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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-19 · Heft 21 (19.5.1845) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 21 (19.5.1845)
Date
1845-05-19
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Wlßbegierde nicht zähmen und Litte und fordere von Ihrer Güte, Ausführliches über den Verlauf, Tendenz und Beschluß dieser Versammlung. Sollten die Verhandlungen nicht dem Zwecke entsprechen, den Sie mir in Füred gefälligst'auseinander gesetzt, so hoffe ich doch, daß Sie nach demselben hinarbeitend, die Beschlüsse dahin zu leiten gewußt haben, daß die nächste Versammlung auf die Basis der Besserung unserer Lehr- und Kultusanstalten, den Erfordernissen der Zeit gemäß fortschreiten könne. Sie haben durch Anregung dieser Versammlung Ihren Namen der Oeffentlichkeit übergeben, die Welt, ob durch Sie? hat meinen Namen an Ihre Seite gestellt, oder umgekehrt. Es ist mir daher zu verzeihen, wenn ich in jedem Falle, von dem unter unserer Firma Geschehenen, genaue Kenntniß haben muß, um'für die Zukunft die Verantwortlichkeit geschehener Schritte entweder zu übernehmen oder abzulehnen. Ihr in nächster Zukunft von mir erwarteter Bericht, wie Ihre Ansicht über Geschehenes, Beabsichtigtes, oder Vorzunehmendes wird mir ein Regulativ meiner Stellung sein. Mit aller Hochachtung re. Leo Holländer- Ein einfaches Entschuldigungsschreiben kam als Antwort in Begleitung eines Referats der in.Bäks abgeh altenen Rabbinerversammlung. Dieses Referat ist eine freie Uebersetzung in's Deutsche, des in Ihren Blättern bereits gegebenen hebräischen Protokolls, mit einigen Zusätzen von Valerlandspffichten der Israeliten. Wie Sie solches sub. ./. hier angefaltet erhalten. Hierauf: L. H. an Hrn. Paul Horvitz. „Hochwürdiger Herr! Ich bekenne mich zum Empfang Ihres sehr geehrten, jüngsten Schreibens, das mir in Begleitung der Uebersetzung des Protokolls dcr Nabbinerversammlung zugekommen. Ich habe es in seiner Uebersetzung (ich vermisse das Original), mit all' der Aufmerksamkeit uNd der Gemüthsstunmung gelesen, mit der ich immer ein wichtig scheinendes Ereigniß, meine Glaubcnsbrüder betreffend, zu würdigen pflege. In Ihrem Begleitnngsschreiben vermisse ich mit Erstaunen und mit verzeihlicher Ungeduld, Ihre inviduelle Ansicht über die Verhandlung sowol, als über den Beschluß und seine muthmaaßlichcn Konsequenzen. Sie werden cs demnach angemessen finden, wenn ich selbst, in Folge ganz anderer Erwartungen, basirt auf unsere mündlich gepflogenen und auögetauschten Ansichten und Erörterungen, auch meine Ansichten über das Protokoll, und dessen Tendenzen einstweilen für mich behalte, Ihnen dagegen darüber das mittheile, was nicht ganz grundlos, oft sogar ganz gründlich, der größere, intelligentere und sehr zu berücksichtigende Theil unserer Glaubensbrüder denkt und spricht, der auch eifrig die Wiederherstellung deö Glanzes unserer Religion, unseres Wissens, unseres bürgerlichen Lebens wünscht und ersehnt, ohne im Geringsten die Pfeiler unseres Religionsgebäudes anzugreifen oder gar behüte, erschüttern zu wollen. Es sagt: „Unsere Rabbinen wollen uns nach innen und nach außen vertreten? — hat die ganze kultivirte Welt nicht dahingetrachtet, die Geistlichkeit auf das Feld zurückzuführen, das ihr dem Wortsinne nach gebührt? Seelsorger sollen sie sein, aber das politische Interesse unseres bürgerlichen Seins gehört durchanö nicht zu ihren Berufsgeschäften.. Unseren Rabbinen, mit sehr wenigen Ausnahmen, mögen die Wege des Himmels vielleicht (wir wissen es nicht) genau bekannt sein; hier auf unserer Erde sind sie leider nicht heimisch. Sollen wir unser irdisches Wohl und Weh ihrer Leitung überlassen, denen die Außenwelt so unbekannt ist, die bei jeder heterogenen Berührung scheu in ihr Schneckenhaus sich zurückzieheu, um dort von antidiluvianischen Institutionen zu träumen, die unsere heutige Existenz in das Kleid längst verflossener Jahrtausende zwängen möchten, weil sie unsere Bedürfnisse nicht zu würdigen wissen, sie nicht würdigen wollen, weil ihren Blicken nur der Himmel offen steht, die Erde aber mit ihren