen wird. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen sollen mit 5 bis 20 Thalern oder entsprechender Gefängnißstrafe geahndet werden. Gießen, 20. Mai. (Franks. Journal.) Die Reformbewegungen im Judenthum haben auch hier begonnen. Am 11. d. vereinigten sich nämlich die Freunde des Forschritts aus der hiesigen israelitischen Gemeinde, zu denen die Mehrzahl derselben gehört, zu einer gemeinsamen Besprechung über die jetzt, mit Rücksicht auf die nahe bevorstehende zweite Rabbinerversammlung, im Interesse der heiligen Sache vorzunehmenden Schritte. Sicherm Vernehmen nach hat man vorerst eine Gegenerklärung gegen die Protestation der 77, jedem zeitgemäßen Fortschritte abgeneigten und an den abgelebten Talmudismus sich anklammernden Rabbinen, welche nächstens der Oefsentlichkeit übergeben werden dürfte, beschlossen und eine zweite Versammlung auf den 18. d. M. verabredet. Mainz, 15. Mai. (Fr. Journ.) In unserer den Reformen in kirchlicher Hinsicht so geneigten Zeit bemerkt man, daß auch die Reform des Juhenthums einen ernstern Charakter annimmt. In der Stadt Mainz thut sich dermalen, ein fester Wille unter den Bekennern der mosaischen Lehre kund, den während Jahrhunderten eingeschlichenen Mißbräuchen ein Ziel zu setzen, und die Lehre sowol als denKultus zu den Grundsätzen zurückzuführen, welche bei der Stiftung ihrer Religion galten und aus den heiligen Büchern und Satzungen hervorgehen. Es ist nicht zu läugnen, daß die Zahl derjenigen, deren Herzen nach einer wol nöthigen Reform sich sehnen, groß ist; aber an Aufmunterung zu thätiger Theilnahme fehlt es bis jetzt noch immer und der Jndifferentismus schadet hier beinahe der guten Sache noch mehr, als das Festhalten an dem gewohnten Alten. Seit einigen Tagen zirkuliren indessen hier ebenfalls Subskriptionslisten für und gegen die Reform. Hr. I. Lorch, ein in jeder Hinsicht achtungswerther Mann, steht, wie man hört, an der Spitze der Reformfreunde, während Hr. L. Bon di an der Spitze derjenigen steht, welche gegen die Reform protestiren. Regerrsburg, 15. Mai. (Fr. M.) Daß es zu allen Zeiten rohe, verwilderte Menschen gegeben hat, daß es solche auch heut zu Tage noch giebt, wer wollte daran zweifeln, Angesichts so vieler Thatsachen, welche für die Wahrheit dieses Satzes sprechend Jedenfalls hat es aber zu den seltenen Fällen gehört, wo die Rohheit und sittliche Verwilderung das allen Menschen Ehrwürdige und Heilige zum Ziele einerboshaften und ruchlosen That erkoren hat. Eine solche ist und bleibt die nunmehr wiederholt unternommene Verwüstung des Leicheuackers der hiesigen Judengemeinde, welche diesmal wirklich von wahrhafter Barbarei und dem rohesten Vandalismus zeugt. Thüren und Fenster wurden zerschlagen und alles Eisenwerkes beraubt, Leichensteine umgeworfen und zerbrochen, sogar der Brunnen ausgehoben, und die Ziegelbedachung des Hauses zu ruiniren versucht. Was nur irgend einen Werth hatte, wurde von ruchlosen Dieben fortgeschleppt und zur Krönung der schaudervollen That noch eine Handlung begangen, die sich gar nicht bezeichnen läßt. Wol mag vor Allem nur die Raubsucht zu diesem verabscheuungswürdigen Verbrechen den Impuls gegeben haben; daß aber auch fanatischer Haß gegen die Juden mit im Spiele war, will man aus

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