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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-21 · Heft 17 (21.4.1845) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 17 (21.4.1845)
Date
1845-04-21
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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253 Gelegenheit gegeben zu einer jener großen und religiösen Manifestationen, welche die zukünftigen israelitischen Geschlechter mit Stolz wiederholen und an die Seite der ewigen Wahrheiten stellen werden, die den Ruhm unsres Stammes und das Heil der Menschheit ausmachen. Ja, es giebt, wie Sie sagen, ein Band der Religion und der Einheit, welches Israel seit dem Anfang der Jahrhunderte, von den Steppen Australiens bis zu den Wüsten Sibiriens verknüpft. Zeit und' Raum, Sprache und Nationalität, politische und Privatintereffen, Alles verschwindet vor diesem unzerstörbaren Bande des Glaubens, wie der Mensch vor Gott verschwindet, wie das Leben vor der Ewigkeit verschwindet. Wir sind Bürger in unserm Glauben, noch bevor wir Bürger in unserm Vaterlande sind, wie wir unsre Pflichten gegen die Familie unseren Pflichten gegen die Welt voranstellen. Darum begreifen wir auch nicht die Art von Animosität, die sich in einer gewissen Klaffe der jüdischen Gesellschaft gegen die israelitische Presse kund' thut. Man wirft uns vor, daß/wir uns durch unsre Publikationen aus der großen Familie isoliren, eine zu sehr bezeichnete Begränzungslinie ziehen, unser Leben judaisiren anstatt französiren oder germanisiren wollen. Man vergißt, daß unsere Journale, Denkmäler unsres Kultus sind, wie unsre Tempel, wie unsre Spezialschulen, wie unsre Kirchhöfe, endlich wie alle Institute, für und durch das Judenthum geschaffen. Man vergißt, daß die israelitische Presse immer mehr und mehr die einzige Wächterin der Einheit unsres Glaubens wird, das einzige Symbol des religiösen Bandes, welches aus allen Juden der Welt eine unermeßliche Familie macht. Wodurch sollte sich diese Einheit sonstwie kund thun? Der Fortschritt der Menschheit'hat unsere gemeinsamen Leiden geendet; die Schöpfungen (onsimtemeuts) der Zeit und die Wandelungen der Jahrhunderte haben Alles ausgelöscht, was wir ehemals Besonderes und Hervorstehendes in unsrer Art zu sein halten; der Geist der Reform versucht aus unseren Tempeln die heilige Sprache zu verbannen, das insbesondere jüdische Idiom; das politische Interesse des verschiedenen Vaterlandes, an welchem die Israeliten einen so thätigen und patriotischen Antheil nehmen, macht sie sich unter einander fremd. Wo ist also der Mittelpunkt unsrer Religion? Wir Haben kein Rom, Jerusalem ist zerstört. So sei denn die Presse das allgemeine Heiligthum, wo alle unsre Brüder sich vereinen können wie ehemals in der. heiligen Stadt, und wo die israelitischen Schriftsteller, die neuen Leviten dieses neuen, Gott geheiligten Gebäudes, sich mit Liebe und einer religiösen Achtung vereinen, und der Weihrauch ihres Geistes dem Ewigen angenehm sein wird. — Ich umarme Sie, mein Bruder, mit Liebe, und bringe Ihnen die Huldigung meiner Achtung. S. Bloch." —. Der Großrabbine von Paris, Herr Marchand-Eunery, erklärt im Oniv. i8r., daß es eine Unwahrheit sei, wenn man behauptete, er wolle die Mezizah einer Synode zur Begutachtung vorlegen. So viele Hochachtung er für die talmudischen Vorschriften habe, so sei doch die Mezizah durchaus nicht für einen religiösen Akt zu halten, für einen wirklichen Theil der Befchneidung, sondern einfach für ein Heilmittel, welche, nach der Ansicht der Heilkundigen, durch ein passendes anderes ersetzt werden kann. Pa*is, im April. In diesen Tagen sind uns erst das Februar-, Marz- und Aprilheft des Arch. israel. zugekommen. Allein es ist in allen nichts Erhebliches gegeben. Lauter Persönliches, Lokales, was allgemeiner Kenntnißnahme entgehen kann. — Aus dem Februarheft heben wir hervor, daß bei den Gratulationsreden, die am 1. Januar an den König gerichtet worden sind, zwei Juden sprachen, Crömieux im Namen des israel. Konsistoriums, F. Halevy im Namen des Instituts. — Um die Mahnen des in der Bewußtlosigkeit der Todesstunde getauften Dr. Terquem zu ehren, hat der Großrabbine Ennery am Tage des Begräbnisses in der Synagoge ein ' hebräisches Gebet für die Seelenruhe des Verewigten gesprochen. Die Verwaltungsbeamten des Tempels haben bestimmt, daß während des ganzen Trauerjahres ein Kadisch täglich für ihn gesagt werde. Das Zentralkonsistorium hat die Sache zu der seinigen gemacht, und wird sie möglichst verfolgen. In Metz wird ein feierliches Hesped gehalten werden, die Rabbinerschule war zum Zeichen der Trauer Zeinen Tag geschlossen. — Aus dem Aprilheft: Der oberste Rath der Freimaurer vom schottischen Ritus in Frankreich hat eine Kommission ernannt, um eine Addreffe an den Prinzen von Preußen zu richten, daß das ungerechte Verbot, israelitische Freimaurer 17 *

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