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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-05 · Heft 19 (5.5.1845) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 19 (5.5.1845)
Date
1845-05-05
Page
Seite 282 (sequence 6)
Language
German
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282 lange wir in Folge einer vor fast zwei Lausend Jahren gemachten menschlichen Auslegungen einiger Schriftsteller, Handlungen und Bräuche üben sollen, welchen kein religiöser Sinn mehr für unsere Gegenwart innewohnt; so lange wir den Ausdruck unseres religiösen und Glaubens-Bewußtseins, das Gebet, in einer Sprache sollen laut werden lassen, welche uns fremd geworden, und welche zu erlernen uns unser deutsches soziales, und bürgerliches Leben verhindert, so lange der Inhalt unserer Gebete noch immer durchzogen ist von den buchstäblichen Gedanken der Wiederherstellung eines jüdischen Staates mit Tempel und blutigem Opferdienste — so lange wird und bleibt es uns unmöglich, die Reinheit unseres positiven, geoffenbarten Glaubens gegenüber dem Aberglauben der Werkheiligkeit zu erhalten, so lange muß uns die erschreckliche Furcht durchzittern, unsere Kinder könnten dem Glauben ihrer Vater untreu, könnten dem Judenthum entfremdet werden. Darum theuere, deutsche Glaubensgenossen! die Ihr uns nicht nur im Glauben, sondern auch im Gefühl und Gesinnung verbrüdert seid, wir reichen Euch treuherzig die Bruderhand zu Eurem Unternehmen. Durch Namensunterschrift bekunden wir hiermit nach dem besten Wissen und Gewissen , daß wir uns gern und freudig zu Euch gesellen und Euch mit Rath und That zu der bald zu berufenden Synode unterstützen wollen. Die Aussprüche dieser Synode, deren Grundzug und Grundgedanke sich, nach Eurem Aufrufe, darin bethatigen wird: die wahrhaften Lehren des Judenthums zu befreien von allen menschlichen Zusätzen und zurückzuführen zu den lautern Brunnenquell der heiligen Schrift, so wie auf diejenigen Aussprüche der mündlichen. Ueberlieferung, und auf diejenigen Gebrauche, welche dem Geiste des reinen biblischen Judenthums nicht widersprechen und überdies in dem jüdischen Volksbewußtsein eine Sanktion erlangt haben, die Aussprüche dieser Synode sollen uns in Zukunft maßgebend sein für unser synagogüles und religiös-jüdisches Leben; denn wir wollen und mögen durchaus keine bloße Wort- und Mundhelden sein, wir wollen keine Wahrheiten, sondern die Wahrheit und die Wahrheit nicht nur in Worten, sondern ausgeführt durch Thaten, und wahrlich, deutsche Glaubensgenossen! getrost kennen wir mit dem Propheten sprechen: der alte Jrrthum ist vorüber, .Herr! Du wirst uns den Frieden erhalten, denn wir vertrauen auf Dich. Jesaias 26, 3. Kulm den 20. April 1845. Clberfeld, 15. April. Die gestrige Nummer der hiesigen Zeitung enthielt folgende Erklärung des Lehrers der israel. Gemeinde zu Soest: „Von meiner frühesten Jugendzeit ist unser heiliger mosaischer Glaube ein Gegenstand meines Nachdenkens gewesen. Ich habe manche Stunde der Forschung gewidmet und mich bemüht, den Geist zu erfassen, welcher aus dem göttlichen Gesetze spricht, das zuerst himmlisches Licht über die Erde verbreitete und das bestimmt ward, die Menschheit aus der Schmach des Unglaubens wie des Aberglaubens zu reißen. Es ist mir aber klar geworden, daß dieses hohe Erbe durch Menschensatzungen entstellt, daß diese Quelle der reinen Erkenntniß Gottesdurch den zu strengen rabbinistischen Eifer getrübt ward, und die Worte des Dichters: „Der Buchstabe tödtet, nur der Geist gibt Leben", allzu sehr auf unsere religiösen Wirren Anwendung finden dürften. Darum obliegt es jedem, selbst dem geringsten Israeliten, sein Scherflein zu einer durchgreifenden Reform beizutragen und seine Meinung offen und entschieden auszusprechen; damit so Viele unserer Religionslehrer und Rabbiner (die längst gern die Hindernisse hinweggeräumt hätten, welche der bessern Gestaltung unserer religiösen Angelegenheiten in den Weg treten) eine feste und . sichere Stütze an den Laien in Israel finden. Ich sage mich daher hiermit öffentlich und feierlichst von dem Talmud sowie von dem Glauben an ein irdisches Messiasreich los. Was auch über mich ergehen möge, ich werde mit Muth und Ausdauer an meiner Meinung festhalten, für dieselbe kämpfen und Gott um feinen Beistand anrufen. Und somit trete ich den Männern Berlins bei, welche durch ihre Aufforderung vom 2. April d. I. die Verwirklichung unsers gemeinsamen, heiligen Wunsches zu beschleunigen streben." Posen, 20. April. (Privatmitth.) Ich Heile Ihnen in Folgendem die Verhandlungen unsres

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