Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-05 · Heft 19 (5.5.1845) · p. Seite 287

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 19 (5.5.1845)
Date
1845-05-05
Page
Seite 287 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225409--06877-3236732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

287 fie emporheben, für sie Fürbitte einlegen/weriigstens werde ein Versuch gestattet, hoffentlich aber würden wir noch einen erwünschten Erfolg sowol für sie als für das allgemeine Beste erleben. — Man werfe ihnen Wuchervor, wucherten denn aber blos Juden? Ein ritterschaftlicher Abgeordneter beweist, daß der jetzige Zustand der Juden von deren Bedrückung in vergangenen Jahrhunderten herrühre, und festhaltend an dem, gleich den Juden, wie den Christen heiligen Gebote: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst," stimmt er für ihre unbedingte Emanzipation. Einem Abgeordneten, welcher seinen Kollegen, den Abgeordneten des zweiten Standes, zu bedenken gab, wen sie hier vertreten, ob Christen, welche sich in der Mehrzahl befänden, oder Juden, wurde entgegnet, daß jedes Mitglied der Ständeversammlung im allgemeinen Interesse seine Meinung äußere und zu äußern verpflichtet sei. Hiernächst einigte man sich darin, folgende Fragen zu stellen: 1) ob die Versammlung sich für die vollständige Emanzipation nach Maaßgabe der Anträge in den verschiedenen Petitionen erkläre, 2) oder nicht? Für die erste Frage stimmten 19 Mitglieder, gegen dieselbe 27. Wrewol ein städtischer Abgeordneter den Gegenstand der Petition für entschieden erachtet, zumal es hauptsächlich sich darum gehandelt hätte, die naturalisirten Juden ganz zu emanzlpiren, so theilten der Marschall und drei ritterschaftliche Abgeordnete diese Ansicht nicht. Der Ausschuß habe zwar die Beschränkungen angegeben,.unter deren Vorbehalt die Emanzipation beantragt werden solle, jedoch beständen darüber verschiedene Ansichten, weshalb die Frage also zu stellen wäre: ob die Versammlung unter gewissen Bedingungen, in Betreff deren sowol die nähere Erörterung, als auch die Beschlußnahme Vorbehalten bliebe, für die Emanzipation sich ausspräche. Man kam dahin überein, folgende Fragen zur Abstimmung zu bringen: 1) ob die Versammlung für die Emanzipation der Juden unter Bedingungen, deren jede besonders diskutirt werden solle, sich erkläre, 2) oder nicht? 32 Mitglieder stimmten für die Emanzipation unter Bedingungen, welche einzeln erörtert werden sollen; vierzehn Mitglieder gegen die Petitionsanträge, und zwar mehrere deshalb, weil der Hauptantrag um vollständige Emanzipation nicht genehmigt worden sei. Der weitern Diskussion verbleiben sonach die, von dem Ausschüsse vorgeschlagenen Beschränkungen, ferner die Zusätze und Abänderungen, welche etwa andere Mitglieder einzubringen für zweckmäßig erachten sollten. — Deutschland. Leipzig, 25. April. (Priv-tmitth.) Nachdem ich das Pamphlet der 77 Rabbinen gegen die „Rabdineroersammlung Deutschlands" gelesen, wußte ich wirklich nicht, ob es mehr empören oder zum Belächeln anregen muß. Und zwar warum? Sehen Sie, eine Meinung ehre ich; und wäre es die dunkelste und verdunkelndste; sobald sie offen und fest als Meinung auftritt, ist sie achtungswerth, muß gehört, und dann — je nach ihrem Werthe, eingestanden oder verworfen, bekämpft, widerlegt werden. Aber Hochmuth, Dünkel? Verurtheilen ohne Beweis, Verwerfen ohne Gründe, Verdammen ohne Argumente? In dem Pamphlete wird gesagt: 1) Die Theilnehmer der Rabbinerverfammlung wären ohne talmudische Kenntnisse; 2) sie hätten die Absicht, die Religion zu vernichten; 3) alle ihre bis jetzt gefaßten und in Zukunft zu fassenden Beschlüsse wären nichtig. Wer nun diese drei Urtheile liest, der verlangt doch wenigstens einige Beweise, der wünscht doch zu erfahren, womit ist dies Alles dargethan? Aber die Leutchen haben ganz allein bloß ihr Wort, ihre Unterschrift als Beweise gegeben — nun, seid zufrieden. Man hätte erwarten müssen, die Leute/ die doch so angenagelt auf ihren Stühlen sitzen, werden sich Hinsehen, die Protokolle und Beschlüsse einzeln durchnehmen, die Aussprüche,, die sie verwerfen, bezeichnen und die Gründe ausführlich darthun. WaS hätten die Leutchen da für Gelegenheit gehabt, die Gelehrsamkeit, auf die sie pochen, darzuthun, den Eifer, von dem sie strotzen wollen, zu bewahre»/ und ihre Gegner zu vernichten. Aber Nichts von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.