Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1845)
- Date
- 1845-05-12
- Page
- Seite 304 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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304 und seine Grundlage ist — der Sand der Wüste. Da heißt es: „es steht in keines Menschen Macht, auch das kleinste religiöse Gesetz aufzuheben." Und nun weiß man, was da unter „kleinstem religiösen Gesetze" verstanden wird, nämlich jeder a.lteMinhag, und sei es der lächerlichste Minhag Schtus, jeder verjährtester Brauch, und sei es das Oeffnen der Thüre für Eüjahu beim Seder. Und unter diese Männer hat sich der zukünftige Oberrabbiner von London gestellt, unter diese Fahne hat er sich enrolirtl Er hat damit — unsre ganze Zukunft erwürgt! Was will er noch hier? Was will er hier schaffen und wirken? Unsre Pfunde einstreichen, die Schächter approbiren, und dann und wann einem großen-Souper beiwohnen, und dann und wann eine langweilige Rede halten? Das konnten wir Alles allein, dafür haben wir Männer genug. Dem Geiste und den Worten dieses von ihm Unterzeichneten Pamphlets ist jede neue Anstalt, ist jede geordnete Synagoge und Schule zuwider — denn die „kleinen religiösen Gesetze" lassen diese nicht zu. Diesem Geiste und diesen Worten ist jede Würdigung der Zeitbedürfniffe geradezu entgegen, denn diese Zeit ist ihm „verderbt", er kann-sie nur verdammen und bekämpfen. Dem Geist und den Worten dieser Schrift nach kann er nur — beten, und offen gesagt, beten können wir allein und brauchen keine tausend Pfunde jährlich für einen offiziellen Generalbeter auszugeben. Der vr. Adler hat mit diesem einen Federzuge — seine und unsre Zukunft vernichtet, er hat uns damit fürchterlich enttäuscht. Wir haben an ihm, wie Jesaias von Aegypten sagt „ein geklicktes Rohr, das, wer sich aus dasselbe stützt, ihm die Hand durchsticht." Rußland und Polen. Ein Ukas befiehlt allen Juden, ihre polnischjüdische Tracht ab- und Nationaltracht anzulegen. Bis zum Jahre 1850 ist noch die Wahl gelassen, entweder die Kleider umzutauschen oder unter Abzahlung einer, von den Gouverneuren darüber aufzuerlegenden Accise dieselben zu behalten. Nach Ablauf dieser verhängnißvollen Periode findet kein Lösegeld statt, und der Ukas tritt in volle Wirksamkeit; auch die Frauen sind hiervon nicht ausgenommen. (K. Z.) Antikritik. 0r. Holdheim's neuentdeckte Lehre des rabbinkschen Judenthums in Bezug auf das KolNidre und die Auflösbarkeit assertorischer Eide, beleuchtet von Dr. David Einhorn. (Fortsetzung.) Ob aber selbst dieser von der Vorsehung beliebten Ordnung der Dinge die Rettung des Kol-Nidre wirklich gelungen sei? Ob es.auch seine Richtigkeit habe mit meiner Behauptung, daß selbst die rabbinischen Autoritäten, welche der Sirrin eine Gewalt selbst über Eide in Bezug auf Andere einraumen, eine ähnliche Gewalt dem biia^a durchaus abfprechen? Wir haben hierfür Ascher ben Jechiel, Jakob ben Ascher und den Schulchan Aruch als Gewährsmänner angeführt. Joseph Caro, welcher in Sch. A. Jore Deah 228, 20 nach Herrn Dt*. Holdheims eigenen Worten sich auf Seite derer neigt, welche die S-nnrt in Bezug auf Eide, die Andere betreffen, dekretiren, stellt in Jore Deah 211, 4 die Unstatthaftizkeit des Vitara bei solchen Eiden als unbestrittene Halachahin*). Das erkennt Herr vr. Holdheim als einen vollgültigen Beweis an; denn er erwähnt dessen in seiner Widerlegung mit keiner Sylbe und überspringt ihn sogar absichtlich, indem er nach seiner Gewohnheit, sein Heil' in halben Zitaten zu suchen, auch hier in meinem Namen aus dem Vorder- und Nachsatze gerade so viel zitirt, als 'eben in seinen Kram zu passen scheint, doch wir wollen mit Herrn vr. Holdheim nicht länger darüber rechten, daß seine sonst so geläufige Feder gerade bei den zwei zähen Wörtchen „JoreDeah 228 und 211, 4". den Starrkrampf bekam. , Genug der Beweis ist da. Und gesetzt nun: ich hatte für meine Ansicht, durch welche Schmach und Schande von den Juden abgewendet wird, wirklich keine andere Gewähcschaft, als die Aussprüche des zwar nurj einzigen, aber doch allen rabbinischen Juden zur Lebensnorm gewordenen Schulchan Aruch, und alle anderen Autoritäten schwiegen, sprächen sich weder dafür, noch dawider aus — durfte ich dann nicht mit vollem Rechte diese Ansicht als eine vom rabbinischen Judenthum unbestrittene hinstellen und somit auch die Unantastbar- ■min '-wi *6»-'•’Ti»« iHn p« (* bvj^a p« wirr Tran vaDnw ■>» baa .öiVa Tb iir