Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1845)
- Date
- 1845-04-28
- Page
- Seite 273 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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273 mauern zu untergraben. Reuigen abxr, seien versöhnend unsere Reihen geöffnet, und reichen wir die Hand zum'Brudergruße dar.*)." „Der Eintracht erhält unter seinen Himmelschören, möge es ihm gefallen, Frieden und Segen auch uns zu schenken, und dem gesammten Menschengeschlechte." „Im Jahre der Welt 56032)." Dies, mein Leser, ist das große Geiftesprodukt der 77 ungarischen und deutschen Rabbinen. Woran es leidet, sichst Du selbst, an Wässrigkeit, Wortkram, nichtssagenden Tiraden; woran es Mangel hat: an Beweisen und Gründen; woran es keinen Mangel hat: an Verlaumdungen, Verurtheilungen und Verkennung. Dieser deutschen Akte ist nun auch eine hebräische QuasLübersetzung nachgefolgt. Da diese aber 1) nicht unterschrieben ist, 2) ganz abweichende Ausdrücke, Wendungen ff. hat: so halten wir sie. bloß für das Werk eines Spaßvogels, und somit lassen wir sie. Wir sind schon müde genug. Aus dem WürtembergLschen, im April. (Privatmitth.) Unser Landtag ist im vollen Gange. Auch wir Israeliten richten hoffnungsvoll unsre Blicke auf ihn. Wenn nicht völlige Emanzipation, glauben wir doch eine günstige Revision des Gesetzes von 1828 zu erlangen. Eine beträchtliche Anzahl hat sich deßhalb etwa vor einem Monat durch ein Bittschreiben unmittelbar an unfern humanen König selbst gewendet, und jetzt hat man eine Petition der Kammer selbst überreicht. Als unermüdeter Annehmer für unsere politische Besserstellung verdient Kollegialaffeffor vr. Weil in Stuttgart, genannt zu werden. Im Ganzen findet man im Lande die allgemeine Meinung für die Juden gestimmt. So enthielt vor Kurzem der „Beobachter", ein sehr würdiges Blatt, einen Artikel, worin aus der Allg. Ztg. d. Judenth. mehre Petitionen preußischer Städte zu Gunsten der Emanzipation mitgetheilt wurden. Dann heißt es weiter: „Wir täuschen uns sicher nicht, wenn wir behaupten, daß in Würtemberg ein gleicher 1) Wie liebreich! Korresp. 2) Gut gebrüllt, Löwen! Doch fürchtet euch nicht, wir sind keine Löwen, wir sind nur die Rabbinen aus Szonitz, Skalitz, Rechwitz, Sobotischt ff. ff. Korr. Sinn für christliche Tugend, ein gleicher Sinn für Recht und Wahrheit herrsche. Dreß haben viele ehrenwerthe Männer in den ständischen Kammern im Jahr 1828 durch Wort und That bewiesen, als es galt, den Menschen und den Bürger auch in den Juden zu ehren; dies hat auch die ganze Kammer der Abgeordneten im Jahr 1836 bewährt, als es sich darum handelte, die bürgerlichen und politischen Grenzen zu erweitern, welche die Kammer vom Jahr 1828 so eng, so ängstlich um die Juden gezogen. Eben so sicher glauben wir behaupten zu dürfen, daß die Juden in Würtemberg weder in religiöser noch in bürgerlicher Bildung ihren Glaubensgenossen in anderen deutschen Staaten nachstehen. Ein reger Geist des Fortschrittes gibt sich unter ihnen überall kund. Ihr kirchlicher Kultus hat unter der sorgfältigen Aussicht der Oberkirchenbehörde an Würde und Anstand, so wie nicht weniger an Zweckmäßigkeit sehr gewonnen. Ihre Elementarschulen können sich mit den christlichen messen. Ihre Wohlthätigkeit hinsichtlich der Versorgung ihrer Armen ist überall anerkannt. Eine Waisenanstalr aus ihrer Mitte hervorgegangen, steht in der schönsten Blüte da. Ihre Söhne erfüllen wie Christen die Pflichten des Militärdienstes. Sie ergreifen wie Christen alle bürgerlichen Gewerbe, und viele derselben widmen sich mit Erfolg den wissenschaftlichen Studien, obgleich ihre Verwendung zum .Staatsdienst als etwas Bedenkliches betrachtet wird. Die Bereitwilligkeit, mit welcher sie den verschiedenen Vereinen, Gesellschaften u. s. w. im Lande beitreten, ohne irgend ein Opfer dabei zu scheuen, liefert uns die besten Beweise von ihren sozialen Bestrebungen. Wir glauben daher unsere Hoffnung nicht zu hoch zu steigern, wenn wir erwarten, daß auf dem gegenwärtigem Landtage die bürgerlichen und politischen Verhältnisse der Juden auch von Seiten der Christen im ähnlichen Sinne, wie von den genannten preußischen Städten zur Sprache gebracht werden." Personal- und Lokalnachrichlerr. Stettin, 17. April. (Privatmitth.) In hiesigem Orte wurde bei der im vergangenen Monate stattgefundeum Stadtverordnetenwahl, der Bankier Herr I. Wie-