Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1845)
- Date
- 1845-04-21
- Page
- Seite 257 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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257 genug! Der Kommisvoyageur der Unternehmer dieses Manifestes muß eine Prämie als ein neuer Kolumbus erhalten, der durch seine Entdeckungsreisen nicht bloß Ortschaften, sondern auch Rabbinen, ja sogar Oberrabbinen aufgefunden hat, die auch nicht einmal dem Namen nach bekannt sind. Doch sind auch einige Rabbinen in der Liste, deren Sitze, in Ermangelung ihrer selbst, der allgemeinen Kunde nicht entgangen sind. Nämlich: der Rabb. zu Pösing, einer königl. Freistadt in Ungarn von 4000 Einwohnern, man kann denken, wie groß seine Gemeinde ist, da in den Freiftädten bekanntlich nur wenige Juden wohnen dürfen; der Rabb. zu St. Georgen, auch einer Freistadt von 2500 Ew.; der Rabb. zu S ka litz, einer Freistadt von 5000Ew., das ist doch schon was Stattliches, aber wie viel Juden? der Oberrabb.. zu Bonyhard, bekannt durch die Stutereien des Grafen Benthlen; der Oberrabb. zu Ni ko lau, der sogar selbst durch den Streit um die Stellung der Bimah bekannt ist; der'Oberrabb. zu U n gwar, einem Marktflecken, zu Co morn, einer Stadt in Ungarn, endlich'das — preßburger Rabbinat. Dies sind die fremden, großen, herrlichen Rabbinate, welche der Altonaer Kommisv.oyageur aufgefunden, um ihre Stimme über Deutschland ertönen zu lassen. Wie werden sie sich gefreut haben, da sie zwar Sitze, aber noch niemals Stimmen gehabt haben, daß sie endlich auch letztere erhalten! Nun hat zwar weder die Welt, noch das Judenthum jemals von ihnen vernommen — allein das ist gerade besser. Denn eine alte Autorität nutzt sich öfters ab — aber solche frische, nagelneue Autoritäten — die ziehen noch. Doch 'gehen wir nach dem Vaterlande. Siehe, mein Leser, was soll ich Dir da noch geographische und statistische Notizen geben? Kennst Dn nicht selber, ja kennst Du nicht ganz von selbst: Schattmannsdorf, Endingen,Gudensberg, Schwabach, Lackenbach, Marksteft, Neustadt a. d. W., Neudorf, Merchingen, Fellheim, Mattersdorf? Kennst du nicht von selbst: Buttenwiesen, Alterstadt, Gailingen, Deutsch- Kreutz, Jchenhausen, Binswangen,.Mosbach, Witzenhausen, Pappenheim? Wer kennte nicht: Lengnau, Beyerdorf, Wassertrüdingen, Gunzenhausen, Burgpreppach? Geh, Du kennst sie, und ihre Rabbinen kennst Du, und sie sind Dir längst lieb und theuer geworden, Du ehrst und achtest sie wegen ihrer Werke, ich meine Schriften und Worte, und wegen ihrer Thaten. Nur vor dem Einen muß ich. mich verwahren, es könnten sich doch unter diese, die ich als deutsche Rabbinatssitze hinstelle, einige ungarische, polnische, türkische oder asiatische, afrikanische, australische Gesinden — nimm's nicht so genau. Doch sind wir noch nicht zu Ende. An alle diese berühmten Rabbiner und Rabbinatssitze schließen sich noch etliche sehr berühmte und allerberühmteste. Nämlich: der Rabb. zu Hürden, zu Münster, zu Mannheim, zwei Unterjuristen zu Prag, der alte „Rabb. und Oberlehrer der israelit. Gemeinde zu Frankfurt am Main," zwei Oberrabb.zu Danzig, der Oberrabb. zu Königsberg, das Rabbinatskollegium zu Halberstadt, der Rabb. Horwitz zu Wien, der Rabb. zu Heidelberg-, der zu Mainz, Strelitz, Worms, Würzburg, der Oberrabb. zu Hannover, die drei Auerbach zu Bonn und Darmstadt, und der Oberrabb. zu Altona, der Landrabb. zu Emden, und der zu — Creuznach. Gott sei Dank! ich bin fertig. Nun, bist,Du, Leser, neugierig, was Dir diese zu sagen haben. Da hast Du es. Ueberschrift: Treue Gläubige in Israel! Motto: Jechesk. 33, 6-7. „Unter dem Namen „Rabbinerversammlung" sind im Juni v. I. in Braunschweig einige und zwanzig Männer zusammengetreten, die zum Theil, nicht einmal dem Namen nach, Rabbiner sind, deren Mehrzahl aber langst schon offenkundig eine reformistische Richtung innerhalb des Judenthums verfolgt, und haben in Religions- und Kultusangelegenheiten Beschlüsse theils gefaßt und veröffentlicht, theils für künftige Versammlungen vorbereitet. Mußte es für Sachkundige auch schon als höchst befremdend erscheinen, eine so kleine Anzahl von Männern*), deren großer Theil noch dazu, wie nach, der von ihnen geäußerten Verachtung über Talmud zu urtheilen, sich nicht einmal des' gründlichen Studiums rabbinischer *) Freilich die Leutchen aus Szonitz, Skalitz, Rechwitz, Bezka, Wassertrüdingen, Lakenbach ff. bilden eine viel reputirlichere Zahl! Korresx.