Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1845)
- Date
- 1845-04-07
- Page
- Seite 224 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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224 beanspruchten, und von der er hauptsächlich unterstützt wurde. Jndeß scheint ihm dieses Abhängigkeitsverhaltniß nicht behagt zu haben,, so daßuer seine Stelle niederlegte, um in Zurawna (einer kleinen wohlhabenden Gemeinde im stryer Kreise) als Rabbiner angestellt zu werden. Sein Posten als Religionsweiser des Stadtbezirkes ist vermittelst des Vorstandes durch Herrn Wolf Blumenfeld ein talmudisch-gelehrtes, frommes und gemäßigtes lemberger Gemeindeglied, unverweilt besetzt worden. Es sollen für ihn die meisten Gegner des Vorstandes petitionirt haben, und es stehet,daher zu erwartendaß durch diesen Vorgang der Eintracht der Gemeinde Vorschub geleistet werden dürfte. Ein polnischer Edelmann der nicht genannt sein will, hat zum Ausbaue des neuen deutsch-israelitischen Bethauses 500 fl. K. M. gespendet, eineSlrmme, die noch kein Israelit zu diesem Unternehmen beigesteuert, was hier zu Lande bei den traurigen bürgerlichen und sozialen Verhältnissen der Juden und der scharfen Trennung der Konfessionen um so anerkennenswerther ist. Andere 300 fl. K.M. sind -von den Erben des seligen Hermann Todesko in. Wien für den Lempelbau eingegangen, für den schon ihr großherziger Vater etwas zu thun versprochen hatte. In der Kreisstadt Zolkiew, wo der israelitische Weise Nachman Krochmal gesegneten Andenkens durch die besten Jahre seines Lebens. gelebt -und gewirkt hat, wird dem Chassidismus von demgelehrten, aufgeklärt und streng-orthodox sein wollenden Kreisrabbiner Herrn Hirsch Chajes auf eine schmähliche Weise Vorschub geleistet. Auf seine Verwendung: ist der unter, den galizischen Chqssidim als Wundermann hochgefeierte Belzer-Rebbi"^ im Laufe vorigen Monats eingeladen worden. Viele Juden, aus der Umgegend —' da Zolkiew bisher dieser Sekte sich nicht zugewendet — strömten mit vollen Händen herhei, um den Segen zu empfangen. .Der Kreisrabbiner selbst machte ihm den Hof, und buhlte.um einen freundlichen Blick Sr. Heiligkeit,, und hatte. .es dahin gebracht, daß in der dortigen , Synagoge nach chassidischer We,ise (n"ipv ans»).- gebetet wurden wäre, ") Die Häupter der Chassidkm werden gemeiniglich nach dem Orte ihrer Ansässigkeit, wo sie gewöhnlich auch die rabbinischen Funktionen versehen, benannt-, so der Rosler Przemyslaner rc. wenn nicht der wackere Vorsteher M. Goldenberg (Bruder, des als Herausgeber des Kerem Chemed bekannten S. L. Goldenberg) sich aus allen Kräften widersetzt, und der klügere Rebbi selbst es für zweckmäßiger erachtet hätte, einem verderblichen Streite auszuweichen. Dieses Benehmen eines einst zu den Aufgeklärten gehörenden Kreisrabbiners, der seine Stelle vorzüglich der Verwendung Krochmals zu verdanken hat, hat. bei allen Besserdenkenden der Umgegend solche Indignation erregtdaß mehrere gebildete junge Leute in Lemberg sich nicht enthalten konnten, ihm ihre Empfindung in geziemenden Ausdrücken schriftlich zu erkennen zu geben. Das ist die Frucht des Strebens nach falscher Popularität, welches zwar nicht immer so weit führet, aber fast durchweg unsere einsichtigen Rabbinen abhält zur Weckung der Masse etwas Erkleckliches zu thun. . Nicht hier und da zusammengerafftes Wissennicht prunkende Gelehrsamkeit, sondern Redlichkeit, aufopfernde Liebe zum Volke, - und ein gesunder praktischer Sinn thut unseren Volkslehrern Noth. Sie haben bei uns, wo die Gährung noch nicht ihr erstes Stadium ganz zurückgelegt, nicht, bloß auf die heilsame Entwickelung des religiösen Lebens, sondern auf die. bessere Gestaltung der gesammten, verworrenen und gedrückten Lebensverhältnisse durch Wort und Werk, durch Rath und That einzuwirken. Wie man hört, soll Herr Chajes Alles aufbieten, den ihm nicht genehmen Vorsteher aus dem Sattel zu heben, was ihm jedoch schwerlich gelingen dürfte, da die aufgeklärten Behörden genug Einsicht in die dortigen jüdischen Verhältnisse besitzen, um das Benehmen und die Motive so wie deren Folgen auf beiden Seiten würdigen zu können. X. Tarnopol, 6. März. (Privatmitth.) Larnopol, wie die meisten Städte Galiziens, stand bis vor Kurzem in herrschaftlicher Unterthänigkeit, ein mittelalterliches feudales Institut, das jeder freien Bewegung nach Außen, jeder Verbesserung nach Innen nur hemmend entgegen stand, bis es endlich den vieljährigen Bestrebungen unseres energischenalles Bessere mit edlem Eifer vertretenden Herrn Gubernialrathes und Kreishauptmanns Ritter von Sacher gelang , uns von diesem drückenden Verbände zu befreien und unfern, bisher mit Personen