Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1845)
- Date
- 1845-05-19
- Page
- Seite 319 (sequence 19)
- Language
- German
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3W man debattirte laut und heftig — aber man ging' unverrichteter Sache auseinander. Man verlangte, es solle erst die Form des Gottesdienstes durch Statuten festgesetzt. werden, ehe man zum Wau einer Synagoge schreiten wollte. — Welch verkehrtes Begehren! Als ob das Judenthum schon abgeschlossen wäre, als ob es sich nicht erst anfinge zu entwickeln und zu . gestalten! Aber Man siehteben, die Grundfesten des Vertrauens fingen an zu wanken, da fürchtete der Eine, man würde seinem warmen, religiösen Gefühle keine würdige Repräsentation in dem neuen 'Tempel gestatten, und der Andere glaubte, man wolle dem alten Gesellen/ Nur einen neuen Mantel umwerfen, -aber seine Gebrechlichkeit und Hinfälligkeit auch für die Zukunft gewähren lassen. — Es ist vorläufig eine -zweite Generalversammlung anberaumt worden und man, hofft wol, daß dieses für unsere Gemeinde höchst wichtige Unternehmen zur Ausführung , kommen werde; denn außerdem, daß es einer Gemeinde, wie Breslau's, unwürdig ist, keine eigene geräumige Synagoge zu besitzen, von den Launen und Berechnungen eines Privatmannes abzuhängen, so ist auch die Synagoge das äußere Band, daß die einzelnen Glieder in' enger Verbrüderung zusammenhält, daß sie nach außen hin ein einiges und friedliches repräsentiren läßt, und es ist daher der Wunsch aller Gutgesinnten, daß dieses j Projekt so schnell als ' möglich realisirt werde. —j Was hier zur Verwirrung und zur peinlichen, vagen -Zweideutigkeit jetzt ferner beitragt, ist das zufällige Ereigniß, daß, wie man sagt,-Herr Rabbiner Faffel --aus Drößnitz, nachdem er in Oppeln mit Abgeordneten vom hiesigen BokstüNde eine' Zusammenkunft gehabt, daselbst auch kontraktlich eygagirt worden, jetzt diehiesige Rabhinerstelle abgelehnt habe. Ich -nenne dieses Ereigniß ein-zufälliges , weil mir von den - inneren Verhandlungen nichts bekannt geworden und ich den wahrscheinlichen Grund nicht selber herausdeüten mag. Jedenfalls ist dieser Zufall jetzt ein unwillkommener. Fasse! wurde hier als das vermittelnde,' versöhnende Element zwischen dem freien, 'reißettd reformirenden 'Fortschritt und der starren Stabilität erwartet; man wollte ihn, den gewaltig altrabbinisch aussehenden Mann, mit dem ehrwürdigen, herabwallenden Barte,, mit dem, langen, halb polnisch-verzerrten, halb modern-zugestutzten EMr, als einen Bürger der alten ungeschmälerten Lehre den -Dppasitionsbürgern w ->ivUte der köpfige Janus sein, der auf ber einen Seite mit dem Modernen liebäugeln,, chm bärtige Bücklinge machen, auf der andern mit spitzfindigem rabbinischem Pilput die unverletzte Heilighaltung des polnischen Rabbinismus verbürgen sollte — siehe da, da zieht sich der vorsichtige Mann in sein sicheres Schlafgemach zurück, mag auf denbrausendeU Fluten kein Ruderwerk regieren —- und die auf den Wellen Umhertreibenden werden schon selber.vorläufig < den sichern Port zu erreichen streben müssen. JV. Vom Morden , im Mai. (Privatmitth.) Was von den jetzigen Reformbewegungen zu halten: -darüber hat schon — Jean Paul ein goldnes Wort gesprochen. „Unsere jetzige Zeitsagt er (Levana I, 71), „ist zwar eine kritisirende und kritische; — schwebend zwischen dem Wunsche und dem Unvermögen zu glauben — ein Chaos wider einander arbeitender Zeiten; aber auch eine chaotische Welt muß einen Punkt und Umlauf um den Punkt, und den Aether dazu haben; es.gibt keine reine, bloße Unordnung , und Streitigkeit, sondern jede setzt ihr Gegentheil voraus, um nur anzufangen. Die jetzigen Religionskriege auf dem Papier und rm Kopse — verschieden - von den vorigen, welche G ewitter voll Glut, Sturm, Verheerung und Befruchtung waren — - find mehr Pen N o rd sch eiwetz (Gewitter höherer,/kälterer Himmelsgegenden) ähnlich, voll lärmender Lichter.ohne.Hchlgge^voll: Geßalfirngen und voll Frost, -ohne Regen -und in-der Machte Noch ist nur negirt worden, meu geschaffen noch nichts; Und warum verkennen die Männer, was seit 20—30 Jahren trotz vielen Widepstandes rnit Besinnendeit durchgeführt und begründet ^Mrde? Ich fürchte sehr, daß die unbequeme polilischeKage einen großen Einfluß.Ms,■< die-;unbequeme nWigi^se Lage , übt! Darum glaube: ich, Paß; diese -Worte- und Ausrüse zur Zeit noch früchtlosAttid^weckws^sind,. so lange, als mit Sturmfchntt und 'nach perfönsichem Gutdünken negirt oder Mch - errungen - werden 'soll, was ruhiges, - besonnenes Erkennen der Zeit, aber auch Nichtverkennen ches/EDgen und Unveränderlichen, des uls -positiv Göttliches im gläubigen Gemuthe Ruhenden sicher mit Wahrheit erhalten, aber, auch erringen wird. — Was ich zu der „Erklärung der 77" (die omi--