Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1845)
- Date
- 1845-04-21
- Page
- Seite 256 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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256 ohne vorhergegangene Wahl.von der Regierung-als Rabbiner eingesetzt worden, hatte sich aber besonders in Aschaffenburg selbst viele Feinde erworben. Es entstanden leider vielfache Prozesse, und da man auch die ungesetzliche Weise seiner Einsetzung hervorsuchte, so wurde er seines Amtes entsetzt, - jedoch aber als wieder wählbar erklärt. Aber er erhielt bei der Wahl nur vierzig Stimmen, während der bisherige Rabbiner zu Burgpreppach, Abraham Adler, deren 189 erhielt, und ohne Zweifel auch bestätigt werden wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die allem Fortschritt feindlich gesinnte Partei, welche bei den Rabbinatswahlen im Jahre 1840 eine so große Thätigkeit entwickelte, auch diesen Vorgängen nicht fremd ist, da Neuburgers Kraft und Entschiedenheit ihr schon lange ein Dorn im Auge war. Jetzt schaut sie nach dem erledigten burgpreppacher Rabbinate, wo es ihr ohne Zweifel ebenfalls gelingen wird, einen Mann ihres Vertrauens an die Stelle zu bringen. Das Rad der Zeit wird jedoch diese Partei nicht aufhalten können. Bei veränderten Negierungsgrundsätzen wird auch das Benehmen dieser unselbstständigen Rabbbiner sich ändern, und dieses um so gewisser als auch die Israeliten unseres Kreises'bei aller Anhänglichkeit am Hergebrachten doch, größtentheils mit jener Partei nicht einverstanden sind, vielmehr immer mehr zum Bewußtsein kommen, daß uns manche Veränderung noth thut. Daher denn auch diejenigen Rabbiner unseres Kreises, welche entfernt von Gewissenszwang oder gar Wegwerfung des wirklich Religiösen einen vernünftigen Fortschritt zu befördern suchen, obwol sie jener Partei nicht gefallen und nach Möglichkeit von ihr angefeindet werden, sich in ihren Distrikten immer mehr Achtung und Anerkennung erwerben. Von der Saale, 15. April. (Privatmitth.) Wie berühren sich die Extreme in der heutigen Welt, in Deutschland, im Judenthume! Sie haben in der vor. Nummer der Allg. Ztg. d. Zudenth. die Programme der berliner und breslauer Reformer veröffentlicht, und — in der heutigen müssen Sie das Programm der 77 Rabbinen, geschleudert gegen die Beschlüsse der vorigen und zukünftigen Rabbinerversammlung veröffentlichen! Müssen, sage ich — denn ein unparteiisches Blatt darf Nichts geradezu ignoriren, ein Blatt, das der Geschichte dient, darf Nichts übergehen, was die Zeit bringt, wenn die Zeit es auch wieder davonträgt. Doch zur Sache! Es war der erste April,, an welchem ich No. 14 Ihrer Zeitung erhielt, wo Ihr Hamb. Korresp. über diesen „Kometen" berichtete. Es war her erste April, an welchem ich diesen Kometen mit seinem ganzen Schweife zu Gesichte bekam. Man wird es sehr natürlich finden, daß ich das Ganze zuerst für ein „in den Aprilschicken" hielt. Ich war es daher mir schuldig, das Dokument ein wenig zu prüfen. Die Richtigkeit eines Dokumentes wird zuerst durch seine Unterschriften bezeugt. Also an diese ging ich zuerst. Da fanden sich denn pelo-wolo deutsche und ungarische Rabbinen unter einander. Die Fremden aber müssen als Gaste den Vortritt haben. Mich begrüßte demnach zuerst — der Oberrabbiner zu Szonitz. Wo" liegt Szonitz? Ich bin kein übler Geograph — aber ich weiß nichts von Szonitz. Ich hole das große Handbuch von Stein, in drei Bänden, vierte Auflage. Ich durchsuche das ganze Register — kein Szonitz. Nicht in Europa und Asien, nicht in Afrika und Amerika, selbst nicht in Australien. Wer weiß was von Szonitz? o er sei willkommen, ich dürste nach Belehrung. Es folgt der Rabbiner zu Szobotistsch. Gut, das ist ein Fleckchen, ein ganz kleines Fleckchen in der Neitraer Gespannschaft. Ihm zunächst kommt der Oberrab. zu Neutra. Das kenne ich auch, es ist ein Städtchen in Ungarn von 6000 Einw. mit einem festen Bergschloß — nicht übel für den Oberrabb. Banet. Dann tritt heran der Rabb. zu Werbofzy. Welt, kennst du Werböfzy? Ich nicht. Der Oberrabb. zu Stampfen. Halt, aus Stampfen war einmal ein bettelnder Rabbi bei mir, daher kenne ich es. Oder hieß er nur Stampfen? Mein Gedächtniß wird schwach. Der Rabb. zu Sa sch in — es ist zum Verzweifeln , mein „Stein" läßt mich im Stich; Rabb. zu Hollitsch— grausenhaft, auch Hollitsch find' ich nicht; der Oberrabb. zu Rechwitz, der Rabb. zu Stadasch, zu Subarin, zu Fischasch, zu Schlachtitz, zu Bezka, zuWerbo, zu Brezowa — Himmel, wie unwissend bin ich, alle diese sind — böhmische Dörfer für mich, und es sind doch gewiß große, mächtige Rabbinatssitze! — doch weiter, der Oberrabb. zu Szerchahely —