Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1845)
- Date
- 1845-04-28
- Page
- Seite 270 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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L70 nen sie es als ihren heiligsten Beruf, die Schlummernden zu wecken, sie von der herannahenden Gefahr zu benachrichtigen, und die Vertheidiger auf die Zinnen der bedroheten heiligen Veste zu rufen V' „Nach sorgfältig gepflogener, schriftlicher Verhandlung") und gewissenhafter Prüfung aller Verhandlungen^) der gedachten Versammlung, haben wir, Unterzeichnete, uns vereinigt, Euch, Gläubige in Israel! zu verkündigen, daß sämmtliche Beschlüsse der sogenannten braunschweigischen Nabbinexversammlung— mit alleiniger Ausnahme der, die politische Stellung des Israeliten dem Staate gegenüber, betreffenden, wohin auch der über die heilige Unverletzlichkeit des Eides zu rechnen, die aber, wie bereits erwähnt, auch jetzt schon überall in Israel Geltung haben — dem wahren Judenthume entgegen, und somit für den gläubigen Israeliten falsch und verwerflich sind; daß ein verderblicher Geist der Umwälzung und der Sektirerei ihre Verhandlungen durchwehet; daß auch die Arbeiten, welche sie für eine künftige Versammlung vorbereitet, dieselbe verwerfliche Tendenz Habens; und daß wir es somit als 1) Was das für lächerliches Geschwätz ist! Sie treten auf die Warte, und schauen aus, und dann treten sie auf die Zinnen und vertheidigen! Die große Heldenthat, sich von einem altonaer Kommisvoyageur, der auf Kosten eines alten reichen Mannes reist, aufsuchen und zum Unterzeichnen dieses Flederwisches überreden zu lasten — das nennen sie auf die Warten und Zinnen treten und vertheidigen! Wenn bas keine Don- Quichoterie ist, so weiß ich's nicht. Es giebt keine schweigsamere Nation, als die Rabbinen, die'unterzeichnet sind bis auf zwei oder drei; und nun sie einmal aus ihrem Versteck herausgeholt werden, gebahrden sie sich, als obsie für den Glauben ihr edles Blut fließen lassen wollten! Kocresp. 2) Also auch Lügen — es ist ja Alles durch den Kommisvoyageur abgemacht worden. Korresp. 3) Wie es mit dieser gewissenhaften Prüfung der deutschen Protokolle zu Szonitz, Wecbofzy, Brezowa ff. aussi'eht, hat Ihr Hamb. Korresp. schon dargethan. Korresp. 4) Nun weißt Du es, Leser! — Wie vorsichtig sind aber die Herren zu Szonitz, Skalitz, Nechwitz und Sobotischl, daß sie sich nur an die — „Gläubigen" wenden. Denn sie rechnen allein auf den Glauben, auf einen festen Glauben an die Herren zu Szonitz, Skalitz, Rechwitz ff. Denn, Leser, laß es Dir nicht einfallen, auch nur den geringsten Beweis für dieses Urtheil Pflicht eines jeden, wahrhaftgläubigen Israeliten erkennen, nicht nur nicht Therl an solchen Berhand- . langen zu nehmen *), sondern auch solchen neuerungssüchtigen Bestrebungen durch jedes gesetzlich erlaubte Mittel entgegenzutreten." „Wir halten uns davon überzeugt, daß diese von uns abgegebene Erklärung noch von einer weit größern Zahl Amtsbrüder, als wir, unterzeichnet worden wäre^), wenn denselben hätte Gelegenheit gegeben werden können, sich uns anzuschließen ^). Erwartend, daß dieses ihrerseits vielleicht noch nachträglich geschehen werde, rechnen wir jedenfalls vertrauensvoll auf ihre Glaubens- und Amtstreue, daß sie, wie wir,' stets bereit sind, mit dem Schilde der Wahrheit unfern uralten, heiligen Glauben gegen List und zu fordern, auch nur ein Quentchen.Gründe zu verlangen — umsonst. Ist es nicht genug Beweis, daß es die Herren' zu Szonitz, Skalitz, Lakenbach und Schwabach sagen? Ist es nicht Grund genug, daß diese Leure von ihren Stühlen herab es aussprechen? Wir könnten nun diese Leute fragen, welche Beschlüsse sie eigentlich meinen, od den über Kol Nidre, den über die Beschneidungslisten, den über den Wucher ff. ff. — aber wir liefen Gefahr, unter die Lifte der Ungläubigen an den altonaer, emdener, kreuznacher, gunzenhausener, fellheimer rc. rc. Rabbiner erklärt zu werden, und diese Gefahr — ist zu groß! Nur immer zu, ihr erklärt — es werden sich schon Gläubige finden. Kocresp. 1) Wie Schade, daß nun die Gegenwart der 77 Herren bei der zukünftigen Radbinerversammlung entbehrt werden wird; es wäre doch sehr angenehm gewesen, einmal ein Stück szonitzer Beredrsamkeit zu hören. Es könnte nun aber dennoch Jemand die Sache ernster nehmen, und meinen, es ist doch Schade, daß nun von dieser Seite die Rabbinerversammlung verlassen bleibt — dem bemerke ich': und was könnte wol geschehen mit diesen Männern? Diese Herren, und wenn sie auch auf den „Warten" oder „Zinnen" stehen — was hilft ein blinder Wächter? — sehen nichts, begreifen nichts, wollen nichts — also, überall Nichts. Korr. 2) Warum nicht? Man sieht ja, wie viele Nester mit RadV. und Oderrabb. es giebt, die Niemand kennt, selbst „Stein^ ruchr — warum soll es nicht-noch mehre geben? Indeß kann ich auch versichern, was die Herren nicht bemerken, daß der Kommisvoyageur auch an vielen Orten abgeblitzt ist, und ohne Unterschrift davon gehen mußte. Sonst hatte er ja auf seiner Reise nicht bloß die Flecken uno kleinen Städte, nicht bloß öie unbekannten Dörfer berührt! Korresp.. 3) Warum haben sie nicht noch, einige Kommisvoyageurs engagict? Korresp.