Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1845)
- Date
- 1845-04-07
- Page
- Seite 222 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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222 uns herrscht und nur von den traurigsten Folgen sein kann und ist, mit Bedauern zu erwähnen: es ist die Käuflichkeit der Rabbinate, die bis zu einem unglaublichen Grade gestiegen, so daß es beinahe eine reine Unmöglichkeit ist, das Rabbinat in einer kleinen Gemeinde zu erlangen, wenn man nicht den Gemeindevorstand durch - eine gewisse ausgesetzte Summa (man schämt sich nicht, hierüber offen zu handeln und zu mäklenl), und dann einzelne besonders mächtige und einflußreiche Gemeindeglieder, oder richtiger ihre entscheidenden Stimmen durch besondere heimliche Privatverträge gekauft hat. Daß hierbei das Verdienst oder Unverdienst des Kandidaten wenig in Anschlag kommt, läßt sich denken, den vor den materiellen Bewegungen des Eigennutzes muß jedes geistige Intresse schweigen, daß das allgemeine Gemeindewohl hierbei unberücksichtigt bleibt, ist ganz folgerecht, denn vor der Machtstimme des selbstsüchtigen Eigennutzes muß dies wol schüchtern sich zurückziehen; aber was noch betrübender: der Wahrhaftfähige und Verdienstvolle wird dadurch fast immer verdrängt, da dieser sich nie zu solchen niedrigen Kunstgriffen und die heilige Sache entehrenden Handelsspekulationen herablaffen will, dies auch nie kann, da nach dem alten Sprüchworte wie nach der täglich sich erneuernden Erfahrung der Gelehrte nur selten mit irdischen Gütern gesegnet ist, wodurch er nun bei uns auch gehindert ist, sich einen Wirkungskreis zu kaufen, in welchem, er seine geistigen Güter mit Gewinn anlegey und verwenden könnte. Ich könnte hier die traurigstkomischesten Geschichtchen erzählen, aber exempla 8unt otliosa! Möge diesem Uebel bald gesteuert, und mögen auch von den kleinen Gemeinden —-Heren jetzt viele rabbinerlos sind und besetzt werden sollen — nur nach Verdienst und Würdigkeit die Lehrer gewählt, und lieber darauf gesehen werden, was her Kandidat (an geistigen Gütern) hat, als was. er (an Geld) gi.ebt!! E, Papa, 20,. Marz. (Prlvatmitth.) Während die ungarischen R. abbin eu Bannstrahleu. gegen hie deutschen Rah binen schleudern, suchen sich die u n ga.r.i scheu G e m e.r ud e n - Rath es bei den deutschen- Ra.bbinen. So. hat. die hiesige Gemeinde über die, wichtigsten liturgischen Fragen. Gutachten von- 25 der berühmtesten Rabbmen verlangt. Die ersten., die.. antworteten, waren Philippson, Mannheimer, Geiger; dann folgten Herzfeld, Holdheim, Maier, Abr. Kohn, Skreinka, Fasse!, In kräftig entschiedener und gedrängter Weise antworteten Philippson, Geiger, Herzfeld, Fasset; die klebrigenvorzüglich Holdheim, waren ziemlich ausführlich. Papa, im März. (Privatmitth.) Am 24sten v. M. starb der hiesige Rabbiner Paul Horwitz im 49sten Lebensjahre, nach einer sechstägigen Krankheit — und nachdem dessen Gesundheit bereits mehrere Wochen schwankte. Während seine Anhänger durch tumultuarisches Benehmen, bittere und gehässige Aeußerungen seine Leichenfeier trübten, eröffneten jene ersten Häuser, welche der Geistesrichtung des Verewigten weniger geneigt sein konnten, eine Subskription und bildeten ein sehr ansehnliches Pension für die Hinterbliebenen Waisen. Auch zur anständigen Versorgung der Wittwe wurden bereits einleitende Schritte gemacht. Die hiesige Gemeinde, welche erst unter dem Rabbinate des nun verstorbenen Horwitz, an den Kämpfen der Zeit Theil zu nehmen begann, und den Frieden aus ihrer Mitte schwinden sah,. meint heutigen Tages als das beste Mittel gegen die hier herrschenden Parteiungen, für eine lang'e Zeit ohne Rabbiner zu verbleiben. Die Richtung des Bessern, im Judenthume ist aber hier bereits zu sehr zum Bewußtsein vieler Einzelnen geworden — und die Vertretung des Zeitwidrigen, hat wenn auch an Einfluß, doch an Starrheit noch zu wenig verloren, um auf gedachte Weise die hiesigen religiösen Differenzen ausgleichen zu können. GeeigneterchLw dem.lKqteW-yen.Sieg-zm»Ärschaffen — und der Ignoranz und Rohheit die letzte Kraft zu brechen,: wäre hier die Anstellung eines Rabbiners, welcher genügende Kenntniß des allen Judeuthumes mit zeitgemäßer reeller Bildung vereinigt; d er den Spruch 2b irra* ba>. 'S na^-irr im Augenmerke' haltend,' weniger daran denke , wie er sich wichtig mache,; das Volk blen-de uÄd die Brsserwollenden mit Versprechungen hmhalte; der seiw eigenes Ansehen nichtauf Unkosten des Gemeindewohles erschleichen — und nicht durch Vervath die Einführungen des Bessern - vechmdev» will:: d er fähig, fei durch anffändkge, wahrhaft erbauende- Vor-- träge die hiesige religiöse Dürre empfänglich M'machen für die fruchtreichen Lehren-Gottes. —der-fWg sei durch Errichtung eigentlicher israelitischer 'Schuten.