Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1845)
- Date
- 1845-05-26
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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325 D eutschlands. Der Uaivers. i5rael. müßte die — Ungarn nicht vergessen! Gleicherweise verfährt die V. of Jacob. Großbritannien. London. (V. of Jacob.) Der Kaiser von Marokko hat durch seinem Großvezier sehr gnädig auf ein Schreiben des Unlerstützungskomitos für die Juden in Mogador, welches Sir Moses Montesiore vor einigen Wochen an ihn gerichtet, geantwortet. Dieses Schreiben, ein kalligraphisches Meisterstück und prächtig geschmückt, verlangte für die Juden Marokko's die Bewilligung derselben Freiheiten, welche der Sultan den türkischen Juden durch den bekannten Hattischerif ertheilt hat. Der Kaiser versichert Sir Moses, daß die Juden seines Reiches dieselben Rechte und Privilegien, denselben Schutz und dieselben Vortheile wie die mohamedanische Bevölkerung genießen. Abd-el-Rahman bezeugt auch den tiefsten Kummer über die Unglücksfälle von Mogador. Man kann, sicher sein, daß, wenn dieser Kaiser die Macht dazu hat, er seine Befehle auch vollziehen lassen wird. , —. Das Morning Herald erzählt Folgendes: In Mesched, Hauptstadt von Chorassom, bestand eine Gemeinde von 230 Familien. Im Jahre 1844 hatte eine Jüdin Schmerzen in der Hand; ein muselmännischer Arzt riech ihr, einen Hund zu tödten, und die kranke Hand in dem Blute des Thieres zu baden. Sie that.es, unglücklicher Weise am Bairamfeste. Alsbald verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, die Juden hätten einen Hund als Zeichen der Verachtung für das Fest der Gläubigen getödtet. Da rief ein Saide in der Mitte des Volkshaufens aus: Allah Daad! d. h. Gott hat sie in unsere Hände gegeben. Sofort stürzten Tausende von Wüthenden in die Häuser der Juden, zündeten sie an und tödteten 35 Personen. Die Anderen, den Rabbiner an der Spitze, retteten das Leben, indem sie ausriefen: „Gott ist Gott und Mahomed sein Prophet!" Mehrere ältere Juden undJüdinnen aber riefen aus: „Höre, Israel, der Ewige ist einig!" und sielen sogleich unter den Streichen der Henker. Die Renegaten begaben sich am Morgen in die Moschee, wo sie die Glückwünsche der Muselmänner erhielten. „Das Licht Mohamed's und Ali's hat Euch erleuchtet," sagte man zu ihnen. Jndeß wanderten 24 Familien einige Zeit darauf mach Herart, Wazd und Kabul aus, wo sie ihren alten Glauben wieder bekannten. Die in Mesched zurückgeblieben sind, sind gleicher Weise geheime Anbeter des Gottes Jsrael's, aber als der Mollah dies bemerkt hatte, hat er ein Jnquisitionstribunal eingerichtet. Deutschland/ Mainz, 9. Mai. Seit einigen Tagen gewährt man hier eine große Anzahl bairischer Juden, die sich in unserm Hafen einschiffen, um in Amerika eine neue Heimat zu suchen, wo sie nicht, wie größtentheils in ihrem Heimatlande, außer Stand gesetzt sind, Bürgerrecht und Grundeigenthum zu erwerben. Stuttgart, 3. Mai. Der „Beobachter" enthält folgendes Nähere über die in vor. No. erwähnte Vermehrung des Staatsbeitrages für die israelitische Oberkirchenbehörde. In der 36. Sitzung verhandelte unsere Kammer über die Bewilligung von 3000 fl. als Staatsbeitrag zu den Kosten der israelitischen Oberkirchenbehörde. Bei diesem Anlaß äußerte Veiel: Handelt es sich in diesem Saale von den Angelegenheiten einer christlichen Konfession, so sind Vertreter derselben genug da, um deren Interessen in reichlichem Maaße zu wahren. Heute ist die Rede von einer andern Religion, voneiner andern, als der christlichen Kirche, einer Kirche, die ihre Vertreter hier nicht hat, und nach dem Inhalte unserer Verfassung bis jetzt leider auch nicht haben kann. Ich sage leider, denn ich kann bei dieser Veranlassung nicht umhin, mein großes Bedauern darüber auszudrücken, daß die Juden immer noch nicht emanzipirt sind. Die Menschen, welche sich zur jüdischen Religion bekennen, sind eben so gute Bürger des Staates, wie wir. Schlechte giebt es natürlich, wie in jedem Stande, so auch unter den Bekennern, einer jeden Religion. Oder sollten die schlechten Leute -unter den Juden zahlreicher sein als unter den Christen? Gewiß nicht! Den besten Beweis dafür liefern die Strafanstalten; denn verhaltnißmäßig befindet sich in denselben fast immer eine größere Anzahl von christlichen als von jüdischen Sträflingen. Muß man 'erkennen, daß die Juden gleich gute Genossen des