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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-28 · Heft 18 (28.4.1845) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 18 (28.4.1845)
Date
1845-04-28
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
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266 So ist denn diese Angelegenheit bis jetzt noch nicht weiter gediehen, da die Urheber der Bewegung seitdem geschwiegen und durch die allgemeine Mißstimmung eingeschüchtert zu sein scheinen; aber der Saamen zu einer gänzlichen innern und äußern Umgestaltung des Judenthums ist in viele Herzen gestreut und er wird sicher, wenn auch später Früchte treiben. Eine Denkschrift an die Rabbinerversammlung wird aber dennoch hier beabsichtigt, die, wenn sie nur bei der Entschiedenheit und Freimütigkeit rechtes Ziel und Maaß beobachten wird, zahlreiche Unterschriften auch aus der Provinz erlangen dürfte. Ich will num nicht untersuchen, ob die Abneigung so Vieler gegen diese neuen Bestrebungen wirklich aus religiösen Motiven entsprungen sei — so viel ist gewiß, daß, wenn die Rabbinerversammlung, auf die alle Guten noch, als auf die einzige Heilquelle blicken, wenn sie nicht, ihre Aufgabe erkennend, furcht- und rücksichtslos, trotz aller Bannflüche ungarischer, polnischer und deutscher Finsterlinge, die Mißstände zwischen dem Leben und'dem Glauben Israels heben und räumen wird, daß dann - das deutsche Judenthum seiner Auflösung nahe ist. Die Stimmen, die jetzt in so vielen Gemeinden sich erheben, gehen vom jüdischen Volke aus, an dessen naive Kindlichkeit und unschuldsvolle Willenlosigkeit man uns so gern glauben machen möchte. JV Berlin, 20. April. (Privatmitth.) Die hiesigen Stadtverordneten haben, beschlossen, keine Juden als Armenärzte anzustellen. — Da haben Sie abermals einen Beweis für meine frühere Bemerkung, daß die Emanzipation von Berlin nun und nimmer mehr ausgehen wird. — Und welche Gründe sind dafür geltend gemacht worden? Der Arzt müßte oft am Sterbebette den Seelsorger ersetzen, und erst müßten die Christen versorgt werden, ehe Juden Stellen bekommen könnten. Also der Trost von einer beredten jüdischen Lippe ist nichts, er muß von einer christlichen kommen, die oft eben vom Christlichen Nichts hat, als daß sie christlich geboren oder getauft ist. — Also kommt es nur auf Versorgung, nichtauf Verdienst an? — So ist es hier abermals, was die neueste Geschichte mehrfach gelehrt hat: 'wenn man in Noth ist, da ist man jo human, keinen Unterschied zu kennen — z., B. als die Cholera in Berlin war, da war man so human, auch Juden zu Stadtdistriktsärzten zu machen, da bekamen Juden sogar Dankschreiben für ihre'uneigennützigen, aufopfernden Anstrengungen. Und sollte wieder einmal so Etwas wie die Cholera kommen man wird nicht anstehen, Juden wieder in's Feuer zu schicken. Gut. Soll man wünschen, ein deutscher Jude, und gar ein berliner-deutscher Jude geboren zu sein? Man kann ja nicht einmal ein armer Armenarzt werden, weil die berliner Stadtverordneten noch so viele Vetternherumlaufen haben, die sie erst'versorgen'müssen! — Magdeburg, 20. April. (Privatmitth.) Es ist doch ein närrisches Ding mit den Extremen-, die sich berühren! Bekanntlich sind die preußischen Provinzialstände nach einem Muster gemodelt, aus denselben Elementen auf derselben Fayon gebildet — und doch so verschieden an Geist und Resultaten? Der rheinische Landtag votirt mit 56 gegen 16 die vollständige, unbedingte Emanzipation — dicht daneben der w estphälische verwirft sie gegen 16 Stimmen. Der preußische, schlesische und brandenburgische Landtag votirt die völlige Ausführung des Edikts vom 11. März 1812 mit großer Majorität — der sächsische verwirft sie mit großer Majorität. Man denke sich nun, die Wünsche aller dieser Landtage ausgeführt, so hatten wir Magdeburger, z. B. im nächsten Dorfe fast ganz emanzipirte Juden, während wir-nun, wir wollen die Herzensmeinung vieler solcher Herren nicht untersuchen. Manches Männchen auf seinem Schlößchen möchte uns lebendig verschlingen, und meinte dabei vom Leoiathan zu speisen, — Schändlich hat sich die Allg. Preuß. Zeitung benommen! Von den langen, höchst günstigen Debatten des rhein. Landtags hat sie fast nichts auszuziehen gewußt, als daß im siegburger Kreise drei Juden als Wucherer angeklagt sind! Wie gern hätte sie auch das Resultat verschluckt! Es ist eine mannhafte. That, die der A. P. Z.! Wir sehen, wir haben in Preußen noch Vieles zu überwinden — aber wir haben den Muth nicht zu verlieren, wir sind ermuthigt worden. Ehemals hatten wir alle preuß. Landtage gegen uns; jetzt haben wir vier für uns, nur noch zwei gegen uns, einer hat sich noch nicht ausgesprochen (der posener), und einer hat die nöthige Majoritar

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