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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-28 · Heft 18 (28.4.1845) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 18 (28.4.1845)
Date
1845-04-28
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 mus aufzurufen und zu sammeln, daß sie fürder nicht mehr die Hände müßig in den Schooß legen und jenes furchtbare, demoralisirende Heidenthum sich über den Kopf wachsen lassen. Sie müssen sich vereinigen, sie müssen alle religiösen und moralischen Mittel anwenden, um dem Chassidismus den Lebensnerven abzuschneiden, und zwar erstens, daß sie der Ausdehnung des Chassidismus Grenzen zu setzen suchen; zweitens, daß sie den Verführern des Volkes, den Rebbe's streng entgegentreten, sie entlarven und ihrer Autorität aus Schwäche niemals nachgeben; drittens, daß sie in der Jugend durch angemeffnen Schul- und Religionsunterricht die Keime des Chassidismus ersticken, Wir zweifeln nicht, daß, wenn sich nur die Verständigen und wahren Israeliten vereinigen, und sich über ein bestimmtes und konsequentes Verfahren verständigen, um diesem, der fr so nahe kommenden Chassidismus hemmend entgegenzutreten, es gelingen wird, ihm in mehren Dezennien das gewonnene Terrain wieder abzunehmen. Einstweilen werden wir sorgfältig die Fakta sammeln. Der Gemeindevorstayd einer bedeutenden galizischen Gemeinde hat unter Unterschrift seiner sämmtlichen Mitglieder und unter Beidrückung des Gemeindesiegels feierlich Protest uns zugesandt gegen das Betragendes Kreisrabbinenzu Zolkiew, Herrn Hirsch Chajes, in Bezug auf die Chassidim, namentlich wie er den chassid. Reby.Schülern Nokaiach aus Bels eingeladen, ihm auf jede Weise entgegengekommen, und dem chassid. Gottesdienst durchaus in die große Synagoge Eingang verschaffte. Es ist dies bereits No. 15 beschrieben, nunmehr aber durch dieses Schreiben bekräftigt worden. — Wir erklären auch hiermit, daß Herr Kreisrabb. Chajes uns selbst einen Bericht seines Sohnes über diese Vorfälle zugesendet, woraus aber selbst heroorgeht, daß er allerdings dem Nebbe Schulem und dem chaff. Gottesdienste allen möglichen Vorschub geleistet hat, trotzdem er selbst bemerkt, daß, außer Zolkiew, sein ganzes Kreisrabbinat sich dem Chassidismus zugewandt hat. — Um diese Streitigkeit über ein doch nun geschlossenes Faktum nicht weiter auszudehnen, geben wir beide Schreiben io exteo8o — nicht. Die Redaktion. - Kolonien (Galizien), 26. März. (Privatmitth.) So ist es denn doch gelungen, dem aus Sagadura verbannten Rebbe Srulze das Recht zur Ansäffigmachung allhier zu erwerben. „Freude herrscht in Troja's Hallen," die Chassidäer jubiliren, die Gläubigen hiesiger Gemeinde haben eine Deputation nach Sadagura gesandt, und der heilige Mann hat seine Hierherkunft zugesagt. Wie glücklich sind die Branntweinspächter, da sie nunmehr durch die Chassidim, die Freunde des Branntweins bekanntlich, für die Fortschritte des Mäßigkeitsvereins entschädigt werden. Unser Kreis scheint zur Quelle des Aberglaubens erkoren — denn zu den hier bereits existirenden drei Rebbe's, deren erster der bekannte Rebbe Chaim zu Koffow ist, kommt nun der Hauptrebbe in der Kreisstadt selbst! M. K. Groß-Karoly (Ungarn), 19. März. (Privatmitth.) In unsrer Gespannschaft hat der Chassidismus seiner furchtbaren Geißel völlige Herrschaft erworben. Was Wunder, daß er auch unter den Rabbinen sich immer mehr Anhänger erwirbt. So hat vor Kurzem der Rabbiner zu Czenger eine chaffidische Fahne aufgesteckt, und als Arzt, Prophet, Engels- und Leufelsbeschwörer sich etablirt. Die Sagen von seinen Wunderwerken fliegen von Ort zu Ort, das ganze nordwestliche- Siebenbürgen, die Maramamos und noch weiter, liefern ihm Anbeter und Gelder in Fülle. — Die szathmarer Gespannschaft zählt 5500 Juden, und, obgleich ihnen alle Schulen bereitwillig geöffnet sind — ist doch kein einziger jüdischer Knabe vorhanden, der ein Gymnasium besuchte. Aber die jüdischen Lehranstalten? Die werden ganz ä la polacca getrieben. Ist das nicht genug? L. Preußen. Breslrm, 17. April. (Privatmitth.) Als ich vor Kurzem über die terroristisch-reformatorischen Bewegungen in unserer Gemeinde an diese Blatter berichtete, war ich von der Aengstlichkeit befangen, es könnten diese neuen Regungen, wie würdig und gemessen sie sich auch angekündigt, zu neuen Zerwürfnissen und Mißhelligkeiten Veranlassung geben. In der That war auch diese Furcht keine grundlose. Denn obwol das Reformiren und Umbilden der ei-

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