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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-19 · Heft 21 (19.5.1845) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 21 (19.5.1845)
Date
1845-05-19
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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BetI a g e zur Allgemeinen Zeitung -es Judenthums No. 21. Aus Ungarn. Sie haben schon oft die ungarische Nabbknerversammlung besprochen, in ihren muthmaßlichen Folgen und Resultaten; Sie sollen nun auch etwas von ihrem Ursprünge, von ihrem Werden erfahren, von ihrem ferncrn Wollen, und Verhandeln; wie es auch in dem authentischem Berichte, den ich Ihnen hier vorzulegen das Vergnügen habe, nicht uninteressant sein möge, die Meinungen und Aeußerungen der Verfechter der Nabbinerversammlung und ihrer Protokolle zu hören und zu beurtheilen, um so mehr als in diesem Sinne, bis jetzt kein Referat in Ihren Blättern erschienen. — Nicht unbekannt ist in seinem Vaterlande, in Ungarn , der Name Leo Holländer; und um ihn'und zu ihm sieht hinauf und sammelt sich, was vorwärts will im ungarischem Judenthume, und gegen ihn und auf ihn hinab rottet sich und blickt ergrimmt die finstere Schaar verknöcherter Judenschaft. Sein Walten und Wirken bei den ungarischen Landtagen, sein unermüdetes Bitten und Streben, von einigem Erfolge gekrönt, hat ihm die Liebe, das Vertrauen der Erfteren, den stillen Haß und die offene Scheu der Letzteren erworben. Da traf ihn einst unerwartet ein Brief des Herrn Paul Horvitz, Rabbiner in Papa (in Ihren Blättern bereits bekannt), den ich in Uebersetzung gebe (er ist ungarisch abgefaßt). Es ist die erste Eröffnung meiner Korrespondenz, deren Mittheilung mein Zweck ist. Papa, im Mai 1844. Herr rc. Mehrere unserer liberal gesinnten Religionsgenossen, haben die gebräuchlich jüdische Schrift aufgebend, die deutsche in Mode gebracht; ich, wenn ich schon von unserer ursprünglichen hebräischen Sprache abweiche, hielte es für ein Verbrechen mit meinem Vaterlandsbruder in einer andern, als in der Sprache des Vaterlandes zu korrespondiren. Denn obgleich unsere christlichen Brüder uns unter dem Vorwände thörichter und aus Mißverständniß gegen uns vorgebrachten Beschuldigungen, in unseren Geburtslande für Vaterlandsbrüder anzuerkennen sich weigern; wenigstens wir, die wir wol fühlen unsere Anhänglichkeit an unser natürliches Vaterland, und unsere Busen .durchdrungen fühlen von dem innern Drang, der uns zur Vollziehung der damit verbundenen Pflichten mahnt, wir, sage ich, die wir über dies Alles nicht zweifeln, mögen nicht vergessen uns dafür zu bekennen und zu charakterifiren. — Mit Freuden las ich vor Kurzem das Wort, welches Sie über, diese Angelegenheit unserer Glaubensgenossen, mit Sr. k. Hoheit dem Palatin, so glücklich waren zu wechseln. Mit Freuden, sage ich, und zwar mit herzerhebender Freude, weil ich sah, daß die Söhne Israels in Ihnen ein Individuum besitzen, dessen von Gott gesegnete Wohlhabenheit, eine glänzende Intelligenz krönt, daß das Schicksal seiner Glaubensgenossen im Herzen trägt. Weshalb Sie auch -meinen herzlichen Dank, und zum Pfände meines Dankgefühls zugleich auch das hier beigeschlossene Exemplar meines geringen Produktes gütig annehmen mögen. (Ein gedrucktes ungrisches Gebet). Von dieser freudevollen Verständigung veranlaßt, erkühne ich mich, Sie an einen die Verbesserung unseres gedrückten Judenlhum befördern könnenden Hauptfaktor zu erinnern, und dieser kann meiner Meinung