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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-21 · Heft 17 (21.4.1845) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 17 (21.4.1845)
Date
1845-04-21
Page
Seite 252 (sequence 8)
Language
German
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252 verwirkliche, und wesentliche Momente dieses Geistes nicht verloren gehen? Wir wollen ein Beispiel geben. Die Speise-, Reinigungsff. Gesetze haben das Prinzip, das leibliche Element des Menschen rein zu erhalten, daß es ein geläutertes Gefäß des menschlichen Geistes sei. Dies ist ein Grundgedanke der heiligen Schrift. Nicht bloß der Gedanke. Soll dieser Grundgedanke verloren gehen? Wird man dann nicht den Geist der göttlichen Offenbarung verstümmelt haben? 2) Die Läugnung des irdischen Messiasreiches. Man hätte wol wünschen können, diese in dem Programme wegzulaffen. Denn Hiermit gerade wirft man aus das Judenthum den Schein, als ob es mit dieser Idee dem Vaterlande keine treuen Bürger erziehen könnte, während doch diese Lehre auf das Leben durchaus keinen Einfluß übet. 3) „Wir können den Talmud für kein unveränderliches Gesetzbuch anerkennen," (denn der Talmud ist doch mit dem „Kodex" gemeint.) Dieser Satz liegt in der Natur der ganzen Bewegung. Auch ist es lobenswerth, daß man hiermit nicht den Talmud geradezu ganz und gar negirt hat, sondern daß er nur in denFormen und Vorschriften, die in unsrer Zeit nicht mehr haltbar seien, zu verändern sei. 4) Berufung einer Synode. Hätte man nicht den Modus dieser Synode sofort näher bestimmen sollen? Man verlangt Unterschriften; diese sollen gerade vorzugsweise die Berufung einer Synode betreffen, was durch das Einrücken der Endworte bezeichnet ist. War es nun nicht Pflicht, ' sofort das Nähere über das Wesen und die Modalitäten der Synode anzugeben, um zu wissen, was man berufen wolle? Noch dazu, da 5) durch diese Synode das Judenthum in derjenigen Form .erneuert und festgesetzt werden soll, in welcher es fortzuleben fähig und würdig sei. Darin liegt offenbar der Kern der ganzen Sache, und doch hat man diesen Kern so unbestimmt gelassen, daß, wer unterschreibt—noch gär nicht weiß, wie ausführbar sein wird, was er unterschreibt. Dies ist es, was uns über das Programm däucht. Die weiteren Schritte der Anreger werden uns darüber wo! nähern Aufschluß geben, und die geäußerten Bedenken entweder beseitigen oder vermehren. Der Vorsichtige wird daher die Sache mit günstigem Auge betrachten, aber die weitere Entwickelung abwarten. Dies ist auch, so viel ich weiß, die allgemeine Stimmung. Frankreich. Paris, im März. Der gütige Leser wird sich der Erwiederung erinnern, welche'wir in No. 46 des vor. Jahres an den Redakteur des zu Paris erscheinenden 0niv'6l-8 i8ra6i!t6 richteten. Derselbe übersetzte unser ganzes Schreiben und verleibte es seinem Journale ein. Um so mehr sind wir verpflichtet, die Antwort, welche derselbe uns im Februarhefte zu Theil werden ließ, ebenfalls hier zu geben. Wenn diese Antwort Belobendes für uns enthält, so sehe der Leser dem freundlichst nach, und bedenke,, daß er das Jahr über so viel Schmähendes vernehmen muß. Diese Antwort lautet: . „Herrn Dr. Philippson, Rabbinen rc. rc. Paris, den 28. Februar. Das glänzende Schreiben, welches Sie an mich in Ihrem geschätzten Blatte vom 11. November a.pr. gerichtet haben, ist in Frankreich mit einem nicht gewöhnlichen Interesse ■ ausgenommen worden. Und trotz des Ungenügenden einer blaffen Übersetzung, hat man in Ihrer Arbeit den tiefen Denker, den ausgezeichneten Schriftsteller, den eminenten Diener der Religion erkannt, welcher seine hohe Mission würdig erfaßt, welcher mit seiner Liebe und seinem weiten Blick nicht die Israeliten einer Stadt, einer Provinz, sondern die Israeliten der ganzen Welt umschließt, die Bedürfnisse jener allgemeinen Synagoge, die nicht auf der Erde existirt, die nicht mit den Jahrhunderten und den Staaten stirbt, die ewig in den unverwüstlichen Regionen des Geistes, in dem göttlichen und ewigen Boden der Wahrheit lebt. Indem sie Ihr Schreiben lasen, erkannten unsere französische Glaubensgenossen die Ursache des Respekts und der Verehrung, welche Sie Ihrem Namen zu erwerben gewußt. Einer unsrer Weisen sagt: „Alle Diskussionen, die in reiner Absicht entstehen, endigen damit, ein dauerhaftes Resultat hervorzubringen" (rip^rw >2 wprinb i-iöio trniö' tnüb aniöj. Ich wünsche mir Glück über die momentane Ansichtsverschiedenheit, die sich zwischen uns erhoben, denn sie hat Ihrerseits

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