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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-12 · Heft 20 (12.5.1845) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 20 (12.5.1845)
Date
1845-05-12
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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297 und genährt werden könne. — Nicht konnte es -uns überraschen, daß die aus freier Prüfung hervorgegangenen Beschlüsse und Anregungen einer in Wissenschaft und Bildung eben so hoch stehenden, als von uneigennützigem Eifer für die gute Sache beseelten Versammlung bei vielen polnischen und ungarischen Rabbinen keine Anerkennung finden, da diese aus zu niederer Bildungsstufe stehen, um jene würdigen zu können; daß aber auch in unserem Deutschland einige Männer, die mit deutscher Bildung sich brüsten, daß sogar einige Rabbiner, die von unserer, der Humanilät und dem zeitgemäßen religiösen Fortschritte huldigenden Regierung angestellt find, sich zu. solchem schmachvollen'Werkzeuge des Rückschritts von dem Auslande her konnten verleiten lassen, das ist es, was uns allerdings befremdet, uns aber zugleich die Pflicht auferlegt: im Namen unserer Gemeinde offen zu erklären, daß auch wir die Berathungen der jüngsten Rabbinerversammlung mit Freuden begrüßt und der nächsten mit Vertrauen entgegensehen; dagegen jene ungarisch-polnische Erklärung, als dem religiösen Bewußtsein unserer Gemeinde fremd, nach ihrem Unwerth abweisen; so wie wir überhaupt die Unterzeichner derselben, die jeder Befugniß, über die Rabbinerversammlung ein absprechendes Urtheil abzugeben, durchaus entbehren, als Vertreter unserer Gesinnungen 'nicht anerkennen. Der Vorstand der israel. Gemeinde hier. E. H. Posen. S. Goldschmidt. I. S. Fuchs. N. Berge. Jakob Kopp. Vom Main, 30. April. (Privatmitth.) Diese Lage hat der „Frankfurter Reformverein" — sich selbst begraben, und ihm die Leichenrede zu halten, war dem talentvollen Herrn Or. Ludwig Wihl übergeben. In einer No. 113 der Didask. abgedruckten Rede, die er in der Versammlung der Reformfreunde am 20. April gehalten, forderte L. W. dieselbe auf, sich dem berliner Aufruf anzuschließen, ihre „unbegrenzte Fortbildung des Mosaismus" aufzugeben, indem er den Unsinn dieser Worte nachwies, und dafür die „geistige Auffassung" der, Berliner empfahl, und überhaupt aussprach, daß aus dem berliner Aufrufe ein Positives hervorgehen wolle, wonach am Ende Jeder ein Begehren habe. Er verhöhnte sogar die Grundsätze des frankfurter Vereins, indem er sagte, dieselben erinnerten nur an Spinoza, Bauer und Feuerbach, währenh der berliner Aufruf an Moses und die Propheten. Obgleich nun der berliner Verein sich durchaus mit den Frankfurtern in keine Verbindung gesetzt habe, so solle man diese Rücksicht doch schwinden lassen, und sich jenem anschließen. — Es geht demnach überklar hieraus hervor, daß der frankfurter Verein endlich zur Erkenntniß seines Nichts gekommen, und sich selbst als unhaltbar aufgiebt. Ob aber der berliner Verein einen gesunden Zuwachs dadurch erhält? Es steht zu bezweifeln. Wihl beginnt seine Rede damit: den Talmud gänzlich beseitigen zu wollen. „Ist der Talmud beseitigt," sagt er, „befinden wir' uns der Bibel gegenüber in gleicher Lage wie der Protestantismus. Wie dieser in ihr noch immer eine Grundlage des Glaubens" (aber welche?) „hat, trotz der verschiedenartigsten Auffassung, so wird auch das vom Talmud emanzipirte Judenthum sich mit und in ihr zurechtsinden lernen."-Gott bewahre uns davor! Das soll das Heil des Judenthums sein? Daß der Eine die fünf Bücher Mos. in 24 Stücke zerreiße, der Andere das fünfte Buch für das älteste, der Dritte für das jüngste erkläre, daß der Eine dies allein, der Andere jenes allein daraus nehme, wie es den Leuten in den hyperkritischen Kopf steigt? Genug; auch hier zeigt sich wieder die frankfurter Wirre, die, sich selbst zerstörend, die Zerstörung noch zum allgemeinen Prinzip erheben will. Frankfurt am Main, 2. Mai. (Privatmitth.) Ein „provisorisches Konnte" hier hat folgende Aufforderung erlassen: Aufforderung zur Pildung einer Kasse für die zukünftigen Rabbinerversammlungen. Die Versammlung deutscher Rabbinen, welche voriges Jahr in Braunschweig gehalten wurde, hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt und sich lebhafter Theilnahme in der Mitte unserer Glaubensgenossen erfreut. Man fühlt überall, daß die so schwierige, als unabweisbare Aufgabe: unser religiöses Leben und dessen Institutionen zu läutern, zu begründen und zu erheben, am besten durch einen Verein sachkundiger, besonnener und muthiger Männer ge-

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