Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1845)
- Date
- 1845-05-19
- Page
- Seite 316 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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816 Macht anmaßen, niemals eine hierarchische Gewalt aneignen wollen. Sie hat erklärt: daß die Rabbinen überhaupt niemals mehr Macht haben, als die Gemeinden selbst ihnen einraumen. Die Versammlung hat ihre Beschlüsse lediglich als das dahinstellen wollen, was sie sind: Beschlüsse der Versammelten, zu deren Annahme Niemand genöthigt ist, Kundgebungen der Meinung ihrer Theilnehmer. Man sieht das Manoeuvre leicht durch. Stuttgart, 9. Mai. (Privatmitth.) Die Kammer hat den Staatsbeitrag zur Erhaltung der. israelit. Oberkirchenbehörde von 3000 auf 4830 si. erhöht. Sie hat somit genügend die Achtung, welche sie vor dieser.Behörde und ihren Maaßnahmen hat, bezeugt. Hamburg, 6. Mai. (Privatmitth.) *) Endlich ist unser geistliches Haupt aus seinem 25jLhrig. Schlummer erwacht. Die Kriegsposaune der frankfurter, breslauer, berliner Reformjünger ließen ihn nicht länger schlafen. Er hat endlich eingesehen, daß, wenn unsre angefochtenen Heiliglhümer nicht untergehen sollen, man sie in ihrem alten Glanze wieder Herstellen muß. Er hat eingesehen — wozu ihn seine Bestallung schon verpflichtet — daß sämmtliche Lehrschulen bewacht werden müssen, ,und für die wohlhabende Klasse eine solche geschaffen werden muß, wo das Wort Gottes gelehrt werde, und woran es gänzlich hier fehlt. Er hat endlich eingesehen — wozu auch seine Bestallung ihn verpflichtet — daß die Synagoge von den in Hamburg noch darin stattfindenden, und in anderen Gemeinden schon daraus entfernten würde- und andachtslosen Eigenthümlichkeiten gereinigt werden muß. Er hat eingesehen, daß, wefln der Ehebund ein heiliger sein soll, die Trauung nicht ferner ganz ohne alle Würde und Weihe geschehen muß. Er hat eingesehen, daß, wie die christlichen Geistlichen für den Aufbau der eingeäscherten Kirchen, so auch der Rabbine für den Aufbau der eingeäscherten Synagogen streben muß. Und endlich hat er eingesehen, daß, um alle diese Gegenstände zu unternehmen, nicht (wie bisher) der °) Nicht von unserm gewöhnlichen Korrespondenten. Redakt. Vorstand ihn, sondern er den Vorstand dazu auffordern und begeistern müsse. Das hat er nun endlich eingesehen, und um Alles mit einem Schlage hervorzubringen , ließ er gestern in allen Schulen bekannt machen, daß —die Kringel") und Kuchen bei den Bäckern trefa und daher Osser seien!! — Es ist keinesweges in Abrede zu stellen, daß dies ein pflichtmäßiges Verbot sei, denn die Bäcker hatten wirklich einen gräulichen Unfug, und gerade mit dem Brode getrieben, welches das Lieblingsbrod der armen Klasse ist; — ist aber eine Gemeinde ohne Religionsschule für die Bemittelten, eine Mickwa ohne reines Wasser, eine Trauung ohne Würde, ein Vorsänger ohne Stimme, ein Gesang, ohne Harmonie minder trefa? Oder glaubt man mit einem koschern Kringel die ganze Reformerschaar in die Flucht schlagen zu können? Hat nicht vielmehr der Verfall obiger Heiliglhümer den Geist der Reformsucht heraufgezaubert? Werden die heiligen Gebote der Lehre unseren Kindern wieder in ihrem alten Glanze dargestellt, wird das Gesetz wieder gelehrt, wird die Andacht wieder hergestellt, wenn wir nichts thun, als koschere Kringel essen? Gott, Gott! Soll Deine einst so fromme, heilige Gemeinde in Hamburg von Allem was den Menschen hebt und heiligt, entblößt bleiben? Und wenn auch jener Prophet mit zwanzig Broden hundert gespeist, so soll sich Hamburgs große und berühmte Gemeinde nicht mit einem Kringel abspeisen lassen, sie soll sagen: ■ rwafiab -jma! Amitti. Preußen. Berlin, 1. Mai. fDie Landtagsverhandlungen der brandenburger Provinzialstände. Nach der Allg. Preuß. Ztg. Schluß.) Die Juden zeigten auch ihrerseits durchaus keine Hinneigung zu einer Annäherung/sonst würden sie nicht durch starres Festhalten an manchen unwesentlichen Ritualien, z. B. an der Sabbatfeier, störend auf die Verhältnisse der Christen einwirken. Hätten die Juden wirklich die Ueberzeugung von der Richtigkeit ihres religiösen Glaubens, so müßten sie auch die Konsequenzen desselben tragen, und würden in ihrem Glauben auch *) Ist eine.Art Brod in Form einer 8. Korr.