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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-05 · Heft 19 (5.5.1845) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 19 (5.5.1845)
Date
1845-05-05
Page
Seite 285 (sequence 9)
Language
German
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285 umstände, alle christlichen Mitbürger von den städtischen und andern Aemtern ausschließen würden, weil sie entweder ganz oder mindestens doch dem größten Eheste nach, zu Meistern der Wahlen sich machen könnten. Selbst England stelle das Beispiel eines vorsichtigen Verfahrens in dieser Hinsicht auf, und dort lebten kaum 39,000 Juden. Gewiß werden nicht wenige Mitglieder der Versammlung für die völlige Emanzipation stimmender aber müsse sie für zu frühzeitig erachten. Zuvor müsse man es mit einer, nach den Vorschlägen des Ausschusses beschränkten, versuchen. Werden die Juden in ihren Bestrebungen, in dem Geiste, welcher sie seit dem Bestehen der Verordnung vom 1. Januar 1833 beseele, fortsahren, so werden sie sich immer mehr ausbilden, denn hierzu wären ihnen die Mittel gewährt, und die Folge davon werde seiner Zeit ihre vollständige Emanzipation sein. — Indem er das Interesse der Juden gegen das der Christen, besonders an Orten, wo letztere in der Minderzahl stehen, abwäge, so müßte er bei den Anträgen der überwiegenden Mehrheit des Ausschusses beharren. Noch ein ritterschaftlicher Abgeordneter betrachtet die Rechtsverhältnisse der Juden unter der herzoglich warschauschen und der gegenwärtigen Regierung, und ist anräthig, bei der Lösung dieser wichtigen Frage Rücksichten zu nehmen, nicht allein auf die große Anzahl der Juden, sondern auch auf den niedrigen Standpunkt der Bildung des größeren Eheils derselben, bevor man ihnen alle Rechte und Vorzüge der Staatsbürger einräume. Ein Abgeordneter aus dem dritten Stande widersetzt sich dem Anträge überhaupt. Christus, der Herr, selbst habe die Juden von seiner Gnade ausgeschlossen, und zu ewigem Umherirren verdammt. Bei ihrer Gewandheit und den ihnen zu Gebote stehenden Geldmitteln, würden sie aller Bedienungen in den Städten sich bemeistern. Es werde ihnen ja in vielen deutschen Staaten die Emanzipation versagt, obgleich sie dort nicht so zahlreich seien, wie bei uns. Ein ritterschaftlicher Abgeordneter giebt zu erwägen, ob es nicht angemessen wäre, die Juden so zu stellen, wie-dies in den alten Provinzen der Fall ist. Ein gleichfalls ritterschaftlicher Abgeordneter widerlegt die Ansicht des Abgeordneten aus dem dritten Stande, indem er anführt, daß Christus der Herr lehre, seinen Nächsten so zu lieben, wie sich selbst, und daß die Juden auch unsere Nächsten seien. Die jüdische Religion sei in ihren Grundsätzen rein und untadelhast,', sie sei die Mutter des Christenthums. Durch Erniedrigung habe man die Juden gezwungen, nur dem Schacher und den Geldgeschäften obzuliegen. Das Verbot der Uebersiedelung der Juden in andere Provinzen steigere sowol ihre Zahl im Großherzogthume über'alle Maaßen, als benachtheilige schon hierdurch die Christen, welche mit ihnen, oder vielmehr, mit welchen sie den Erwerb theilen müssen. Die Christen trügen die Schuld an dem Zustande der Juden. Seit achtzehn Jahrhunderten von uns ausgeschlossen, sich selbst überlassen, seien sie nicht nur nicht schlechter, sondern besser geworden. Eine vollständige Emanzipation werde sie vollständig bessern und in allen Beziehungen uns gleichstellen. Noch zwei ritterschaftliche Abgeordnete sind derselben Meinung und einer von ihnen fügt überdies hinzu: er kenne kein Recht, welches einem Menschen gestattete, einen andern zu bedrücken. Derjenige, welcher die Freiheit lieb habe, könnte die Unterjochung nicht dulden. Die Zulassung der Juden zum Staatsbürgerrechte werde ihr moralisches Gefühl eben so heben — als das Vorenthalten dieses Rechts sie hätte demoralisiren müssen. Jede Intoleranz sei dem Polen fremd. Schon Boleslaw, Fürst von Kalisch, habe im 13. Jahrhunderte den Juden die mildesten Gesetze verliehen. Es sei Zeit nach so vielen Jahrhunderten, in welchen wir sie von uns abgesondert gehalten, ihnen diejenigen Rechte zuzugestehen, welche denselben vorzuenthalten des allgemeinen Besten wegen und um der-Ehre Gottes willen, es sich nie geziemt hätte) weil ja die Staatsbürgerechte von der Religion doch nicht abhängig gemacht werden dürften. Ein anderer ritterschaftlicher Abgeordneter spricht sich dahin aus: Die Juden seien aus ihrem Vaterlande vertrieben und auf der ganzen Erde zerstreut; es dürfe also Niemanden wundern, wenn sie ihres. Vaterlandes gedächten und sich darnach sehnten. Gerade dies zeichne sie zu ihrem Vortheile aus. Im Uebrigen könnten wir alle wahrnehmen, welche segensreichen Folgen die, wenn gleich nur vorläufige 19»

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