Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-19 · Heft 21 (19.5.1845) · p. Seite 318

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 21 (19.5.1845)
Date
1845-05-19
Page
Seite 318 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225411--06918-3236775
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

318 ) Glaube, mein Kultus auch im wahrhaften Sinne l-er Wetz Ns Heils- -der sittlichen?FteiheitNtid nicht! der geistigen-^Knechtschaft M^'-daS- Wdert mit Recht der Staat, 'denn er soll sa VötwMichMg -der Freiheit sein. Dafür hat 'er aber auch d'er Kirche gegenüber eine objektive Garantie in den ausgesprochenen Glaubenssätzen und in der Andachtsübung. So wenig er aber, wie die Geister nder Revolution, 'die Abschaffung Gottes und der Religion dekretiren kann, ohne sich selbst zu vernichten, eben so wenig darf er,' will er nicht mit sich selbst sn Widerspruch gerathen, die Freiheit des .Gewissens d. h. die absolute Selbstbestimmung der Person im Bereiche der Religion durch hemmende Maaßregeln beengen." „Und so kann denn das einzig mögliche Verhältniß des Staates zur Religion nur dieses sein: Die Religion als solche ist nicht Sache des /Staates, sie wird es nie, wenn sie in ihrer äußern Erscheinung das bleibt, wofür sie der Staat erkannt hat, Befriedigung des Gottesbewußtseins. Eine Beschränkung der religiösen Aeußerungsbezüge kann einzig und allein im Sinne und zum Zweck der Religionsfreiheit geschehen." Auf Grund dieses, durch strengphilofophische Deduktion gefundenen Resultate,, zeigt dann der Rezensent, wie der Staat sich dem einzelnen Glaubensgenossen gegenüber zu verhalten habe und wie dies . namentlich auch bei den Juden der Fall sein müsse. Er widerlegt Eisenberg's Definition der Gewissensfreiheit, und, indem er den Begriff derselben weiter faßt, beweist er auch, daß der Staat den Juden nicht zwingen könne,, am Sabbate zu schreiben, welche Frage als eigentliches objeetum litis, das Buch Eisenberg's hervorgerufen. Wir haben in dieser,Abhandlung einmal eine ebenso freie, als tiefe religiöse Gesinnung gefunden, und wünschen nur, daß auch andere jüdische .Staatsdiener sich Unsrer ebenso liebevoll und kräftig annehmen, wie H. vr. Friedländer, dessen Name/ zwar noch ein junger, über deffenunngeachM von gutem Klang und ein vielgenannter in wer juristischen und -gelehrten -Welt list. Erfreulich find jedenfalls solche Lhatsachen denen aus unserer .Mitte gegenüber, die alles Jüdischevornehm Mer -die Achsel anzufthen pflegen; erfreulich ist es -auch, Mnn so anerkannt empfthlenswerthe Zeitschriften, -Wie die Eberty'sche Reformunsrer Sache einen so 'beträchtlichen Raum lwidmen. /Dasselbe^Heft.enthalt nämlich einen zweiten, sehr lefenswerthen Artikel: ,-Die Judenemanzipation in Deutschland, namentlich in Preußen. Vom Standpunkte des Rechts und der Wissenschaft." — o. Bresluiu, 2. Mai. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde gleicht 'jetzt einem stürmisch - aufgewühlten Meere, die Wellen steigen und fallen, die Winde rauschen und brausen, und das arme Schiffsvolk sieht sich trauernd nach irgend einem rettenden Eiland um. Bald ist wieder Sonnenschein, es tritt Windstille ein, die Wellen legen sich, die Steuerer ruhen ermüdet aus — doch nur, um bald wieder durch die empörten Elemente aufgeschreckt -zu werden. Dieser unstete, gestaltwechselnde Zustand mag es auch entschuldigen, wenn unsre Berichte zuweilen einander zu widersprechen scheinen. Wir geben die jedesmalige Stimmung des Augenblicks', wir suchen gleichsam die Menge in ihrer lebendigen Geschäftigkeit zu überraschen und sie in denselben Stellungen und Bewegungen, ganz wie wir sie finden, für die fernen Leser, die eine treue Geschichte unseres Gemeindelebens haben wollen, - auf dem Papiere zu fixeren. Es ist daher natürlich, daß das Bild jedes Mal ein anderes werden muß; es ist keine erstarrte, -lebensleere Gestalt, Die wir abkonterfeien, und die immer dieselbe bleiben muß; es ist ein lebendiger, regsamer Körper, mit hundert Armen und tausend Köpfen, die alle sich regen und bewegen, sich gebehrden und die Mienen verzerren. — — Von der großen r'eformatorischen Bewegung, ist kaum nur noch ein Schatten vorhanden, wir wissen nicht, was aus ihr geworden; ihre letzten Athemzüge wurden von dem Brausen der aufgeregten -Gemüther < übertönt, Und ihre Bestattung scheint: still und pomplos vorgenommen worden zu sein. Mit dem zurückgelaffetten Erbe können wir allerdings nicht zufrieden sein; denn kaum waren die Einen durch das Verschwinden dieses Ruhestörers beruhigt, wie Anderen -über dasselbe getröstet, würde eine Generalversammlung wegen des Baues einer Gemeindesynagoge berufen,. - und da zeigte es sich denn, daß diese wesenlost> Bewegung, die wie ein Gespenst, ohne sichtbare Spuren * zurückzulaffen, m uns * vorübergegangen, dennoch die -Einheit unserer 'Gemeinde - bedeutend -gestört habe. Die Gemeindeglieder hatten sich zahlreich versammelt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.