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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-02 · Heft 23 (2.6.1845) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 23 (2.6.1845)
Date
1845-06-02
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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346 drängte. Durch den Mäßigkeitsverein sind die Juden nun faktisch von dem allein möglichen Besitze einer Realität ausgeschlossen. Schon fängt man in vielen Gemeinden die Folgen davon zu fühlen an, denn die vielen Pachter,-hie ihre Pachtungen kündigen mußten, überfüllen die ohnehin sehr engen Judengassen jetzt um so mehr, da kein andrer Ausweg offen steht. Es ist leicht denkbar, daß sich dieser traurige Zustand immer fühlbarer machen wird. Wie aber eine größere Population in diese engen und schmutzigen Winkel hineingedrängt werden kann-, ist nicht so leicht abzusehen. Durch solche offen liegende Gebrechen aufmerksam gemacht, wird, wie es bei unserer humanen Regierung wol zu erwarten steht, doch endlich zur Verbesserung unserer politischen Lage geschritten werden. Es ist jetzt die höchste Zeit, da Hunderte nun die Mittel ihrer Existenz verloren , Andere fast obdachlos nud ihre ökonomischen Gewerbe mit dem Handel vertauschen müssen, unsere hochherzige Regierung in einer kräftigen Petition um Abhülfe dieser Beschwerden zu bitten. An dem guten Erfolge einer solchen Petition ist gar nicht zu zweifeln, und immerhin würde es von Nutzen sein, da einige Erleichterungen im Erwerbe, im Ankauf von Grundstücken und dergl. gewiß gestattet werden möchten. — Aus Mähren, 13..Mai (Privatmitth.) In der Rabbinerwelt herrscht bei uns die gewöhnliche Windstille, d. h. oben ist Alles schön ruhig und harmlos, auf dem tiefen Grunde aber wimmelt's hin und her von unzähligen Gewürmern. Die Käuflichkeit der Stellen wird noch immer mit der größten Schamlosigkeit betrieben. In G. hat der ehrsame Vorstand mir nichts dir nichts ihren provisorischen Rabbiner Hrn. Kornblich entfernt, und kaum war die Kunde verbreitet, waren schon eine Menge Kandidaten, trotz der Protestation des Exrabbiners und mehrerer Gemeindeglieder, bereit, von der Ferne ihren reichlichen, geistlichen Segen zu spenden. Hr. W. erhielt, da er die nahmhafteste Summe zur Vermittlung mit dem Exrabbiner u. dgl. anbot, das Rabbinat. — Die nikolsburger Gemeinde ist vom Gubernium hinfichts der Aufnahme des H. Hirsch abgewiesen worden. Es steht ihnen noch der Rekurs zur Hofstelle offen, den sie ergreifen wird. Deutschland. Bon der Saale, 27. Mai. (Privatmitth.) Diese Lage sind uns abermals zwei Blättchen von Altona zugekommen, die der Kommisvoyageur der 77, Herr D. Enoch, ausstreut. Das Eine ist ein abermaliger Abdruck des Wischiwaschi der 77, mit großem Lriumphgeschrei, daß die 77 glücklich aus der ominösen 77 heraus sind, indem ihrer 39 noch zugetreten. Da sind Helden aufmarschirt! Da ist der Rabbiner zu Werpeleth, zu Szantogroth, zu Egrezeck, Waswar, Keßelhely, Janoshaza in Ungarn zugekommen — wahrer Ballast, um das „Glaubensschiff" der 77 noch etwas flott zu erhalten; dann sind einige mährische Brüder hinzugekommen, wie aus Pohrlitz, Kremsir, Pennitz ff., endlich einige aus Elsaß — nun ist's richtig — aus Hastadt, Berkheim, Uffholz ff. Wie gesagt, unsere geographisch-statistische Wissenschaft ist durch den genannten Kommisvoyageur immerfort im Steigen. Weiter hat's denn nichts zu bedeuten. Das zweite Blättchen zeigt an, daß der Herr Enoch ein Blatt herausgeben will, zur Vertheidigung der 77 — denn so wollen wir sie, . weil sie einmal so bekannter sind, noch fortwährend nennen — und dieses soll heißen — „der treue Zionswächter". Dieser Lite! schlägt die Sache von vorn herein Lodt. Sie brauchen nur den schönen, ehrwürdigen Namen Zion daraus zu entfernen, und dafür das Wörtchen „Nacht" einzusetzen — denn welches aparte^ Recht haben diese Leute auf Zion? — so haben sie den eigentlichen, höchst paffenden Litelr „der treue Nachtwächter." Das Motto ist auch bereits gewählt, es ist das altbekannte: „Bewahrt das Feuer und auch das Licht, damit in der Nacht kein Schaden geschicht." Nur immer zu, jedes Licht ausgelöscht, alles Feuer mit Asche bestreut — damit in der Nacht kein Schade geschieht, damit — die Herren ruhig schlafen können. Nun, Glück zu zum „treuen Nachtwächter von N. Enoch." Mainz, 16. Mai. Vorige Woche schifften sich hier 200 bairische Juden ein, um in Nordamerika ein neues Vaterland zu suchen. Dieselben entwarfen hier ein sehr düsteres Bild von der Lage der Juden in Baiern, es bleibt da nichts Anderes übrig, als zu leiden oder auszuwandern. Einer dieser Aus-

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