Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1845)
- Date
- 1845-04-28
- Page
- Seite 271 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225408--06860-3236714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
271 Trug zu beschützen, auf daß das Reform- und Vernichlungsbcstreben jener Partei nicht über unsere heilige Tom obsiege*)." „Aber man sagt Euch, verehrte Gläubige, das Judenthum sei dem Untergange nahe, und es könne nur durch Reformen und Erleichterungen gerettet und erhalten werden. Wir können und wollen es zwar nichts verhehlen, daß die leider überhand nehmende Abtrünnigkeit von der Lehre des Herrn in den Reihen Israels für jeden, der seinem Glauben treu, und fühlend für das wahre Wohl seines Mitbruders ist, eine höchst betrübende Etscheinung sein muß, und daß besonders die, deren Amt es ist, den Glauben zu lehren und über seine Erhaltung zu wachen, durch diese traurige Gestaltung sich angeregt fühlen müssen, ihre Kräfte aufzubieten 1 2 3 4), um dem Verderben Einhalt zu thun. Doch sehet, in diesem Sturme der Zeit, der dem Glaubensschiffe 5) Gefahr bereitet, was unternimmt jener reformsüchtige Theil seiner Steuermänner für dessen Erhaltung? , Etwa das, was bei dem drohenden Schiffbruche des Jonas einst die Steuermänner zuerst versucht/ in frommer Zerknirschung göttliche Hülfe anzurufen, und auch die Schlafenden zum Gebete zu wecken6 7)? Nein! Sie suchen ihr Heil darin, dem fernern Beispiele jener ner nachzuahmen, durch das Auswerfen der Geräthe in's Meer, das Schiff leichter zu machen^). Eine 1) Seht Ihr, erst war vom Talmud nur die Rede — ehe Jhr's Euch verseht, haben sie die Tora an die Stelle geschoben! Korresp. 2) Wie edel, daß die Leute nicht wollen, was sie nicht können! Korresp. 3) Nun, warum steht Ihr denn da nicht auf den Warten und Zinnen? Warum hört man da das ganze Jahr nichts von euren Worten und Werken? Korr. 4) Nun, warum bietet Ihr denn eure Kräfte nicht auf, warum schlafet und schlummert Ihr auf.Eu^en Stühlen? Korresp. 5) Prächtige Sprache — das Glaubensschiff! o ihr hölzernen Männchen! Korresp. 6) Also da haben wir, was diese frommen Männer für das Mittel, die Schaden in Israel zu heilen, halten — beten. Nun, immer zu, das wird schon helfen. Es ist ein so großes Betmatecial in Israel vorhanden, daß sie nicht in Verlegenheit kommen können, was sie beten, sollen. Sie können z. B. beten "sow "snnn oder üipd oder solche Stoßseufzer. Korresp. 7) Nun, sind sie darum unrergegangen? Hat sie ehrwürdige Vätersitte nach der andern, ein göttliches Gesetz nach dem andern, wird über Bord geworfen/ und vem stürmenden Meere des Unglaubens preisgegeben. O, der Verblendung jener irregeleiteten Lehrer in Israel *)! Schauet, wie viel schon des Frommen und Heiligen ist den Fluchen von ihnen hingegeben^), wie leicht schon ist das Schiff gemacht^), und noch hat der Sturm sich nicht gelegt4), und noch hat die Gefahr sich nicht gemindert. Es stehet nicht in unserer, es stehet in keines Menschen Macht, auch nur das kleinste der religiösen Gesetze aufzuheben 5). Gesetzt aber auch, es stände uns dieBefugniß zu, das unwichtig Scheinende dem scheinbar Wichtigern zu opfern, womit sollte der Sturm beschworen werden, den unbändige Ehr-, Gewinn- und Genußsucht vom tiefsten Abgrunde aus aufgeregt 0)? Ja, gäbe man das heilige, vom Finger des Herrn mit Flammenschrift auf die Bundestafeln gezeichnete Sabbatgesetz preis, entfeffelte man die Genußsucht von den hemmenden Vorschriften, womit die Religion sie zähmt, damit sie den Israeliten sei- Gott darum nicht gerettet? Das Beispiel ist von den frommen Herren unglücklich gewählt. Wisset Jh.r, was den Schiffsleulen geholfen? Nicht das Beten, nicht das Ueberbordwerfen der Geräthe, sondern — die Untersuchung, worin der Grund des Uebels bestehe, (Ion. I, 7. 8.). Diese Untersuchung scheuet Ihr aber wie den Tod. Diese Untersuchung verurtheilt Ihr von vorn herein! Mit dem Beten allein wären die Schiffsleute niemals an's User gekommen. Sie mußten den Jonah in's Meer werfen. Dadurch wurde ihnen geholfen. Unglückliches Beispiel, das die frommen Herren gewählt haben! Ko rcesp. 1) Wenn nun Jemand sagte: O der Schlaftrunkenheit der schlummernden Wächter auf den Warten und Zinnen — zu Szonitz, Skalitz, Rechwitz ff.! Korr. 2) Selbst dieses wäffcige Thränenstück! Korr. 3) Nun, man sieht, es tragt noch 77 solcher Heroen. Korresp. 4) Und doch helft Ihr, so vielen Wind machen? Korresp. . 5) Ganz richtig. Es iss nur die kleine Frage: was ist ein religiöses Gesetz? Korresp. 6) Die frommen Herren wissen von allem dem Nichts. Einige derselben leiden zwar an Stellensucht, Alle an Herrschsucht — aber nein! sie wollen weiter nichts — als auf immer höheren Warten stehen, z. B. anstatt in Emden in Mähren, anstatt in Darmstadt kn London ff» Kor resp.