Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1845)
- Date
- 1845-06-02
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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340 einen Eifer zurückgetreten, den ich für meine Person mindestens als einen unüberlegten betrachten must. Das Institut ist ein junges, und die ruhige, würdevolle Besprechung seiner Zwecke und der Aufgabe, welche es sich vorzuhalten .hat, sowie das leidenschaftlose und von dem Ernste der Sache durchdrungene Unheil über die Arbeiten und Leistungen, welche es bereits gefördert hat, sind ihm u>ol sehr nöthig; Tendenz und Aufgabe müssen noch immer mehr zum vollen, klaren Bewußtsein sowol für die Theilnehmer als auch für das Publikum hervorgearbeitet werden, es wird sich auch wol nothwendig in der ersten Zeit eine noch nicht volle Sicherheit bei den Antrügen und Berathungen bemerklich machen und Unreifes kann selbst zur Beschlustnahme gedeihen, aber das Unreife fällt von selbst ab, und mit größerer Klarheit und richtigerer Einsicht in das, was das allgemeine Bedürfniß fordert, werden spätere Versammlungen ihren heilsamen Einfluß berühren. Es wird daher ein jeder tadelnde Rückblick auf die erste Versammlung, den Männer von solcher Hingebung und solchem Muthe nicht verdienen, von mir hier vermieden werden, sollte er auch nahe liegen; man ist nachträglich oft verständiger, als zur Zeit der That, und Männer, welche für den Fortschritt arbeiten, werden diesen eignen Fortschritt gewiß nicht in Abrede stellen wollen. Um was ich aber bitten möchte, das ist, daß alle die gegenseitigen persönlichen Anfeindungen und Verkleinerungen, welche einen widerlichen Nachklang bilden von Diskussionen, die wahrlich eines freundlicher» Echo's würdig sind, bei der zweiten Versammlung ganz vergessen sein mögen; bekunden wir durch die versöhnliche Stimmung, mit der wir uns einander sämmtlich nähern, mit der ein jeder Einzelne eine erfahrne Kränkung vergiebt, daß wir würdig vorbereitet sind zum Streben, die Versöhnung in den Disharmonien der Judenheit herbeizuführeu. Der Zweck der Versammlungen ist, wie bemerkt, sich über Maaßregeln zu verständigen, welche der Verwirklichung fähig sind und durch deren Verwirklichung ein reineres jüdisch-religiöses Leben in der Gesawmtheit erzielt werden kann. Bei der dreifachen Thätigkeit, welche erfordert wird, damit das Judenthum wieder als lebendige, religiöse Macht in die Gegenwart eintrete und seine Geltung behaupte, werden diese Versammlungen, die e.ine als ihrer Bestimmung wesentlich eigenthümlich sich aneignen, die beiden anderen höchstens subsidiarisch' zu fördern sich aufgcfordert fühlen. Es muß das Judenthüm seine wissenschaftliche Begründung erhalten, seine Wahrheiten müssen zur Klarheit gebracht, seine Prinzien geprüft, geläutert, festgesiellt, wenn auch nicht abgeschlossen werden, die Untersuchung über die Berechtigung, die Autorität seiner Urkunden und die Kenntniß derselben ist eine ununterbrochene Aufgabe des Studiums. Dieser Aufgabe der Wissenschaft, der Theorie schließt sich die zweite für die praktischen Normen der Gesammtheit, wenigstens der deutschen Judenheit an; die aus der gewonnenen Einsicht geschöpften Verhaltungsregeln für das Leben, aber auch die Erfahrung, welche Institute und religiöse Akte der Förderung des religiösen Lebens wahrhaft dienen, welche erstorben sind, welche so sehr in Widerspruch treten mit unseren Verhältnissen, daß ein heilsamer Einfluß derselben nicht mehr zu erwarten ist, im Gcgentheile daß hartnäckige Festhalten an denselben die tüchtige, thatkräftige Gesinnung nur lähmt, diese Kenntuiß der richtigen Konsequenzen der jüdischen Lehre und der Gegenwart muß eben zu einer gemeinsamen Erwägung auffordern, damit eine Umwandlung der jüdischen religiösen Praxis für die Gesammtheit in der Art erzielt werde, daß der Anschluß an dieselbe auch wieder kräftige Nahrung für Förderung der Innigkeit und hochherzigen Thätigkeit darbiete^ Aber die Anregung und häufig wiederkehrende Belebung des Liefern religiösen Gefühls im engern Kreise, die spezielle Praxis, wie sie einem jeden Geistlichen innerhalb seiner Gemeinde obliegt, ist ein drittes unentbehrliches Moment. Es liegt offen vor, daß der zweite Punkt, der der Reform im engern Sinne, es ist, um den sich die Thätigkeit der Rabbinerversammlung fast ausschließlich bewegen muß. .Die Wissenschaft ist ein Gemeingut, ein freies Heiligthum, das vor Niemandem verschlossen werden kann, ihre Untersuchungen können durch keine Beschlüsse abgegränzt werden, ja ein jeder Schein von diktatorischem Eingreifen in dieselbe ist gehässig: smn "ins bia'H «lä*» Wie würde auch, und namentlich in der Gegenwart, eine Uebereinstimmung über leitende Grundsätze erwirkt werden können? Was würde ei» Aufstellen derselben nützen, wie würde aus dem feinen Archer allgemeiner Sätze der Born lebendigen Wassers für das 'Volk quellen können? Wol muß ein jeder Einzelne mit sich selbst zu Rache-gehen, in sich zu einem gewissen Abschlüsse gekommen sein über seinen theologischen Standpunkt, um von ihm aus die Zeitfrageu würdigen und die Maaßregeln zu Lösung derselben Vorschlägen zu können, wol werden auch bei den Berathungen über solche praktische Einrichtungen die allgemeinen Grundsätze mehr oder minder durchleuchten, wie sie cs auch sollen; aber