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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-26 · Heft 22 (26.5.1845) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 22 (26.5.1845)
Date
1845-05-26
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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828 Nur der Unwissenheit verdankt man die Gleichgültigkeit, und nur aus dem Wissen entsteht das Gewissen. Wenn Schulen überall instituirt sind, wie das in Berlin jetzt der Fall ist, wo die jüdischen Kinder vom Judenthum belehrt werden, wenn die jüdische Wissenschaft Achtung und Ehrfurcht vor den. historischen Gebräuchen, die die Nation so lange erhalten,'eingeflößt haben wird, wenn in Israel wieder Jeder wissen wird, warum er diesen Namen trägt, „alle weise, alle verständig sein werden" in dem was das Judenthum so großartig, so dauernd, so ehrwürdig gemacht hat, dann — dann ist die Reform fertig, weil keine nöthig ist und keine Zerissenheit lächerliche Lhränen weint über Etwas, was sie längst verworfen und zerrissen. Daß in Glogau, einer Stadt voll Bildung, in der jüdischen Gemeinde, einem Kreise wohlwollender, verständiger Männer, Etwas, was. nur Oberflächlichkeit hervorgerufen und nur die lächelnde, allzu tolerante Erinnerung bewahren wird) so schnell Eingang gefunden, ist doppelt bedauernswerth: 1) weil es traurig ist, daß selbst solche, die nicht dem jüdischen Ritus bis in alle Nüancen getreu waren, dergleichen ein gehorsames Ohr schenken, das sie der rührenden Stimme der Vorwelt so lange verweigert, und solche, die in ihrer Bildung doch auch wol einen gewissen Ernst gefunden, dm. heiligsten Interessen so wenig ernstes Nachdenkens gewidmet haben, und 2) weil, wenn Berlin -autoritätsvoll genug sein soll, die glogauer jüdische Gemeinde ihren natürlichen Repräsentanten in ihrenr geistvollen Sohne findet, der an der Spitze der berliner religiösen Verhältnisse dergleichen zu verachten und auch wol zu bekämpfen für das Rechtmäßige und Nothwendige hält. Zerfallen wird das, was sich auf Nichts gründet; Keiner versteht den Andern, weil Jedem etwas Anderes vorschwebt; so wird ^der babylonische Thurm, der bis zu den Wolken ragt, um mit Gott selbst zu streiten, durch seinen Fall und die mit ihm Fallenden ein weithin schallendes Gelächter erwecken. Ein ernstes Wort der Warnung ergeht an Sie, meine Landsleute, der Warnung vor verlockender Beredtsamkeit und bequemer Unsterblichkeilshascherei. Die Reue folgt mit all' ihren Uebelkeiten, auf den verzückenden Reformationsrausch, und die Religion, die in ihrer Form der Kraft der ganzem Welt, den Waffen der Gothen und Sarazenen widerstand, streckt nicht vor einigen Phrasenschüffen das Gewehr; sie hat nie diejenigen halten wollen, die sie verlassen; die Treulosen entließ sie entweder mit Schmerz oder Verachtung. .Wartet, und mein Wort wird wahr werden; es ist ja noch immer Zeit, glücklich zu werden in den Theorien, die in Frack und Glacehandschuhen vor einem fashionablen Publikum sich erbauten; wartet; die Toleranz, die Euch schon vom den Manifestlern pränumerando -gezahlt ist, nimmt Euch' noch später in ihre Arme; wartet; auch Einer von Euch wird Euch besser wie ich über diese Punkte belehren und das unsterbliche Aktenstück kommentiren. Kein Rabbi, kein Rabbinatskanditat, kein, wie man sagt, bunkelmännischer Tatmudist ruft Euch diese Warnung zu; ein Laie, ein Verehrer der Freiheit in Gedanken und Worten; ein Schüler der historischen. Bewegungen, die in der Vergangenheit ' fluchen, wagt .es zu. thun, und flüchtet zu den Worten Sal. b. Gabiroiis: „Auf und vollbring' es, denn Gott ist mit dir, und sprich nicht, ich bin zu jung; nicht immer, ist die Krone, den Greisen aufgespart," und wagt es deshalb, weil ihn das Herz, die Ueberzeugung, die Wahrheit dazu treibt. Hütet Euch, daß der Bar Eochba (Sohn des Sternes) Euch nicht zum Bar Cosiba (Sohn der Lüge) werde; hütet Euch vor dem Manifestes ist im April geschrieben. — Am Rüsttage des Pesachfestes 560L. : - . Selig Cassel. : BkYsltM, 5. Mai. . (Privatmitth.) Wie bin .ich erfreut/ heut , einmal den ernsten, bittern und klagenden Ton nicht anstimmen zu dürfen; wie gehe ich froh an meine Korrespondentenpflicht, da der Blick sich nicht umdüstert, da es. ein schönes, segenvolles -Werk ist, das ich den Lesern dieser Blätter mitzutheilen habe. Es ist das Resultat der seit zwei Jahren hier bestehenden Religionsunterrichts-Anstalt, das wir gestern in einer öffentlichen Prüfung der Zöglinge derselben erfahren, und das ich hier ein wenig näher beleuchtenf.'will. Es. hat eine Unterrichtsanstalt und deren Leistungen allerdings zunächst nur Lokalinteresse und'.es dürfte für Prunksucht, gehalten werden „ wollterman immer, die Oeffentlichkeit mit Berichten über dieselbe belästigen; aber in sofern

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