Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1845)
- Date
- 1845-03-31
- Page
- Seite 208 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Prüfung der verketzerten Schriften und Protokolle reden. So auch, daß so Manche, die Vielerlei auf eigene Hand reformirt haben, was dem Entdecker der Antipoden-Esrogim gewiß nicht gefällt, dies Plaisir Anderen ihres Gleichen nicht gönnen wollen. Desgleichen, daß man einen alten kindischen Mann wie Herrn S. A. Trier mit vorschiebt, der noch persönlich dem pariser Sanhedrin beigewohnt hat, und der vor 30 Jahren, als er das Rasiren am Chol Hammoed erlaubte, selbst auf dieselbe Weise anathematisirt wurde ff. ff. — Eine tröstliche Erscheinung ist es indessen, daß von den Häuptern der orthodoxen Richtung fast nur diejenigen unterzeichnet haben, die nach äußer-deutschen Anstellungen und Lorbeeren angeln. Das Dokuments welches mit einiger Schlauheit vom Jahre 560ö ohne Angabe des Monats datirt ist, sagt zwar, eine große Zahl wichtiger Unterschriften würden oder könnten noch Nachkommen; wir erlauben, uns jedoch dies bezüglich der Qualität zu bezweifeln, man müßte denn die sämmtlichen Missionäre Deutschlands und Englands") zu Hülfe rufen, welche bekanntlich stets bereit sind, der Aufklärung der jüdischen Nation den Krieg zu erklären, und daher gewiß recht gern beitreten. — Zu gelegener Zeit ist indeß das Dokument jedenfalls gekommen, und wir dürfen wol hoffen, daß die Mitglieder der Rabbinerversammlung das häßliche Zanken untereinander nunmehr unterlassen werden. Wären die Herren Zionswächter nicht, ungeachtet der großen Geldquellen, die ihnen, wie man sagt, zu Gebote stehen, gar zu sehr an Schleichwege gewöhnt, so hätten sie sich freilich mit ihrer ganzen Legion zu der Rabbiner- Versammlung eingestellt, und Alles mit großer Majorität in ihrem Sinne entschieden! Aber diesen Weg haben sie sich nun für alle Mal versperrt! Aufforderung. In No. 12 d. Ztg. spricht ein berliner Korrespondent von unberufenen Reformatoren von ") Dieser Ausspruch unsres Hamburger Korr, ist nicht ohne — denn so eben haben wir von London eine Nummer des Missionsblat.tes Voice of Israel (nicht zu verwechseln mit der Voiee of Jacob —) zugesandt erhalten, wo allen denen, die der Rabbinerversammlung feindlich entgegentreten, großes Lob gespendet wird. Redakt. 1816. Unter diesen befand sich der edelste, freigebigste und gesinnungsvollste Mann, den das Judenthum unserer Zeit aufzuweisen hat: Jakobson, Präsident des westphälischen Konsistoriums. Der vorwitzige Schreiber wird hiermit aufgefordert seine Aeußerung zurückzunehmen>, oder' die praktischen Fehler des damals tückischen Insinuationen erlegenen Versuches ausführlich nachzuweisen. Oesterreich. Gperies, 6. März. (Privatmitth.) Seit Kurzem zirkulirenin Oberungarn überhaupt, aber in unserm sareser Komitat vornehmlich, Büchelchen in slawischer Sprache verfaßt, die es sich angeblich zur Aufgabe gemacht, den übermäßigen Branntweingenuß beim Volke zu Hintertreiben, und dieses durch Verdrängung des Leib und Geist tödtenden Trankes für einen Lichtern Kulturstand vorzubereiten. Gewiß, wäre dies die wahrhafte und alleinige Tendenz dieser Schriftchen, so könnte nicht das Mindeste eingewendet werden, ja im Gegentheil haben die Juden älterer und neuerer Zeit oft genug erwiesen, daß, wo es sich um das Erstreben eines wahrhaft nalionellen Zweckes handelt, sie nicht minder Opfer zu bringen geneigt sind, um sich an edlem Wirken zu betheiligen. Aber der Verfasser jener Schriftchen begnügt sich mit dem angeblichen Gegenstände nicht; nicht bloß die Brandweinpeft stellt er seinen Stammgenoffen in ihren schädlichen Folgen vor, sondern — der Jude ist es, den er in der abscheulichsten Gestalt darzustellen , gegen den er das Gemüth der Slawen zu entzünden bemüht ist. Die Schriftchen enthalten die ärgsten, erdenkbarsten Schmähungen gegen die Juden; der Verfasser laßt die Juden als Giftmischer, als Denunzianten, als ehrlose Betrüger austreten, sie schrecken vor jeder körperlichen Beschäftigung wie vor.einer Pest zurück, und nur Trug, Wucher, tückischer Schleichhandel fristet ihr genußreiches und thatenarmes Leben; kurz der Verfasser frischt die schmählichsten Klagen auf, und taucht seine Feder in die giftigste Galle. Wir denken nicht an eine Abweisung des Mannes. Jedes Wort wäre eine Beschimpfung unser selbst, (lui s'exeu86) s’accuse. Aber das Eine wollen wir erwägen, daß es wirklich schmerzlich ist,