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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-28 · Heft 18 (28.4.1845) · p. Seite 262

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 18 (28.4.1845)
Date
1845-04-28
Page
Seite 262 (sequence 2)
Language
German
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262 wird, jede Jugeudschrift, jede Erdbeschreibung, jede Weltgeschichte wimmelt von den unerhörtesten Beleidigungen, und,- felM wo wir Gelegenheit hätten., wo vergeltest wir Gleiches mit Gleichem? In.den Umgang mit den Christen, den wir suchen, weil wir eben die Jsolirung nicht behaglich finden, drängt, sich fast überall das Vorurtheil Ln schrofferer oder milderer Gestalt, aber wo thun wir desgleichen? Das Aeußerste, was wir uns erlauben, ist, uns stolz in uns selbst zurückzuziehen, und bessere Zeiten, vernünftigere Gesinnungen abzuwarten." „Christliche Wohlthätigkeitsanstalten, wir kontribuiren zu ihnen, aber uns sind sie verschlossen: der Reiche fordert die Beisteuer der Armen, entzieht ihm aber seine pflegende Hand — was thun mir? Wir verdoppeln unsre milden Gaben eben für diese Anstalten. Keiner von unfern Reichen versäumt es, sie Ln seinem letzten Willen zu bedenken." „Höchst selten nehmen Christen Israeliten in ihre Dienste; und behandeln wir deshalb unsere christlichen Dienstboten schlechter? Zm Gegentheil loben sie ihre jüdischen Brotherrschaften durchgehends." „So nach Außen hin. Und wie steht's mit der Toleranz nach Innen?" - „Daß bei einer so tiefwühlenden und rapiden Umwälzung, wie sie innerhalb des Judenthums-seit siebzig Jahren vorgeht, Reibungen von Masse gegen Masse Vorkommen, daß die verlornen Posten beider Seiten nicht ohne Schußwunden davonkemmen, ist unvermeidlich: wo aber sieht man denn Personenhaß und Familientrennung in dem Grade, wie anderswo in ähnlichen Fällen? Es giebt Ln Deutschland fast keine religiös völlig gleichge-' sinnte Judenfamilie, mch es herrscht trotz dem in den allermeisten die beste Harmonie. Ich selber lebe in einer höchst glücklichen Ehe, und doch beobachtet meine Frau die Speisegesetze, ich nicht. Wie nichtig erscheint da die Wichtigkeit, die die Judenfeinde auf das Zusammenessen legen?" „Die Grundfrage ist: ist diese Toleranz eine Folge des Drucks, der Furcht, der Feigheit, oder liegt sie im Judenthume selbst? Ich behaupte, daß sie im Judenthume begründet ist." „Zuerst kennen die Juden keinen Dualismus. Die Idee, daß Alle, die nicht ihren Glauben theilen, den Gegnern Gottes, den Mächten der Hölle verfallen — dieser uothwendige Gegenpol namentlich der christlichen Erlösungstdee, isi ihm daher total fremd. Abraham bezeugt Achtung gegen die Gottesfurcht der Philister, Jonab gegen, die der Nineoiter, Jeschajah verspricht sselbst den Assyrern, Jecheskel den Aegyptern eine Erlösung und Restauration; die späteren bei allem Haß gegen das Heidenthum, empfehlen Achtung vor seinen Heiligthümern und die Mitfeier seiner Volksfeste." „Und in Bezug auf die jüdischen Ketzer und „Epikuräer" gilt ja der Grundsatz, daß der Sünder dennoch nicht aufhöre, ein Israelit zu sein. Selbst der Abfall, der Götzendienst, (dem ja oft genug das ganze Volk verfallen war,) ist ein Vergehen, zu dessen Ablösung nichts weiter nöthig ist, als herzliche Reue und Rückkehr." „Unglaublich würde diese Stimmung sein, wenn es nicht im Grunde die allgemeine Gesinnung des Alterthums, und nicht etwa ein Privateigenthum der Juden wäre. Denn leider bezeugt die Geschichte, daß der eigentliche ReligionSfanatiSmus lediglich mit dem und durch das Christenthum in die Welt gekommen ist." . „Was bei den Juden etwa von diesem Laster zu finden ist, ist lediglich Reaktion: dies ist selbst von den Judenfeinden so klar anerkannt, daß sie den Haß gegen Christen, den sie als Deckmantel brauchen, nie in den Gegenden und Zeiten aufsuchen, wo es den Juden mehr, und minder gut geht, sondern immer nur in den finstersten Ländern und Zeitaltern." „Aus begreiflichen Gründen redete ich nur von den deutschen (überhaupt westlichen) Juden, denn in den östlichen Ländern, wo überhaupt mehr Stamme und Klassen mit abgesonderten Rechten und Rechtsverfassungeu leben, stehen immer Aktion und Reaktion in augenfälligem Gleichgewicht, was aber,da, wo die Begriffe von Humanität und Menschenrechten noch unbekannt-sind, nur äußere, keine innerliche Wirkungen haben kann." Zu diesen Worten unsres Freundes haben wir noch viele Bemerkungen zu machen. (Fortsetzung folgt.) Vom mosaischen Zerewonialgesetz. Bei der jetzt so häufig ausgesprochenen Derogation aller traditionellen Gesetze, d. h. allerinden fünf Büchern Moscheh nicht verzeichneten Zeremvuialgesetze, ist es wol nicht der Muhe unwerth, einen Blick zu werfen auf das, was demnächst von den bis jetzt geltenden Gesetzen mosaisch ist. Es herrschen darüber oft sehr verworrene Begriffe, da die mosaischen Vorschriften durch die Tora

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