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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-19 · Heft 21 (19.5.1845) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 21 (19.5.1845)
Date
1845-05-19
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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dahin ein. Und er kam in aller Stille wie ein Geheimniß. Bei verschlossenen Thüren, blos einen Zeugen habend (H. Fischer, Porzellanfabrikinhaber in Herend), begannen die beiderseitigen Eröffnungen. Der papaer Rabbi H. Paul Horvitz sprach'sich folgendermaßen aus. ' „Wir leben in einer schweren Zeit; Zerwürfniß, Uneinigkeit, Feindschaft, Haß, Verläumdung herrschen in unseren Gemeinden in unserm Vaterlande; Gemüther zu beruhigen, Frieden zu stiften, Unebenes auszugleichen, wäre die Aufgabe, der Männer würdig, die für Israel etwas thun wollen, für Sie, für mich. Wir Beide stehen uns nicht so schroff gegenüber, als die Meinung der böswilligen Welt von mir zu denken beliebt. Ich und mehrere meiner Amtsbrüder, von mir angeregt, sehen ein, daß das Licht der Aufklärung (ob dieselbe nützlich oder schädlich sei, wollen wir nicht untersuchen) sich auf verschiedenen Wegen und Umwegen Bahn gebrochen hat in unser religiöses Walten, und daß solche Bahn und solches Licht nicht mehr zu sperren, nicht mehr zu verlöschen in unserer Macht steht. Auch wissen wir, der Talmud lehrt es uns, daß wahre Religiosität, ohne Wissenschaft nicht möglich sei. Es wäre also unnütz und ungesetzlich uns gegen Beide zu stemmen. Aber es ist Pflicht, dem Lichte, der Aufklärung, der Wissenschaft, eine geregelte, gleichförmige Bahn zu öffnen, und so zu vermeiden, daß nicht Spaltung, sondern Einigkeit, nicht Verdächtigung, sondern Vertrauen, durch den zeitgemäßen,-gleichförmigen Vorschritt errungen werde. Und dieser kann nur dadurch bezweckt werden, wenn die Rabbiner aller Farben sich zu einer Synode vereinigen , und mit Zuziehung und Bcihülfe der Laien ein Konsistorium bilden, das über die Art und Weise anzustellender Rabbiner, über Schulen, über Liturgie sich zeitgemäß verständige, und so den Vorschritt begünstigend, ihm dennoch im Zaum halte, damit nicht durch die Flut ungeregelter Neuerungen, mit weggeschwemmt werde, was nütze und Pfeiler unserer heiligen Religion ist. Zu diesem Zwecke habe ich Verständigungen angeknüpft, mit vielen der meisten ungrischen Rabbinen, und sie zu einer Versammlung aufgesordert, von der ich das Besprochene hoffe. Sie aber ersuche ich, diese Angelegenheit mit Ihrem Einflüsse zu unterstützen." — Hierauf erwiederte L. H.: „Mich ehret Ihr Vertrauen rc. aber ich muß Ihnen eine Bemerkung vorausschicken, eine Ansicht, die mir Erfahrung und Geschichte aufgedrungen. Timeo Danaos et dona ferentes. Ich glaube keinem Geistlichen, wenn er von und für Reformen spricht, er sei welchen Glaubens, immer, ich sehe denn, daß er zu dieser Reform, in seinem Wirkungskreise, mit Hand und Mund bereits.etwas gethan. Es dürfen meine Zweifel Sie daher nicht beleidigen. Wie sehr ich für zweckmäßige Reform bin, bedarf keiner Erörterung, man kennt mich, man haßt mich dafür. Ich bin sehr damit einverstanden, eine Synode zusammentreten zu sehen, nur soll sich dieselbe zu keiner Hierarchie gestalten wollen, und sich zu Kirchenbußen, Jnquisitionspredigten und Persönlichkeiten konstituiren, um dann mit begründeter hierarchischer Despotie, den Einzelnen in seinem Familienkreise, in seiner Gemeinde zu tyrannisiren. Beginnen Sie in der von Ihnen .geäußerten Art dieZusammenberusung der Rabblnen, besprechen Sie mit denselben die von Ihnen so wahr angegebenen Bedürfnisse der Zeit, leiten Sie dieselben hin zur Einsicht der Nothwendigkeit einer Vereinigung der Parteien, zu einem klugen durchaus nicht antireligiösen Nachgeben, vereinigen sie dieselben zu einem entsprechenden Plane, und fordern Sie dann in Konkreto, unter Bekanntmachung Ihrer Beschlüsse, entweder renommirte Laien persönlich zur Mitwirkung auf, oder lassen Sie einen Aufruf an die ungrischen Gemeinden ergehen und veranlassen Sie dieselbe, unparteiisch