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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-05 · Heft 19 (5.5.1845) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 19 (5.5.1845)
Date
1845-05-05
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
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281 finden, und sich eine bestimmte Gesellschaft konstituiren, die ihre Vertreter zu wählen haben wird. Vieles, Vieles wäre von den Gegnern zu schreiben, die sich hier gegen die Sache erheben'; von den Vornehmen, den Protektoren unsrer Religion, die da sagen: „Wir, die Gebildeten, brauchen sie eigentlich nicht!" von den Jndifferentisten, die die Sache verlachen, wenn man von religiösem Bedürfniß spricht; von denen, die bei Kaviar und Austern von dem Segen der Speisegesetze sprechen, die durch diese Angelegenheit gefährdet werden; von denen, die sich am »*Hn nicht zwicken, aber von der freien Forschung und dem gemäßigten Fortschritt sprechen ff. ff. Das Eine kann ich versichern, daß die schlichte, alte Frömmigkeit nicht hindernd in den Weg tritt. Und das Eine kann ich hinzufügen: daß die Männer dieser Bewegung sich durchaus nicht irre machen lassen. Bon der Warthe, 20. April. (Privatmitth.) Der berliner Ausruf hat auch in hiesiger Gegend einen sehr verschiedenen Eindruck gemacht. Viele, sehr viele sind, welche dem Schritte ihren Beifall geben, dennoch aber Alles noch zu unbestimmt, zu formlos finden, um mit Bestimmtheit sich demselben anschließen zu wollen. Aber noch viel Mehre stellen sich dem geradezu entgegen. So z. B. hat eine kleine Gemeinde, deren Lehrer sich für den berliner Aufruf erklärte, diesen sofort suspendirt und nicht wieder vor den Omed treten lassen. Es wird daher schwer halten, daß sich vorerst von außen Viele beigesellen sollten; aber die Männer mögen ihren Prozeß erst durchmachen: sind die Resultate nicht geradezu destruktiv, gehen sie mit Ernst und Mäßigung zu wege, so können sie auf große Erfolge rechnen. Kulm, 2t.'April. (Privatmitth.) Kaum war hier der Aufruf der 28 berliner Männer zur baldigen Berufung einer Synode angekommen, als sofort anliegendes Anschreiben, versehen mit elf Unterschriften zirkulirte und viele Theilnahme fand. In diesen Lagen werden sämmtliche Unterzeichnete zusammentreten- und ein provisorisches Konnte konstituiren zur Entgegennahme von Unterschriften aus der Provinz, der.en gewiß eine beträchtliche Anzahl einlaufen wird. Das Anschreiben lautet: Auch in unser Ohr, deutsche Glaubensgenossen! ist Euer Aufruf vom 2. d. Mts. gedrungen und mit 'freudig-bewegtem Herzen'haben wir ein dreimal heiliges-'Amen gesprochen zu Euren, vonden Grundsätzen' unseres für' alle und ewige Zeiten geoffenbarten Glaubens diktirten Worten. - 'Ia> sie waren ganz aus unserer Seele gesprochen die Worte Eures Aufrufs. " ‘; Denn aüch wir haben es längst erkannt,-daß die von den Rabbinern aus den Diskussionen des Talmuds gezogenen Gesetzbestimmungen für synagogales und religiös-jüdisches Leben, keine beseligende Kraft mehr über uns und noch weniger Halt in uns haben. Der Widerspruch des rabbinischen Iudenthums mit unserm deutschen Lieben ist uns lange Zeit schon zum lebendigen Bewußtsein gekommen und je länger, desto mehr, dringt sich uns die glaubensoolle Ueberzeugung auf: das Judenthum der Gegenwart muß an Haupt und Gliedern eine Reform erhalten, so nicht die Kluft zwischen Lehre und Leben noch weiter und größer und unausfüllbarer werde, als sie bereits geworden. Wir sind Juden im vollsten Sinne des Wortes und d i e wollen wir auch im'vollsten Maaße des besten Willens - unser Leben läng bleiben. Wir sind Juden, d. h.r Wir glauben treu und wahrhaftig an das uns für ewige Zeiten geoffenbarte Wort der heiligen Schrift; wir glauben treu und wahrhaftig an die beseligende und' -beglückende Kraft unsererJ' uns von Gort geoffenbarten Religion und sind fest ' entschlossen unter allen Umständen und Verhältnissen nach ihren -Vorschriften und Gesetzen zu leben und zu'streben, um auf diese Weise unser zeitliches und'ewiges Heil zu begründen; wir glauben treu und wahrhaftig, daß der heilige und himmlische Beruf unsere -Religion und unseres Glaubens der ist uns und durch uns die gesammte Menschheit von ihrem moralischen Nebeln zu erlöferr und 'auf diese Weise das Gottesreich auf Erden zu verwirklichen, damit - alle- Menschen sich als Kinder Eines Gottes betrachten-, als Bruder Einer Familie lieben lernen. Dies glauben wir fest und treu und,wahrhaftig und diesen Glauben müssen wir auch unseren Kindern und spatestem Nachkommen ungetrübt und ohne Beimischung von Menschensatzungen einpflanzen' und überliefern. So lange aber unser religiös -jüdisches'Lebett getrübt ist durch Menschensatzungen der Rabbiner, so

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