Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1845)
- Date
- 1845-05-26
- Page
- Seite 333 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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333 es Herrn vr. Kley nicht zu sagen, daß der Mann vor äußeren Mißhelligkeiten niemals zurückweichen darf, sondern daß diese seinen 'Feuereifer erst recht anregen müssen. Hat er doch auch so viele Zeichen der Liebe und Verehrung auf seinem Lebenswege erhalten! Der israelitische Schriftsteller, der israelitische Dichter, der israelitische Theologe hat von vorne herein auf Vieles zu verzichten. Mttgdeburg, 6. Mai. Die fremdsprachlichen Elemente im Neuhebräischen und ihre Benutzung für die Linguistik. Vortrag, gehalten in der ersten Versammlung deutscher und ausländischer Orientalisten zu Dresden, 4. .Oktober 1844, von M. Steinschneider. Prag, 1845. Der gelehrte Verf. spricht zuerst allgemein über die geschichtlichen Gründe, welche die Entlehnung aus fremden Sprachen in der nachbiblischen, d. i. neuhebräischen Sprache bewirkten. Er sagt: „So wie die lokale und ideale Jsolirung der alten Hebräer sich auch in dem verhältnißmäßig geringen Vorkommen fremder Elemente in den älteren Urkunden der heiligen Schrift darstellt; so giebt uns das Idiom der neuhebräkschen Literatur das treueste Bild eines von Land zu 'Land getriebenen, oder freiwillig wandernden, Umgestaltungen der Kultur und Wissenschaft in sich ausnehmenden Stammes, der in seiner religiösen und sittlichen Anschauungsweise von Welt und Geschichte den idealen Mittelpunkt, in seiner Literatur ein ideales Vaterland mit sich tragt und bewahrt. Perser, Araber, Griechen, Römer und romanische Abstämmlinge, Germanen und Slaven hat der Jude in ihren Gebieten und als Gebieter kennen gelernt, ihre Länder, Sitten und Wissenschaften oft ganz unbefangen beobachtet, zum Theil in sich ausgenommen und eigenthümlich reproduzirt, in ihren, gewöhnlich modisi'zirten, Sprachen gesprochen und geschrieben, und wie sollte seine Nationalliteratur, die neuhebräische, von solchen Einflüssen sich frei erhalten haben; wie sollte sie nicht mitunter dankenswerthe Aufschlüsse über jene Länder und Nationen dem Geschichtsforscher und Archäologen darzubieten, interessante Reste jener Sprachen dem Linguisten aufbewahrt haben?" — Alsdann handelt er über den Entwicklungsgang der neu-hebräischen Literatur, und die Quellen, aus denen diese Fremdwörter innerhalb dieser Literatur hervorzuholen. Alsdann zählt er auf und führt reiche Beispiele an, aus welchen Sprachen entlehnt worden, als da sind: das Aramäische, Persische, Griechische und Lateinische, das Arabische, die romanischen Sprachen, das Deutsche, wozu in minderer Fülle das Polnische, Türkische, Ungarische kommt. Bei dem, den Umständen nach, langsamen Fortbau der jüdischen Wissenschaft, ist dieser Beitrag von Bedeutung, um den geschichtlichen Gang des Iudenthums allseitig zum Bewußtsein zu bringen. Antikritik. vr. Holdheim's neuentdeckte Lehre des rabbinischen Iudenthums in Bezug auf das Kol Nidre und die Auflösbarkeit assertorischer Eide, beleuchtet von Dr. David Einhorn. (Schluß.) Herr vr. Holdheim mag dies Anthropomorphismus oder wie er sonst will nennen; ich kann und will die Rabbinen nicht zu unsecm religiösen Bewußtsein heraufschcauben; ich habe nichts zu verdecken und zu bemänteln. Die Wahrheit und nur die Wahrheit ist der Posten, welchen ich vertheige, und es ist klar wie das Sonnenlicht, daß wenn Herr Or. Holdheim die Auflösbarkeit der in Bezug auf Nebenmenschen stehenden Erde auf dem Standpunkte des Talmuds Nachweisen will, diese Anklage trotz alles Sträubens auf eben diesem talmudischen Standpunkte motivirt werden müsse. Der Talmud, wir wiederholen es, denkt bei der Beeinträchtigung des Hekdesch nie und nimmer an eine Beeinträchtigung menschlicher Interessen. Die Menschen bringen Opfer und unterhalten den Tempel, freilich nicht Gott, sondern sich selbst zum Nutzen, aber — so lehrt der Talmud — sie entäußern sich, auch um dieses Nutzens willen eines jeden Eigenthumsrechtes auf diese Gaben. Tempel sammt Opfer und allen seinen Schätzen gehören Gott, und selbst in Bezug auf den priesterlichen Antheil. wird der Grundsatz: 'jn'buw 127p festgehalten. Der Verwalter des Hekdesch wird nicht, wie Herr vr. Holdheim vorgibt, als ein Verwalter menschlicher, sondern göttlicher Interessen angesehen. Alles was er kauft oder verkauft für und vom Hekdesch, wird als von Gott gekauft oder verkauft angesehen*). Natürlich ist er zur Ergreifung *). Diese Ansicht wird, von den Rabbinen bis auf die Spitze. getrieben. ' Vergl. Baba Meziah 57 a die