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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-28 · Heft 18 (28.4.1845) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 18 (28.4.1845)
Date
1845-04-28
Page
Seite 268 (sequence 8)
Language
German
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268 pfanger der in dieser Sprache verkündeten Gotteslehren, die Träger ihrer unsterblichen Wahrheiten durch Flammen und Schwerdt, durch blutige Verfolgung und tausendfachen Tod in reichen unvergänglichen Werken, wir sollten sie nicht mit heißer inbrünstiger Liebe umfassen? Sollten sie gar vergessen, sie nicht unseren Kindern als ihr theures Kleinod, als ihr eigenstes Eigenthum vererben wollen?! Gestehen wir's, schon muß es als ein Anzeichen der Gesunkenheit betrachtet werden, über die Nothwendigkeit der Pflege der heil. Sprache, wie es heutigen Tages geschieht, sprechen zu müssen. — Ja, es ist ausgemacht, mit dem Untergange der heil. Sprache muß auch die Selbstständigkeit unserer Religion untergeben, und anstatt der urkräftigen Töne der ursprünglichen Gotteslehr^, vernehmen wir bloß ein schwaches Echo, einen matten Wiederhall derselben, der uns kalt und ohne warme Begeisterung für die ererbte Lehre ließe. — II. Ist sie aber eine todte, oder annoch lebende Sprache? — das ist die zweite Frage, die wir hier zu erledigen haben. 'Sie ist eine todte für Alle, die sie als eine Mumie aus einer längst ausgestorbenen Welt ansehen, todt ist sie für die, die ihrer ganzen Denk- und Gefühlsweise nach keinen Theil. mehr haben an Jakob, kein Erbe mehr haben in Israel, eine todte ist sie für alle diejenigen, die von der ganzen mehrtausendjährigen Vergangenheit Israels, in der sie gleich anderen lebenden Sprachen lebte und webte, in der sich alle geistige Bewegung entwickelte, keine Ahnung haben. Sie ist aber eine lebende für Alle, die in ihr das ewig lebende Wort Gottes besitzen, für die Millionen, die aus ihr Begeisterung für gottergebenen Sinn, für Gottesglauben, für das Theuerste, das die Gegenwart mit der Vergangenheit.verknüpft, schöpfen; sie ist lebendig in unserem Gotteshause, in unserem Glauben, in unserem Gefühlen und heiligten Erinnerungen, die in ihr die lebendige Wurzel haben. War sie eine todte, die durch die lange Reihe der Jahrhunderte fortlaufend bis heute so reiche Schätze des Geistes zu Tage förderte, eine so reiche unsterbliche Literatur : erzeugte und noch fortwährend erzeugt? ist dies kein Merkmal ihres vollen Lebens in der Mitte der israelitischen Glaubensgenoffenschast? Ist sie aber auch nicht immer gewesen, und wird durch sie nicht jetzt neuerdings verjüngt das gemeinsame Band, das die weitzerstreute, inmitten des Schooßes der Nationen, im Osten, wie im Westen, im Süden wie im Norden, mit ihnen zumeist verbrüdert lebende Glaubensgenossenschaft umschließt? Erhält sie nicht wach die Sympathieen für die heiligsten Gesammtinteressen in den Gemüthern der entferntesten Brüder, die ohne die Sprache erlöschen würden? — Aber hört man darauf entgegnen, das. ist ja eben jüdische Nationalität, die wir entfernen sollen! O, der schmachvollen Verrätherei an dem theuersten, an der heiligsten eignen Sache! — Was ist denn jüdische Nationalität? Denkt ihr an eine politische? Diese hat feit 1800 Jahren aufgehört und an diese denkt Niemand mehr und so etwa Einer noch daran denkt, so habt ihr Recht, wenn ihr dagegen ankämpft. Aber der nationale Sinn, den wir fort und fort bewahren müssen, ist nur der geschichtlich religiöse, und wollt ihr auch diesen verleugnen, so gebt ihr das Judenthum, dessen ganze Geschichte auf, so gebt ihr euch selbst auf. Und die hebräische Sprache, sie ist das wichtigste, allerheiligste Moment unserer Religiös-Nationalgeschichte, sie war und ist das lebendige Medium aller Erinnerungen und Entwickelungen. Ihr macht sie zur tobten, wenn ihr Alles anwendet, um sie aus dem Leben der Israeliten, aus ihrem Gotteshause, aus ihren Schulen, aus der Wissenschaft des Judenthums zu bannen, und dies wird gewiß der Fall sein, so gewiß, als das Judenthum schon jetzt vielen Tausenden etwas Fremdes ist, weil sie eben Alles, nur nicht Hebräisch lernen. Sehet da so Viele der begabtesten jüdischen Jünglinge, sie machen jede Sprache, jede Wissenschaft eifrig zum Gegenstände ihres Studiums, sie wählen alte und neuere Sprachen, selbst die morgenländischen, Persisch, den Sanskrit rc., aber hebräisch kennen sie nicht und würdigt vielleicht Mancher auch diesem eine geringe Aufmerksamkeit, sie wird von ihm weniger noch als todte, herz- und gemüthlos, unbewußt ihres großen nationalgeschichtlichen Interesses behandelt^). Was sagt man doch diesen Gegnern der *) Sie, Herr Redakteur, fragen: „wie lange würden die jüdischen Geistlichen die hebräische Sprache noch studiren?" ich frage noch weiter: wie lange würden die Rabbiner und Geistliche noch die deutsch geschriebenen Werke eines Zunz u. A. verstehen? Hebräische Sprache und jüdische Quellenwissenschaft schwinden schon in dem

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