Männer zu erwählen, die Einsicht, Erfahrung genug haben mögen, um in Gemeinschaft mit den Rabbinen, das große Werk einer innern Konstituirung oder vielmehr Regenerirung auszuarbeiten, und sein Sie, werde ich zur Mitwirkung aufgefordert, meines etwaigen Einflusses, gewiß aber meines besten Wollens.versichert." In diesem Sinne spann sich das Gespräch zwei volle Stunden fort, endete mit vielen Versicherungen von Seiten des Herrn Rabbi, und mit der Forderung von L. H., der Herr Rabbi möchte sein Inkognito in Füred ablcgen, und sich mit Ersterem auf der öffentlichen Promenade vor den Augen der zahlreichen israelitischen Kurgäste zeigen. Dies geschah. Der Herr Rabbi unterhielt sich dort über diesen Gegenstand, obgleich etwas behutsamer, mit H. Jakob Steinitzer aus Arad. Freund und eifriger Kampfgenosse L. Holländers, und mehreren Anwesenden, und schied Tags darauf, das Beste verheißend, von den Wünschen und Zweifeln des L. H. und Jak. Steinitzer begleitet. Etwa 4 Wochen später, brachte der folgende Brief den Bericht, daß den 20. August die Versammlung der Rabbiner stattfinden werde. — 1 Papa, im August 1844. In Folge meines in Efüllung gehenden Versprechens, habe ich die Ehre Sie zu benachrichtigen, daß die Zusammenkunft der Rabbi's in der Stadt Baks im tolnaer Komitate am 20. August erfolgen wird. Auch die Freigesinnten sind einschließlich alle geladen. Und in Hinsicht der Erlaubniß und Sicherheit der Abhaltung unserer Versammlung, habe ich die Würdigung des Titt. H. Grafen Karl Esterhazy, Obergespannsch. inTolna, und seine Empfehlung in den Schutz des betreffenden Komitates entsprechend erhalten. Zur Benachrichtigung über das Resultat derselben möchte ich mir., das in Ersüllunggehen Ihres großmüthigen Versprechens Vorbehalten, nämlich, daß ich das Glück haben werde, Sie mit Ehrfurcht in meiner Wohnung £it empfangen. Ende August werde ich schon in jedem Falle zu Hause sein. Der ich mich rc. rc. Paul Horvitz, Oberrabbiner in Papa." — Im Voraus hatte der Herr Rabbi die Mitwirkung und das Mitwissen des L. H. bei dieser Versammlung, allenthalben verbreitet, und so den Israeliten Nngarn's ein Räthsel aufgegeben, um dessen Losung Viele der Befreundeten L. H. selbst mit Vorwürfen angingen. Besonders aber der Vorstand der pesther Gemeinde, deren Rabbi auch geladen, schwankte, ob er gehen oder ob er es unterlassen solle. L. H. erklärte den Fragenden, den -Befürchtenden: „Daß er um den Plan der Versammlung wisse, und wenn er. auch kein besonderes Resultat erwarte, sei er für seine Person doch für die Versammlung, weil sie ein Treiben, ein Leben bekunde, was jedenfalls besser, als Indifferenz sei, und da kein positiver Nachtheil zu befürchten, den man nicht im schlimmsten Falle beschwören konnte, so könnte und würde hoffentlich selbst mit dem etwaigen Uebel auch etwas Gutes mit aufkeimen." Dem 20. August sahen Viele. gespannter Erwartung, mit guten, mit bösen Ahnungen entgegen. Er brachte was Sie wissen. Die Rabbinen kehrten zu ihren Gemeinden zurück und brachten je nach ihrer Denkweise Hoffnungen oder Besorgnisse mit. Furcht und Zweifel streuten verschiedene unverbürgte Gerüchte im Lande umher; L. H. hörte Verschiedenes, ohne mit Gewißheit dem einen und dem andern Glauben beimessen zu können. Herr Paul Horvitz schwieg. Es war gerade um die die Rabbinen beschäftigende Zeit des^ NdivN '«D8'"i, als des Wartens müde L. H. folgenden Brief an Herrn Paul Horvitz sandte. — Eperies, den 18/9. 1844. Hochwürdiger Herr! Es sind nun an die vier Wochen, daß Ihr gegen mich ausgesprochener Zweck eine Rabbinerversammlung abzuhalten, wie Sie mir selbst zu berichten die Güte hatten, sich realisirt hat. Ich habe nach ihrer Abhaltung viele der Gerüchte darüber sich verbreiten hören. Sie wissen meinen Grundsatz, ich sei nicht gewohnt Alles zu glauben. Bis heute hat die glaubwürdige Quelle, Sie selbst, mir nicht einen Tropfen Auskunft zufließen lassen. Ich weiß, daß die jetzige Zeit eine Sie viel beschäftigende ist; dennoch kann ich meine

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