Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1845)
- Date
- 1845-04-28
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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267 (zwei Drittel der Stimmen) noch nicht, wol aber eine absolute Majorität für un s gehabt. Nun brauchen wir nur die Richtung dieser sich widersprechenden Landtage auch in den anderen Fragen der Zeit zu berücksichtigen — um ruhig zu sein. Königsberg, Ende März. (Privatmitth.) Sie traten in der Angelegenheit unserer hebräischen Sprache als begeisterter Vorkämpfer für dieselbe in die Schranken; Ihre Satze, namentlich in No. 43 Ihres Blattes vom vergangenen Jahre stehen da als unerschütterliche Säulen, als unbezwingliche Bollwerke um den alten viertausendjährigen Bau unseres Heiligthums. Nur wer diesen nie gekannt, keine Ahnung von seiner weltgeschichtlichen Bedeutung kann Ihren Gründen widersprechen. Welch seltsame widersinnige Idee ist doch eine Reform, die die wesentlichsten, heiligsten, ewigen .Grundlagen, auf denen die zu reformirende Sache, zumal die Religion, beruhet, beseitigen will, die sich erst den Boden nimmt, um dann auf den grundlosen Sumpf einen neuen Bau, der doch der uralte sein soll, aufzurichten! Ist es möglich, Momente, die den tiefsten, innersten Lebensnerv der Religion bilden, in denen sie mit allen ihren Lebensfasern durch und durch verwurzelt ist, durch die sie im Laufe der widerwärtigsten Jahrtausende den nährenden Lebenssaft erhalten und die augenscheinlich auch jetzt ihre Lebensbedingung ausmachen, mit ein Paar Phrasen'wegdemonstriren, aboliren zu wollen? Oder glaubt man, daß, im Fall dies als ausgemacht hingestellt wurde, es den gesunden Kern der treuen Glaubensgemeinden berühren werde? der' gerade Sinn der ernsten Denker, der wird solche Reformen immer entschieden zurückweisen und somit auch den wahrhaft besseren Reformen den Zugang verschließen. Möchte man dies doch bedenken, und nicht das Wesentlichste, Heiligste, mit in den Kreis der destruktiven Bestrebungen ziehen! Sie werden den folgenden Gedanken, schon vor fast vier Jahren ausgesprochen, wol gern als einer Ergänzung Ihrer für das Wesen des Judenthums so begeisterten Ideen, noch einen Platz gönnen. Vielleicht, daß sie nebst den Ihrigen ein günstiges Resultat nächster Berathungen fördern helfen. Sie sind einer Rede entnommen, welche bei einer Prüfung in der hiesigen Vereinsschule gehalten worden. I. Sie ist vorzugsweise die heilige Sprache, Sind die Sprachen alle, verschieden nur entstanden durch die verschiedenen Wohnsitze der Menschen, verschieden fortgebildet durch die besondere Lebens - und Anschauungsweise, durch die besonderen Vorstellungen der Nationen; — sind sie alle der Ausdruck des innersten Geistes- und Gemüthslebens der Menschen; geben sie alle Zeugniß von der göttlichen Gnade, die dem Menschen diese köstliche Gabe verliehen, indem sie ihn dadurch auch zum Organ des göttlichen Wirkens und Waltens gemacht; was er vermittelst seiner Sinne in seiner Vernunft erschauet, durch die köstlichen Töne der Sprache sinnvoll kund zu thun, — so gebührt der Sprache der Bibel, schon durch die kernhafte Kürze und kraftvolle Bündigkeit ihrer Ausdrucksweise hehr und ehrwürdig, zu allen Zeiten unsere besondere Verehrung und Heilighaltung. Sie, die Erstgeborne aller noch bekannten Sprachen der Welt, sie, die Hohepriesterin der Sprachen, durch deren Mund der Welt das Heil, die reine höchste göttliche Erkenntniß verkündigt wurde, in deren Lauten die große Gottesoffenbarung vom Sinai herab unter wunderbaren Naturerscheinungen erschallte, enthält sie nicht den Text unserer wundervollen Nationalgeschichte, die zugleich als Typus der göttlichen Erziehung und Leitung des ganzen Menschengeschlechts dasteht? ist sie es nicht, in deren Klängen die großen Lehrer der Menschheit, die Sänger und Propheten, in heiliger Begeisterung die unsterblichen, von der ganzen gebildeten Welt verehrten Gotteslehren predigten, in der ein David auf der unsterblichen Harfe seine gottdurchdrungenen Lieder sang, ein Iesaia, Micha, Habakuk, mit flammender Begeisterung in geflügelter Rede die heiligsten ewigen Wahrheiten der Menschheit lehrten? sie, die llts und Muttersprache aller wahren Religion, aller göttlichen Erkenntniß, sie sollte nicht eine heilige sein? —• Wenn alle Sprachen mit den Jahrhunderten ihr Gewand verändern, daß sie mit der Zeit unkenntlich werden, so steht sie in ihrer alt ehrwürdigen hohen Gestalt, in ihrem vollkräftigen, markigen Ausdrucke seit der Urzeit, gleichsam als Typus der Sprachen vollendet da, als unvergängliches Denkmal der göttlichen Gnade, als ewige hehre Priesterin und Verkünderin der Heilslehren den vergehenden und entstehenden Geschlechtern und Jahrhunderten. Und wir, die von Gott gewürdigten ersten Em-