nach kein anderer sein, als: Versöhnung der in Israel sich einander gegenübersiehenden zwei Härteten. Ich wenigstens meine das, und zwar nach überlegtem Nachdenken, daß dieses, logisch genommen, beinahe ein unentbehrliches Haupterforderniß zur möglichen Hebung unseres gesunkenen Schicksals, nach dessen mit Gott erreichten Erfolge, das zu Thuende. mit Gefammtwillen und übereinstimmend und gleichsam ausfließend aus einem zu errichtenden Zentralpunkte universel und allgemein vollzogen werden könnte. Ich bekenne es bescheiden, daß ich einer der glaubenseisrigen Nabbi's bin; aber Dank dem Schöpfer, aus einer von Wahn Vorurtheil Fanatismus und blindem Eifer freien Ueberzeugung; weshalb ich die Verdienste um Wissenschaft, Vaterlandsliebe und andere bürgerliche Pflichten zu würdigen, und dieselben auch unseren entgegengesinnten GlaubenSbrüdcrn zu achten weiß. Ja, gerade aus glaubenseifrigem, religiösem Gesichtspunkte, und deswegen noch aus doppelter Verpflichtung bestrebe ich mich zur Beförderung des geistigen und bürgerlichen Fortschrittes unserer Glaubensbrüder. Ich hoffe, daß ein glänzend intelligenter Mann um so freudiger empfängt die, obgleich paradoxen,-doch segenbringenden Ansichten eines glaubenseifrigen Rabbi, in wie fern es eine zeitgemäße Aufgabe rst, nicht gerade die freigesinnten, die der Zeitgeist ohnehin immer mehr vorwärts stößt, sondern lieber die vom Zeitgeist zurückbebenden Brüder zur Ausbildung anzueifern. Für diese aber können Sie in mir, der ich ihr Prinzipienverwandter bin, auf die sicherste Stütze, und daher auf einen zur Realisirung des oben vorgeschlagenen Faktors nicht erfolglosen Vermittlers zählen. Da es keinen Zweifel erleiden kann, daß ich in Ihnen von Seiten der Freigesinnten nicht noch auf mehr zählen könne, erkühne ich mich deswegen, damit wir uns über die Realisirung dieses ungeheuer wüstigen Geschäftes, im Detaille einander verständlich beisammen berath schlagen, können. Sie bei Ihrer heißen Liebe zu Ihren Glaubensgenossen, zu einer dies bezweckenden Zusammenkunft aufzufordern. Und zwar in wiefern Sie mehr mit der Art, ich aber mit der Zeit disponiren kann, werden Sie so gütig sein, mir in der Raumlange, sich in der Zeitbestimmung den Vorzug zu lassen, weshalb Sie belieben möchten, einen Termin zu bestimmen, an welchem wir beide in Herend, in der Porzellanfabrik des Hrn. Moritz Fischer wegen Verhandlung dieses unaussprechlich heilsamen Zweckes, mit Gottes Willert erscheinen mögen. Mißbilligung dieses meines Erkühnens, kann ich auch nicht ahnen, von dem Gesichtspunkt ausgehend, daß man so viel in Hinsicht der wichtigsten Aufgabe für seine glaubensbrüderliche Angelegenheit von einem Holländer mit richtiger Rechnung würdigend fordern kann. Ihr bereitwilliger Diener Paul Horvitz, Oberrabbiner in Papa. Sonderbar wurde L. H. von dem Briefe selbst und der darin enthaltenen fast unpraktischen Idee einer Ausgleichung erregt, um so mehr als beide von einem Manne kamen, gegen den der papaer Al Emor-Streit, die Verdächtigung des Samstagtabackrauchens in aller Welt Munde waren. Doch gewohnt, keinen Freund und keinen Feind so gering zu achten, daß er nicht nützen oder schaden könne, nahm er sich vor, den Mann kennen zu lernen. Schnell bot sich die gesuchte Gelegenheit L. H. beabsichtigte eine Kunstreise nach dem Füreder Brunnen, von Preßburg aus, wo Landtagsgeschäfte ihn hielten, und lud in einem sehr schmeichelhaften Schreiben den papaer Rabbi auch

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