Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1845)
- Date
- 1845-06-09
- Page
- Seite 356 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Gottesdienstes, zu ihr läuft man hinein, und verläßt den Gottesdienst, sobald sie zu Ende ist; oder sie ist diesem aufgedrängt, und die Alteo hören sie mißbillig au, weil sie sie — aufhält. 2) ein größeres' biblisches Element, indem vor dem Anfang des — nun kurzen — stabilen Gottesdienstes einige Psalmen, aber immer wechselnde; statt der Haphtoroth die ganzen, eigentlichen Propheten (ürmriN nach bestimmter Ordnung, und nach der im Muffaph zum Ende des Gottesdienstes die Hagiographen (träfina), [mit Ausnahme der rein geschichtlichen Bücher und des Dauijel), vorgetrageu werden, worauf mit 'b? und •'"p geschlossen wird. Diese beiden, 1) und 2), in der Muttersprache jedes Landes. Diese Verstärkung des biblischen Elementes hat die ungemeine Bedeutung,'1) daß die ganze heilige Schrift (außer dem blos geschichtlichen Theile) dem Gottesdienste einverleibt, dadurch gerade überaus herrliche Theile der heil. Schrift dem Volke nicht entzogen werden; 2) daß die neuen, dem Gottesdienste einzuverleibenden Theile einen viel größer» Wechsel, dennoch aber den Charakter der Stabilität und den der höchsten Sanktion haben; 3) daß die religiöse Bildung des Volkes dadurch biblischer wird. Diese ganze Skizzirung bietet uns die Vortheile, daß 1) das Verhältniß des Stetigen und Wechselnden ein richtiges wird, 2) das hebräische und vaterländische Element sich so durchdringen und verschmelzen, daß sie sich gegenseitig nicht auflösen, sondern organisch verbinden. Ich bitte meine Leser diesen Plan genau zu prüfen, mit dem Gebetbuche in der Hand. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Australien. Sydney, im September. Intereffant ist es zu bemerken, daß die australischen Zeitungen Bekanntmachungen enthalten, worin die Schließung der Gewölbe von israelitischen Kaufherren während der Feiertage enthalten. — Hier hat sich unter den jüdischen Damen ein Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen gebildet. —. Am 17. September war die israelitische Gemeinde zu einer sehr wichtigen Berathung versammelt. Ein Konnte der gesetzgebenden Versammlung hat an diese den Vorschlag gebracht, das System der allgemeinen Erziehung dahin zu modifiziren, daß der Unterricht in der christlichen Dogmenlehre zu einem integrirenden und wesentlichen Theile des Unterrichts gemacht werde. Dadurch würden die israelitischen Kinder von den Wohlthaten des Systems der allgemeinen Erziehung ausgeschlossen werden. Hiermit würden die Rechte der israelitischen Bürger, die dieselben Rechte der politischen, bürgerlichen und religiösen Freiheit besitzen, verletzt sein. Die Gemeinde beschloß daher eine kräftige, protestirende Petition an die gesetzgebende Versammlung zu richten, worin sie all' den Antheil in Anspruch nimmt, zu dem sie berechtigt sei, wenn ein System allgemeiner Erziehung angenommen werden sollte, den Denominalschulen aber den Vorzug giebt, wo dann die Juden eine eigne Schule halten, aber den proportionirten Theil an dem Fonds, den die Legislatur für Erziehungszwecke votiren werde, erhalten würden. Sehr angemessene Reden wurden gehalten, und die Zahl der jüdischen Kinder von 150—200 angegeben. (Dies würde eine Seelenzahl von 1000— 1200 ergeben.) Den 2. Oktob. wurde die von 176 Personen Unterzeichnete Addreffe durch Herrn Wentworth, einen Vertheidiger des allgemeinen Systems, der gesetzgebenden Versammlung überreicht. Großbritannien. London, im Mai. Sir Moses Montesiore hat eingesehen, daß mit der Sendung eines Arztes und eines Apothekerkastens nach Jerusalem nichts geschehen ist. Derselbe will sich daher jetzt an die Spitze eines Komitv's stellen, um ein Hospital (und eine Industrieschule?) in Jerusalem zu errichten. Das Konnte soll aus 12 Personen bestehen. (Wir, die Redaktion der Allg. Ztg. d. Judenth., werden mit Vergnügen dieses Unternehmen in die Hände des Sir Moses übergehen jehen.) Deutschland. Weimar, 20. Mai. Mehrere in der neuesten