Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-07 · Heft 15 (7.4.1845) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 15 (7.4.1845)
Date
1845-04-07
Page
Seite 225 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225405--06811-3236662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

225 und Sachen, wie eine Waare verkäuflich gewesenen Ort, gegen ein Entgelt aus den Händen des letzten Besitzers loszukaufen und Tarnopol zu einer königlich freien Stadt zu erheben. Mit dem veränderten Namen erwuchs ein kräftigeres, munizipales Leben, ein Burgerthum wurde geschaffen, sämmtliche distinguirte Einwohner ohne Unterschied der Religion, wurden in den Bürgerstand erhoben und so kam es denn, daß 150 jüdische Gemeindeglieder in das Bürgerbuch eingeschrieben wurden und den Bürgereid leisteten, von denen später zwanzig Ausschußmänner mit berathender Stimme in den Kommünalangelegenheiten gewählt werden sollen. Bleiben wir nun auch, Nach wie früher, ausgeschlossen von Rechte des Erwerbs christlicher Grundstücke und Realitäten u. s. w., immer ist es ein Schritt vorwärts, wenn wir auch nur so viel dabei gewonnen, daß man uns nicht mehr mit dem barbarischen Namen „jüdischer Jnsaß" brandmarkt und wir nun mit dem Ehrenprädikat „Herr Moses N., Bürger" zitirt und in unfern Reisepässen signalisirt werden, wenn wir soviel dabei gewonnen, daß wir Sitz und Stimme im Senate haben — woran die gesammte freie Hansa und die Göthe-Stadt sich ein Beispiel nehmen mögen— daß wir unser Budget berathen helfen, das klebrige wird schon Nachkommen! — Um dieses neu gestaltete, städtische Leben würdig zu feiern, wurde von den Bürgern, an deren Spitze, der als Arzt und Mensch allgemein geachtete Herr Kreisphysiküs Or. Piwocki, ein Festessen von hundert Gedecken veranstaltet, dem auch fünfundzwanzig jüdische Mitglieder anwohnten, und welches am 3. d.M. im schön erleuchteten, mit dem Transparentbilde Sr. Majestät des Kaisers und dem neuen Wappen der Stadt verzierten Kasino- Saale statt fand: Es war ein recht originelles und erfreuliches Schauspiel unsere höchsten Zivil- und Militärhonoratioren, viele Herren vom Adel, sämmtliche Geistliche, Jesuiten mitJuden, die Meisten in ihrem polnisch-jüdischen Kostüm, an einer Lasel sitzen und — essen zu sehen. Erschrecken Sie jedoch, meine frommen Leser, nicht, unsere Speisen, wiewol an Quantität ündQualitqt denen der christlichen Gesellschaft gleich, waren nach streng jüdischem Rituale bereitet, nur müssen wirlobend' * erwähnen, daß unser Dajon Herr Aaron Fränkel gestattete hatte, daß auch unsere Speisen auf dem silbernen'Tafelgeschirre, welches der Haushalt des Herrn Oberstlieutenant von Kiß zur Verherrlichung des- Festes auslieh, servirt worden. — - -' ■ ■ Den Vorsitz nahm unser hochgeehrte Herr Gubernialrath und Kreishauptmann Ritter von Sacher ein, der, Mann, dem die Ehre des Tages gebührte; ihm zur Rechten und zur Linken reiheten sich unser würdige und tapfere Herr- Oberst von Greeser vom hier stationirten Husarenregimente „König von Preußen," andere distinguirte Offiziere, die beiden Pfarrer des lateinischen und griechischen Ritus , der Rektor magnificus und der Präfekt des Jesuitenkollegiums, den einen Seitenflügel der Tafel nahmen die christlichen, den andern die jüdischen Bürger ein, unter welchen sich der Gemeindevorstand/ die Lehrer der persischen Schule, deren würdigem Direktor Herr Michael Perl leider - durch Krankheit äbgehalten wurde, dem Feste beizuwohnen; unsere zwei Doktoren der Medizin und viele Kaufleute in jüdisch-polnischer Tracht sich befanden.— Ganz originell stellten sich die- Toaste darnachdem nämlich Sr. Majestät, Sr. königlichen Hoheit dem Landesgouverneur, dem Herrn Kreishauptmanne und vielen anderen hochgestellten Beamten ein Hoch dargebracht wurde, erhob sich' Herr Kapeller, Bürger lutherischer Konfession und trank aus das Wohl des hochwürdigen Pfarrers römisch-katholischen Ri, tus, worauf Dr. Horwitz, ein Israelit, den Toast ausbrächte r „Die ehrwürdigen Väter der Gesellschaft Jesu, deren frommer Werke höchstes, die moralische und intellektuelle Erziehung der Jugend, auch den Kindern meiner Glaubensbrüder zu so großem Frommen und Nutzen gereichen- Hoch!" welcher Toast mit größer Akklamation angenommen wurde. Wir müssen bei dieser Gelegenheit zur Ehre der Wahrheit gestehendaß die Jesuiten, die seit mehr denn zwanzig Jahren dem Gymnasial- und Lyzealunterrichte in unserer Stadt vorstehen, in neuerer Zeit, unsere Kinder, die ihre Schulen besuchen, gelimpflicher zu behandeln begonnen, daß sie Unparteiisch ihren Fleiß Und gute Sitten öffentlich zu würdigen, fast allen die Eminenzklasse aus den Lehrgegenständen sowol als vx moribus zu ertheilen nicht anstehen. . . -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.