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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-06-02 · Heft 23 (2.6.1845) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 23 (2.6.1845)
Date
1845-06-02
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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339 dem — Papiere hat: desto größere hat ste in der Wirklichkeit. Wir haben keinen kirchlichen Machthaber zu bekämpfen, keine Hierarchie zu fürchten, Bannfprüche und Verwerfungsschriften haben in unserer Zeit gerade die entgegengesetzten Wirkungen. Aber die That, die That! das ist das schwierige, denn die Schlaffheit der Einen, die Gewvhnheitsliebe der Anderen, der Mangel au echtreligiösem Bedürfniß bei den Meisten stehen der That viel mehr entgegen, als der Widerwille der Bigotten. Hierzu kommt, daß in den vier, fünf großen Gemeinden eine Seperation einer Anzahl Gleichgesinnter wol statthaft ist; aber die ungeheure Mehrzahl der Gemeinden besteht aus kleinen und kleinsten Gemeinde». Diese als Ganzheiten vorwärts zu führen, ist meist unmöglich; sie aber zu spalten, unräthlich! Sollen in den kleinen Gemeinden zwei sich bilden, zwei getrennte? Oder soll der eine Theil den andern zwingen? Gewiß nicht. Dies ist es, was die praktische Reform so überaus schwierig macht. Was hat demnach die Reform ganz besonders zur nächsten Aufgabe? Sich vorerst Ln einer bestimmten Gestalt aufzustellen, damit man erst wisse, was sie ist. Bis jetzt weiß ja die Praxis gar nicht, was die Reform von ihr verlangt. VII. Das erste Prinzip ist hier: Zurückführung -er Kultgesetze zur Ursprünglichkeit und Einfachheit der heiligen Schrift. Sehen wir die Sache genauer nach. I. Feste: Reduzirung der Festtage auf die von der heiligen Tora bestimmteZahl, auf die Zahl Sieben, die im Gesetze der Heiligung überall die herrschende, die bestimmende ist. Also Abschaffung aller zweiten Festtage, durch welche die Zahl der Festtage auf 13 erhoben ist. Kalenderirrungen können nicht mehr stattfindeu, und kabbalistische Gründe können uns nicht mehr bewegen, der geraden und sorgfältigen Bestimmung der heiligen Schrift entgegen, die Festtage so zu vermehren, daß sie der arbeitenden mnd gewerbtreibenden Klasse zur großen. Beschwerde und Gefahr gereichen. Wenn in irgend einem Punkte kann man bestimmt aussagen, daß die Feier der von der heil. Schrift verordneten Festtage überaus gewinnen würde, wenn ihre Zahl beschränkter wird. Die Erfahrung hat mir gezeigt, daß die heiligen Feste zü feiern, am ersten Tage in der Masse noch immer sehr vielen Eifer weckte, am zweiten Tage war die Theilnahme bereits erschlafft. Das Judenthum kann die Feste von den Tagen, welche das geoffenbarte Gesetz fest bestimmt, nicht verrücken: aber der Konflikt mit den gesellschaftlichen Verhältnissen wird ungemein vermindert, wenn er sich auf einen Tag beschränkt. So ist es von religiösem und sozialem Standpunkte dringend nothwendig, die unmosaischeu zweiten Festtage abzuschaffen ö). (Fortsetzung folgt.) Breslau, den 20. Mai. Einige An sichte» über die nächste Ra bbiu er Versammlung. Von I)r. Abrahum Eeiezer, Rabbiner Ln Breslau. Zweiter Artikel. Das Festhalten an dem Zwecke der Rabbinerversammlung, wenn er mit klarem Bewußtsein erfaßt wird, hat uns einige formelle Bestimmungen für dieselbe ergeben, in Betreff derer wir uns in freudiger Uebereinstimmung wissen mit den von der ersten in Braunschweig abgehaltenen Versammlung gefaßten Beschlüssen. Wenn wir, zum eigentlichen Objekte von deren Thätigkeit übergehend, uns auch Lm Allgemeinen gerne mit dem Geiste, welcher in der ersten gewaltet, und den aus diesen hervorgegangenen Beschlüssen einverstanden erklären, so dürfen doch die folgenden Erörterungen manche Abweichungen in einzelnen Punkten ergebe», und vielleicht Abweichungen von nicht geringer Erheblichkeit. Ich bin weit entfernt, deshalb mit sämmtlichen oder einzelnen in Braunschweig erschienenen Amtsbrüdern. zu rechten oder die zahlreichen Kritiken über die erste Versammlung mit einer, neuen zu bereichern; nur zu sehr haben sich von Innen und von Außen Prätentionen geltend gemacht, Lie ich auf's Entschiedentste abweisen muß, und die ruhige Besonnenheit und die Bedeutung des Instituts sind zuweilen hinter *) Auch für kennt das Heil. Wort nur einen Tag, und daß, wenn dieser eine Tag auf einen Sabbat fällt, nicht geblasen werden dürfe, ist nirgends in der heil. Schrift gesagt.

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