Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1845)
- Date
- 1845-04-28
- Page
- Seite 272 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225408--06861-3236715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
272 net erhabenen irdischen Bestimmung nicht entrücke, und spräche man srei, von den Ihätigen Glauhenspflichten, deren Erfüllung den Nachkommen Jakobs vorgeschrieben ist: so wollten die vom verderbten Zeitgeistes!) Erfaßten im Judenthum sich gefallen lassen. Wer jedoch nicht Verräther an Beruf und Wahr-, heit sein will, muß es sich bewußt sein, daß er solchen hohlen Unglauben nicht für Judenthum gellen lassen darf. Und was vermöchten somit Neuerungen und Reformen*) für Wiederbelebung des Glaubens, für Aufrechthaltung des wahren Judenthums1 2 3 4 5 6) im Sturme des Zeitverderbnisses? Vermag aber, auch Menschenmacht nichts für Erreichung dieser Zwecke, so können wir sie desto sicherer erhoffen von der Hand dessen, der es Israel verkündet, daß es bis zu ewigen Zeiten sich um das Panier seiner heiligen Lehre lagern wird. Erforscht die heilige Geschichte^), und sie wird euch belehren, daß einst, nicht wie jetzt, wo nur ein kleiner Theil Israels der Lehre des Herrn untreu geworden, während noch Millionen*) auf dem ganzen Erdenrunde ihr getreulich anhängen, daß einst vielmehr, zur Zeit des ersten Tempels das gesammte Israel fast dem Götzendienste und allen damit verbundenen Lastern verfallen war. Und schon zur Makkabäerzeit wieder sehen wir das ganze (?) Volk vom Glauben erglühet, und mit seinem Theuersten, mit seinem Lebens, ihn vertheidigen gegen heidnische Tyrannenmacht, die ihn unterdrücken will. Die Gegner des mündlichen Gesetzes und seiner Lehrer, die Sekten der Sadduzäer und Karaiten, waren mächtig und zahlreich in der Blüthezeit des zweiten Tempels 0), und zählten Könige und hohe Prie¬ 1) Ganz Recht, da sie nicht zu anno 175V zurücksührenl Korresp. 2) Von anno 1750. Korresp. 3) Ich wette, zwei Drittel der Unterzeichneten Herren wiffen nicht, was „Geschichte" heißt. Korresp. 4) Z. B. die russischen, die marokkanischen Juden, die Chassidim ff. Nicht so? Korresp. 5) Nun wissen wir doch, was den frommen Herren das Theuerste ist — das Leben! Was werden diese nun thun, wenn die Feinde gegen die Warten Heranrücken? Korresp. 6) Schade, daß die frommen Herren ihr „Forschen in der heiligen Geschichte" so oberflächlich angestellt, daß sie nicht wissen, daß die Karaiten lange nach dem zweiten Tempel entstanden sind. Korr. ster in ihrer Mitte; aber der Herr stützte das Falsche nicht, und sie gingen unter im Verlaufe der Geschichte so daß jetzt nur wenige Lausende Karaiten in versteckten Winkeln der Erde sich noch finden*); indeß die Millionen Israeliten alle, in ihrer Zerstreuung auf der ganzen Erde, zum talmudischen Judenthume sich bekennen. Und was Jahrtausende der Geist des Herrn und frommer Väter Glaube im rohen Heidenthume und im finstern Mittelalter beschützt und erhalten, wahrlich, es wird nicht untergehen in einer Zeit, wo unter den Szeptern humaner, erleuchteter Fürsten, Israel freier athmet und seine Ueberzeugung äußern darf. Und wenn die Glaubensverflachung damals nicht siegte, wo sie von äußerer Herrschaft unterstützt worden, so wird ihr dies um so weniger gelingen können, in in einer Zeit, wo der Staat, in der Glaubenstreue aller seiner Angehörigen, seine Stütze, mit Recht erkennt 2)." „Darum, Gläubige in Israel, lasset euch von den vorgehaltenen Schreckbildern des Glaubensverfalls nicht zu Reformen und Neuerungen verleiten, die nur dahin abzielen, diesen Werfall zu vermehren. Hoffet mit uns vielmehr zu dem, der das Heil aller seiner Erdenkinder will, daß er bald die Krankheit der Jetztzeit, die an materiellen Bestrebungen2) siecht, heilen, und somit auch die Verirrten Ln Israel zur Glaubenstreue zurückführen wird. Bis dahin aber lasset uns, neben gewissenhafter Erfüllung unsrer Pflichten gegen Fürst und Vaterlands, getreulich unsere uralte Glaubensburg beschützen, und besonders auch gegen die vertheidigen, die in Freundesgestalt sich ihr nahen, um desto ungestörter ihre Grund- 1) Indeß werden diese Karaiten überall wegen ihrer Sittlichkeit, Arbeitsamkeit und Frömmigkeit gelobt und vorgezogen. Korresp. 2) Wenn der Staat dieses Programm lesen würde, so fände er einen fruchtbaren FLink, wo er seine Angehörigen zu suchen habe — und doch wollen die Staaten gerade vom Talmud immer Nichts wissen und den aus Israel verwiesen haben — indeß der Staad liest es nicht, und wir — sind es überdrüssig, dieTiraden der frommen Herren zu beanmerken. Laßt sie! Korr. 3) Das gewöhnliche Gefaalbader. Die Jahre 165v, 1750 waren die Jahre der Intelligenz, der Geistigkeit! Korresp. 4) Wie prahlerisch! Korresp.