Verhältnissen ein Gräuel ist. Wozu waren wir endlich selbst da? Gott hat uns in seiner Gnade, mit Einsicht und bestem Willen begabt, fest an unserer Religion zu halten, (wozu uns unsere- Rabbinen als Wegweiser dienen sollen) um dabei unsere Verhältnisse nach Außen zu vertreten. Selbst das alte Israel wollte nicht das Schwert der Richter mit dem Opfermesser des Hohenpriesters vereint wissen. Die Rabbinen wollen Synoden bilden, aus sich selbst, durch sich selbst! Wir suchen vergebens ein gelinderes Wort, um die gänzliche Ausschließung der Laien nicht Anmaaßung zu nennen. Diese' Synoden sollen nach ihren Abstufungen: 1) Schächter inspiziren (zugestanden); 2) die Liturgie der Synagogen dirigiren und modeln; 3) Rabbiner befähigen und anstellen; 4) Schulen beaufsichtigen, Lehrpläne statuireu rc. Wir wollen nicht Heerschau halten, über 'die israelitischen Streiter Gottes, nicht ihre Befähigung wollen wir beleuchten, ob sie denn fähig sind einem dieser Vorsätze unbefangen Genüge zu leisten. Aber gegen den mit fast lächerlicher Anmaaßung ausgesprochenen Plan zu einer komplcten Hierarchie, müssen wir doch unsere Stimmen erheben, und laut schreien: wir dürfen unsere Nacken nicht beugen unter ihr Unkraut - und dornenumflochtenes Joch. Wir wollen nicht reden gegen das inquisitorische Benehmen, der zu einer solche« Macht gelangten Fanatiker, nicht von der Finsterniß, die beauftragt sein soll Licht zu verbreiten, nicht von der Parteilichkeit, Männer anzustellcn, ihnen gleichgesinnt. Denn hatten wir selbst Rabbinen, an denen der prätenfiösefte Grübler alter und neuer Art nicht auszusetzen fände, so dürften wir doch nicht zugeben, daß hierarchischer Despotismus uns mit eisernem Egoismus meistere, in allen unseren Lebensverhältnissen. Und dennoch haben die protokolverfassenden Rabbinen sich gar nicht die Mühe genommen zu verhandeln, was denn eigentlich die nothwendrgen Eigenschaften eines Seelsorgers seien, um würdig befunden zu werden, ihre Aprobation zu erhalten, was denn unter Schulen gemeint sei, was denn in Liturgie sie begriffen wissen möchten. Wozu auch? ES steht einer Synode zu, ihre eigene Untüchtigkeit auf geistesverwandte Nachfolger und Amtsbrüder zu vererben. Und dazu soll unsere allergnädigste Regierung ihre Einwilligung , ihre Befehle geben? weil die Rabbiner sehr scharfsinnig und neu dargethan, der Jude müsse sein Vaterland lieben, dürfe den Boden bebauen, seinen Heerd vertheidigen rc. Dieses alles, hochwürdiger Herr, habe ich hören müssen, und glaube es Ihnen mittheilen zu sollen. Ich selbst weiß heute'nicht, was ich von dem Allen denken soll und kann. Vielleicht giebt mir Ihre Gegenwart Ausschluß darüber, der ich mit Freuden und Neugierde entgegensehe. Sie werden mich doch wissen lassen, ob und wann Sie in unsere Gegend kommen; vielleicht habe ich, das Vergnügen Sie bei mir zu sehen, worum ich recht freundschaftlich bitten möchte. Bis dahin zeichnet mit aller Äch- Papa, den — Januar 1845. Paul Horvitz an L. H. (Deutsches Original.) „Ich zögerte die Beantwortung Ihres mir sehr werthen jüngsten Schreibens, um die Entscheidung über meine Reise zu meinem Sohne, bei welcher Gelegenheit die beiderseitig gewünschte Zusammenkunft zu erzielen Ware, abzuwarten, und da sich diese verneinend entschied, beginne ich jetzt den Mangel dessen einigermaaßen schriftlich zu ersetzen. Sie beliebten mir in Ihrem Werthen die Stimmen der Opposition in all' ihren grellen Farben und Schattirungen abzubilden. Gewiß sie konnten hierzu keine bessere Meisterhand, ja keinen bessern Leumund zu ihrer Vertheidigung aussuchen« Und da ich die Beschlüsse der Rabbinerversammlung und ihre Tendenzen gegen all' ihre Erwiederungen Stich zu halten und alle ihre Streitfragen mit friedfertigen Erklärungen abteiten zu können ersehe, so würde ich hoffen, die Beschlüsse der Rabbinerversammlung von Seiten ihrer Bekrieger für nicht schwankend erklären zu dürfen, hätte ich daö erwünschte Ziel, dieselbe von Seiten ihrer Gleichgesinnten und der Gesammtheit der Rabbiner Ungarns auf festen Boden basirt zu haben. Das Fundament

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