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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-28 · Heft 18 (28.4.1845) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 18 (28.4.1845)
Date
1845-04-28
Page
Seite 269 (sequence 9)
Language
German
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269 jüdischen Nationalität aus der eignen Mitte von der Wahrheit des Glaubens? mit dieser werden sie sich bald absinden. Ein Moment aber giebt es, ein gewichtiges, gegen das jedes Gegenargument verstummen muß, wegen dessen jeder, der es leugnet, sich als aus dem Schooße des Stammes herausgetreten, erkennen, als des Verraths an den theuersten Stammesinteressen, Stammespflichten sich schuldig bekennen muß! Es ist, so möchten wir es am liebsten nennen, der Glaubenspatriotismus, die innigste Anerkennung der heiligsten, unverletzlichen, unumgänglichen Verpflichtung gegen die Geschichte, gegen die Interessen des Stammes, gegen die heiligsten Erinnerungen und Sympathieen, die mit der heiligen Sprache zusammen wurzeln, und von denen Du, der Du Dich in Weisheit und Witz über Kosmopolitismus erschöpfest, Dich nicht lossagen kannst, ohne Dich als undankbar gegen den allgütigen Lenker der wundervollen Geschichte Deines Stammes, ohne schwere Versündigung an Allem, um dessentwillen Deine Vorfahren so viele Jahrhunderte nur darum gerungen, gekämpft und geblutet haben, um es Dir als heiligstes Vermächtniß zu hinterlassen, auf daß Du es wieder Deinen Kindern als ihr theueres Eigenthum vererbest* * 1 2 3). Gottlob: unsre Zeit, die im Bereiche der Wissenschaft und der religiösen Erkenntniß überhaupt eine Zeit der Wiedergeburt für unsre Religion ist, sie ist auch eine Zeit der Wiedergeburt für die heilige Sprache. Es ist ein erfreuliches Zeichen des echten Fortschrittes, daß dies wissenschaftliche Leben auch auf der andern Seite in Bestrebungen zur Pflege dieser Gottessprache sich kund thut. Um so mehr müssen wir die an uns ergehende große Mahnung beherzigen, sie unseren Kindern zum Eigenthum zu machen, auf Daß sie uns nicht dereinst anklagen, ihnen das, woran sie vor Allem als heiligstes, eigenstes Eigenthum Anspruch hatten, willkürlich entzogen zu haben und diese Anklage trifft uns gewiß, je mehr das Reich der Wissenschaft sich über alle Gebiete der Maße unter Juden als sie unter anderen Konfessionen immer mehr Verehrer und Beflissene finden. Korr. *) „Ich bin ein Jude, und würde ich ein Ausreißer aus dem Judenthume, alle meine Lebenswurzeln waren mir ausgerissen, zerschnitten. —" , (Berthold Auerbach: Dichter u. Kaufm. II. S. 36). Korresp. Erkenntniß verbreitet, von welchem die heilige Sprache und die mit ihr zusammenwurzelnde Religion nicht ohne den uns treffenden Vorwurf der schmählichsten Gleichgültigkeit und Einseitigkeit ausgeschlossen bleiben darf. Or. Falkenheim. Deutschland. Von der Snnle, 15. April. (Privatmitth. Schluß.) „Doch diese, und die ihnen gleichgesinnten Männer haben sich geirrt, wenn sie in ihrer größer» Majorität 4 5) glauben, das Judenthum dominiren und unter ihren Füßen zermalmen zu können; wenn sie hoffen, bald auf den Trümmern des. Talmuds den Thron des Karaismus, oder vielmehr den des Götzens der Bequemlichkeit^) und Genußsucht errichten zu sehen, um an dessen Stufen den zum Scheine getragenen Namen der Rabbinen abzulegen, und dafür seine Würden zu empfangen ^). Noch ist Israel nicht verwaist*). Noch bewachen Männer seine Heiligthümer, mit Willenskraft ausgerüstet^), sie zu beschützen gegen versteckte und öffentliche Befeindungen, sie zu vertheidigen gegen Trug, List und Bosheit. Kaum war die Kriegsposaune zum organisirten Angriffe auf den Glauben unsrer Vater erschallt, so traten die Männer, deren Amt es ist, den Glauben zu bewachen, auf ihre Warten, zu schauen, von woher der Angriff geschehen, und nach welcher Seite der Glaubensveste er zuerst gerichtet sei. Und nun, da er erfolgt, erken- 1) Was ist das eine „größere Majorität?" Löwe von Szonitz, erkläre mir das! Un'd sind 77 nicht mehr als 25? Also wieder so ein Sprüchlein. ^torr. 2) Gott wie unbequem haben es die Leutchen auf ihren schönen, weichen Rabbinatsstühlen! Korr. 3) Löwe von Brezowa und Szobotitsch, verstehst Du dies Wischiwaschi vom Ablegen des Titels und Annehmen der Würden? Es ist was Herrliches von Logik! Korresp. 4) Nein! denn es hat noch einen Rabbiner zu Lakenbach und zu Ungwar und zu Endingen und zu St. Georgen, und zu Halberstadt und, und, und. Bei solchen Vormündern, wie könnte man da wol verwaist sein. Sie wissen ja überall Rath, selbst wenn ein Hahn kräht, nachdem er geschächtet worden. Man sieht es ja, wenn Israel irgend in einer Noch istan wen wendet man sich? Nach Bezka und Szonitz, .nach Binswangen und Pappenheim. Man kennt ja seine Pappenheimer. Korresp. 5) Das sind die Unterzeichneten 77!! Korr. 18*

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