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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-07 · Heft 15 (7.4.1845) · p. Seite 223

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 15 (7.4.1845)
Date
1845-04-07
Page
Seite 223 (sequence 11)
Language
German
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223 die hiesige, wahrer religiösen Erziehung entbehrende zahlreiche Jugend dem väterlichen Glauben zu gewinnen. Naab, 17. März. (Privatmitth.) Gestern als am Markttage hielt unser Rabbiner vor einem zahlreichen in- und auswärtigen Publikum einen zweistündigen nsvn, worauf derselbe drei Dinge betrauerte. Erstens, daß man jetzt alle Lhorheiten sogleich in die Zeitungen schreibt. Zweitens, : haß die Gemeinde seinen Gehalt mit 5 fl. — geschmälert und endlich daß der papaer Rabbiner starb. „Ihr fragt," rief der Begeisterte, „was hat er in den fünf Jahren geleistet?" ein ist er gewesen!" — Wir haben hier nur bescheidene drei Bemerkungen. Erstens ist Herr Rabbine Freyer am besten davon überzeugt, wie viele Lhorheiten ungarischer Rabbiner ungerügt bleiben — zweitens, ist Mangel an Gehalt ein zu ostes Thema seiner mw;. — und drittens sollte Herr Freyer sich's merken, „um wie viel leichter andächtig schwärmen als gut handeln ifH i. Aus Ostgalizien, 12. März. (Privatmitth.) In der Seelsorge unserer beiden größten Gemeinden ist eine Personalveränderung eingetreten, die jedenfalls als ein kleiner Fortschritt zum Bessern zu betrachten ist, da die Abgetretenen dem starren Stillstand huldigend gegen jede noch so unschuldige Verbesserung nicht bloß im eigentlichen Gebiete der Religion, sondern auch im Bereiche der anderweitigen jüdischen Gemeindeangelegenheiten nach Kräften Opposition machten. Mit einem Worte Herr Salomon Klüger, Religionsweiser in Brody und Herr Isaak Juer Horowitz, Religionsweiser in Lemberg, haben fast gleichzeitig ihre Stellen niedergelegt. Der Erstere, ganz dem verflossenien- Jahrhundert angehöreud und unversöhnlicher Feind des in Israel neuerwachterr Geistes und der in dessen Gefolge auftauchenden Bestrebungen, bot Alles auf, die Masse in ihrer Erstarrung zu erhalten, und gegen jede neuere Einrichtung zu fanatisiren. Da er jedenfalls äv banne foi dabei.verfuhr, gelang es ihm auch in den unteren Regionen des gebildeten Brody die dichteste Fmsterniß zu erhalten, und war er es, der,- als der intelligente Vorstand im verflossenen Jahre, von dem'lange unbenützt stehenden Leichenwagen Gebrauch zu machen ansing, das Volk dagegen aufwiegelte. Bekanntlich kam es bei dieser Gelegenheit zu stürmischen Auftritten resp. zur Erstürmung des Spitales wo der Leichenwagen aufbewahrt wird, und wurden Exzesse verübt, die eine strenge Kriminaluntersuchüng herbeiführten, in deren Folge acht Personen süf das Kriminal qualisizirt wurden und ihrem definitivem Urtheilsspruche entgegensehen. Er war es auch höchst wahrscheinlich, der durch seine Anmaßung und das Ansehen, das er sich zu geben wußte, den sehr gebildeten, einsichtsvollen und erfahrnen, durch sein humanes Benehmen besonders beliebten Kreisrabbiner Herrn M. Kristianpoler abhielt, seine Kenntnisse und Erfahrungen zur Erleuchtung und Hebung seiner Gemeinde zu verwenden. Wir wollen hoffen, daß dieser nunmehr darauf bedacht sein, und besonders dem raschen Vorwärtsstreben in Lemberg nicht gleichgiltig zusehen werde. Wäre dieß der Fall, so könnte Brody sich zu Klägers Abgang doppelt gratuliren, und das so lange vernachlässigte Schulwesen, wofür der größtentheils intelligente und wohlmeinende Vorstand sich sicherlich interessirt, in Kurzem wenn nicht gerade einen kräftigen Aufschwung nehmen, doch wenigstens eine heilsame Umgestaltung erfahren. Jedenfalls thut dieß Roth, und wäre eine Verbesserung des Jugendunterrichtes einer (an sich löblichen) mit anstrengenden Kämpfen zu erringenden Verbesserung der Tracht (hier Kleideremanzipation genannt) vorzuzieheru Hr. Klüger, Verfasser mehrerer gedruckten und in Manuskript vorhandener rabbinisch-kasuistischer Werke, hat das ihm zu lichte Galizien verlassen , um den Rabbinerstuhl in Foltischan in der Wallache! einzunehmen. Eben erfahre ich, daß ihm das Rabbinat zu Brzezan angetragen wurde und er es angenommen. Freue Dich Galizien! Der frühere Rabbiner zu Sasfow (einem Städtchen unweit Brody) ist ihm in diesem Posten gefolgt. Herr Isaak Juer Horowitz ist eine minder ausgeprägte Persönlichkeit, da er, wenn auch nicht gründliches Wissen, doch Elemente der Neuzeit in sich ausgenommen , und hat weniger aus Ueberzeugung als aus anderen naheliegenden Rücksichten gegen die Bestrebungen des lemberger Vorstandes sein ohnmächtiges Veto eingelegt. Er war auch hierbei weniger selbßthatig, als geleitet von der stabilen Partei, deren Häupter selbst eine größere rabbinische Autorität

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