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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-26 · Heft 22 (26.5.1845) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 22 (26.5.1845)
Date
1845-05-26
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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324 genjutreten, wer im frohen Bewußtsein einer heilsamen Wirksamkeit 'sich micht darüber, hinaussetzen kann,- „den Einen ein Äergerniß und den Anderen eine Thorheit zu fein'' man wird hoffentlich an der Anwendung dieses uns fremden Spruches keinen Anstoß finden — der bleibe in unserer Zeit aus dem Rabbinerstande ganz weg, Mitglied dieser Versammlung aber soll er wahrlich nicht sein, an ihm verliert sie nichts. Schon aus dem allgemeinen, Charakter der Rabbiurerversammlungen sind uns einige nicht unwesentliche Resultate in Betreff der Zusammensetzung und der Form derselben hervLrgegangen; die Berathungen sollen ein unmittelbares, praktisches Resultat haben, die Ansichten, über welche man sich verständigt, ihre Verwirklichung finden können, und sie werden um so sicherer dahin führen, je allgemeiner die Ueberzengung, von der die Aussprüche hervorgehn, verbreitet ist, je tiefer und je allge? meiner das Bedürfniß sich geltend macht, dem sie entgegenkommen. Es kann daher auch nicht anders als wünschenswerth sein, daß die deutsche Iudenheit möglichst zahlreich in diesen Versammlungen repräsentirt werde, daß wol auch abweichende Ueberzeugungen in ihr sich vereinigen, um hier einen Mittel- und Schwerpunkt zu finden; die unabweisbare Dringlichkeit des Lebens, das Glaubeusbewußtsein der Gesammtheit wird in einer solchen, wenn auch im Prinzips vielfach uneinigen. Versammlung, nothwendig entscheide» und in deren Streben zur Belebung eines wahrhaft gesunden, jüdisch-religiösen Sinnes die Männer vereinigen, welche in wissenschaftlicher Beurtheilung der Fragen weit auseinander gehen mögen. Ich habe natürlich hier die Repräsentanten der Impotenz nicht im Auge, ich verlange nicht nach der Verbindung mit Männern, welche ebenso dem Geistesleben fremd, wie um das Heil der Gesammtheit sorglos, mit lächerlichem Starrsinn und mit fromm sich gebahrdender Unklugheit das Judenthum zu erhalten vermeinen, wenn sie die Kluft zwischen ihm und den Fortschritten der Wissenschaft, wie die Bewegung des Lebens dadurch bedecken, daß sie die Augen darüber zudrücken; mag auch ihre Anzahl nicht blos 77 sein, sondern selbst die leibhaftige Nummer 777, ihre Stimme zählt nicht mit, sie bilden höchstens den Hemmschuh, der einem zu raschen Rollen auf dem Abhänge der Zeit angelegt wird, aber der Hemmschuh muß von dem kundigen Führer gehandhabt werden, aber er dränge sich nicht mit brutaler Macht selbst als Führer ein. Jene anderen Männer jedoch, welche solchem Treiben sich anzuschließen gescheut haben, der Wissenschaft zu huldigen und das Leben nicht unberücksichtigt zu lassen voxgeben, dennoch aber und, nach ihrem Vorgeben, gerade deshalb die Zügel straff anziehen möchten, sie mögen es bekunden, daß es ihnen um die Wahrheit und um das Wohl der Iudenheit zu thuu ist, sie mögen es bekunden durch ihre Theilnahme an diesen Versammlungen! Nicht das Mäkeln und Feilschen, nicht das Herabsetzen und Verdächtige» ist es, das ein gesundes Leben erzeugen kann, nicht das Schweigen der Geißel und nicht die Vertiefung in die Vergangenheit erweckt und erhebt, sondern die eigne Anwendung der Thatkraft, die Vereinigung mit allen lebensfrischen Elementen. Ich fordere daher die Männer,- welche das vorige Mal mit Recht erwartet wurden, welche eine Bedeutung bereits erlangt haben, welche eine Entscheidung bei den Fragen der Gesammtheit ansprechen, ich fordere sie hiermit auf, bei der diesmali-> gen Radbinerversammlung zu erscheinen; mir wie vielen anderen Amtsbrüdern werden sie willkommen sein, sich selbst aber und dem Publikum werden sie dadurch allein gerecht werden. Ja, es ist Pflicht der größeren Gemeinden, daß sie ihrer eignen Ehre, ihrer Wichtigkeit im Gesammtleben dadurch nichts vergeben lassen, daß sie bei einer solchen Versammlung nicht vertreten bleiben; es müßte für Gemeinden wie Berlin, Dresden, Prag, Wien u. s. w. ein Ehrenpunkt fein, daß ihre Führer da nicht fehlen, wo es ein Allgemeines gilt, daß sie nicht müssig znsehen, wo es um sie —und auch in ihnen gährt, daß sie aus dem Kreise der Vereinzelung heraustreten und sich würdig zeigen-. ihren Einfluß als große Gemeinden bei allgemeinen Fragen in die Waagschale zu legen. Weg daher mit allem Dünkel und aller Verzagtheit, mit. allem persönlichen Mißwollen und aller Gereiztheit! Wo das Ganze ruft, da müssen Sympathieen und Antipathieen schweigen. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, im Mai. (Arch. isr.de Fr.) Es wird in Bayonne — St. Esprit ein neues israelit. Konsistorium gebildet, so wie auch die Organisation des israelitischen Kultus in Algerien bereits dem Könige zur Unterzeichnung vorliegt. Der Staatsrath hat Beides genehmigt. —. rünivers. israel. giebt eine Uebersetzung der 77 und nennt sie — Rabbiner und Oberrabbiner

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