Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1845)
- Date
- 1845-04-07
- Page
- Seite 221 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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221 mein-evorstandes; und hegen wir zu den resp. Vorständen das Vertrauen, daß sie. nur wirklich armen, würdigen Individuen ein solches Attest ausfertigen. 2. Die Armen derjenigen Gemeinden, welche Beiträge hierher senden, werden vor denen aus Anderen bevorzugt, die diesen unfern: AufrufAnbe- . rückfichtigt^ lassen; vielmehr haben diese zu ge- ' wärtigen, daß nöthigenfalls ihre Armen auf ihre . Kosten unterhalten werden. 3. Am Schluffe der Badesaison werden, wir einigen angesehenen Badegästen Rechnung legen, und diese der Oeffentlichkeit übergeben. . .. Wir ersuchen alle wohlthätige Glaubensgenossen eben so dringend, wie Höflich, dieser unserer Aufforderung ein geneigtes Gehör zu schenken, und uns recht bald Ihre milden Beiträge einsenden zu wollen. Heil dem, der des armen Kranken verständig sich annkmmt; Am Tage der Prüfung wird, Gott ihn erretten! Der Herr wird ihn behüten, ihm Leben schenken, Ihm auf dem Krankenlager als Schutz zur Seite stehn! (Pf. 4t, 2. 3. 4.) Hochachtungsvoll zeichnet Die Verwaltung der jüdischen Badearmenkasse. Heimann Schneller. W. Frankel. Warmbrunn, im März 1845. Oesterreich. Von der ungarischen Grenze, 6. März. (Privatmitth.) Das orthodoxe Judenthum. Ungarns, hauptsächlich aber das Rabbinerthum hat dieser Lage wieder einen mächtigen Schlag erlitten- . nämlich durch den am 25. v. M. erfolgten Lod des Oberrabbiners zu Papa,:des eigentlichen.Stifters..der weiland ungar. Rabbinerversammlung. Der Mann war, strengorthodox, von allem Wissen baar, aber ein geborner Ungar, sprach , auch das Magyarische recht brav, welchem Umstande. er vorzüglich die Erlangung des papaer Rabbinats — eins der größten und bedeutendsten im Vaterlande — verdankte, indem er auf diese einzige.Qualität hin von der magyaromanischen Grundherrschaft der. Gemeinde zum. Rabb. empfohlen und —. quasi. aZfgedrungen wurde. Denn daß die Kenntniß der rrngär. Sprache, — so nothwendig sie heute auch beinahe Jedermann, vollends gar jenen Individuen die ein "öffentliches Amt im Ungar. Vaterlande. bekleiden, ist, — mit etwas talmudischem Wissen und einer.Portion chassidischer Frömmigkeit noch Niemand zum - Rabb. und Seelenhirten einer großen Gemeinde qualifizirk, vollends jetzt in unserer lebensthätigen und sturmbewegten Zeit, sieht wol Jeder leicht ein. ' Und daß. der Verstorbene wirklich seinen hohen .Berus nicht würdig erfaßte und seiner Stelle nicht gewachsen war, zeigenwol am deutlichsten die. Wirren und Reibungen —' wovon zur Zeit auch in diesen Blättern berichtet worden — die während: dessen Amtsführung seine Gemeinde stets beunruhigten. Es ist wirklich erbärmlich und todtärgernd mit. welch' unerbittlicher Hartnäckigkeit und unbeugsamer Starrköpfigkeit sich die meisten ungar. Rabbinen noch widersetzen solchen Reformen, über die man in Deutschland, Frankreich, auch in vielen Gemeinden des österreichischen Vaterlandes, wie Pesth, Wien, Prag,. Löplitz u. A. längst hinaus ist, und wie sie so nur Zwietracht und Uneinigkeit überall säen, sie die doch ihrer hohen und schönen Aufgabe gemäß, nuv Friedensstifter und -Verbreiter sein sollten! Es ist. höchst traurig und betrübend zu sehen, wie oft über. Einrichtungen die mit dem Eigentlichen der Religion in keiner.Beziehung stehen und—auch nach dem Urtheile der vernünftigern Orthodoxen — diese nicht im Entferntesten gefährden, von den obskuren Rabbinen Zeter geschrieen, die Fackel der Zwietracht angezündet, die hartnäckigsten Kämpfe und unversöhnlichsten Zwiste hervorgerufen, und die frühere Eintracht -^-Parole Juda's, — die frühere Einmüthigkeit und Einstimmigkeit — das Charakteristikon Israels.-^- um ein Nichts und wider Nichts zu Schanden , gemacht werden! So seit Kurzem in Papa wegen Errichtung einer Chorschule, in Neutra wegen Errichtung einer Normalschute, in Waag- Neustadt wegen Leseverein und Predigt, in Sz^ Ni klau und Rechnitz wegen Stellung der Bimah und. so in mehreren Gemeinden wegen ähnlicher, oft noch viel geringfügiger - Punkte. Wenn so jede einzelne Gemeinde-in Parteien zerfällt, wie läßt sich da Einheit und Erstarkung, im Ganzen hoffen? Ich kann mich bei dieser Gelegenheit nicht erwehren, eines argen Uebelstandes, der — aber nur in den kleineren Gemeinden, so viel uns bis jetzt bekannt! — bei der Anstellung des Rabbiners seit Kurzem bei 15*