Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1845)
- Date
- 1845-05-26
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Staates sind, wie die Christen,^ warum emanzipirt man sie nicht? Wir nehmen gar keinen Anstand, sie an allen Staatslasten Theil nehmen zu lassen. Wir nehmen ihnen ihr Geld, wir nehmen ihre Steuern, wir nehmen ihre Söhne zur Vertheidigung des Vaterlandes. Bezüglich der Lasten stellen wir die Juden ganz uns gleich, aber wir verkümmern ihnen eine Menge von Rechten, wir schließen sie aus vom Staats- und Gemeindedienste, wir entziehen .ihnen die für die Juden gleich wichtigen Gemeinde- und staatsbürgerlichen Wahlrechte, wir legen ihnen eine ziemliche Anzahl von Beschränkungen auf, deren Aufzählung jetzt nicht am Platze wäre. Und warum thun wir all' das? Blos aus dem Grunde, weil sich die Juden zu einer andern Religion bekennen, als zu der christlichen; weil sie, zwar zu demselben Gotte wie wir, aber unmittelbar und ohne Vermittlung ihr Gebet richten. Wol weiß ich, daß man auch noch andere Gründe anzuführen^ sucht, aber sie sind nicht stichhaltig. In der Religion der Juden allein liegt der Grund, denn geht, er zur christlichen über, so wird er alsogleich.aller Rechte theilhaftig, mag er auch sonst sein wie er will. Ferner spricht man von der Nothwendigkeit von Uebergangsperioden, um eine so lang unterdrückte Nation reif zur Emanzipation zu machen, von einer Erziehung durch Druck. Was kann, aber bei einer solchen Erziehung herauskommen? Sie verderbt, anstatt daß sie bessert; sie erzeugt Erbitterung, Haß und Sucht nach Rache an den Unterdrückern. Emanzipier man die Juden vollständig; gewiß: der Staat wird keine Gefahr laufen, wol aber wird er Kessere Bürger gewinnen. Und vom wem, meine Herren, wird der Judendruck geübt? — Von uns, die wir Christen sind, die sich zu einer Religion bekennen, deren Stlfter gelehrt hat: wir Alle seien Kinder eines Vaters, wir Alle seien Brüder, wir Alle sollen unsere Mitmenschen lieben, wie uns selbst.^ Ich halte es für eine Schmach des Jahrhunderts, daß in so manchen Ländern .die Juden noch nicht emanzipirt sind. In spateren Zeiten, in künftigen Jahrhunderten wird man. von dem unserigen als dem: barbarischen. sprechen, in welchem Sklaverei und Judendruck geherrscht.haben, denn der Unterschied zwischen beiden ist nicht so groß. Diese meine Ansicht..spreche ich öffentlich aus., damit man weiß, es gebe noch Männer,;.tie darüber erröthen, daß die Juden im Jahre 1845 nach christlicher Zeitrechnung noch nicht emanzipirt'sind. , Ich gehe sofort über zur Etatsposition und in Beziehung auf diese erlaube ich mir, den Antrag zu stellen, es möge gegen die Staatsregierung die Bereitwilligkeit ausgesprochen werden, zu den Kosten der israelitischen Oberkirchenbehörde noch eine weitere Summe von 1830 fl. zu bewilligen, wenn es der Regierung genehm sein sollte, eine Nachexigenz hierauf in die Kammer zu bringen. Müller: Ich . erkläre mich mit dem Abgeord. von Marbach vollkommen einverstanden, denn wir haben manches Unrecht gut zu machen, das wir den Juden angethan. Prielmaier: Es ist gewiß nicht in Abrede zu ziehen, daß von den Israeliten die. Mittel zur Erreichung ihrer öffentlichen Zwecke fast einzig und allein aus ihrem Privatvermögen aufgebracht werden müssen; daß es manche arme Judengemeinden und blutarme Judenfamilien, giebt,' und daß die Israeliten, insofern sie steuerbare Objekte besitzen, auch mittelbar zu den Kultkosten christlicher Konfessionen beitragen, dabei aber mancher Rechte der Staatsbürger christlicher Konfessionen, und namentlich des schönsten, hier in dieser hohen Kammer durch ihre. Glaüben.sbekenner vertreten werden zu . können, darben müssen. Ich unterstütze, daher den Antrag des . Abgeord. von Marbach auf Erhöhung der Exigenz.. Holzinger spricht sich dahin aus,, daß man den Israeliten nur. Pflichten aufgelegt habe, aber keine Rechte gewähre, und unterstützt den Antrag des Abgeord. von Marbach, der ohne Widerspruch durch Akklamation angenommen wird. Frankfurt am Main, 1. Mai. (Privatmitth.) Höchst charakteristisch ist es, daß die in vor. Nummer gegebene .Protestation einiger hiesigen Israeliten gegen die Radbineroersammlung von einer Anzahl Radikaler beider äußersten Parteien unterzeichnet worden ist. Die publizistische Schicklichkeit verbietet es nun einmal, in solchen Fallen N amen zum Besten zu Leben.; das ist diesmal sehr Schade, denn es würde nicht, wenig, ergötzlich sein, diese heterogeneSozietät öffentlich mit den .Namen ihrer Mitglieder genannt zu sehen. Freunde auffallender Kontraste könnten dabei ihre Liebhaberei befriedigen. Wenn es nicht, eine gottlose Blasphemie wäre, so würde ich den gottesfürchtigen Mitunterzeichnern sa-