Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1845)
- Date
- 1845-03-31
- Page
- Seite 207 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225404--06792-3236642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M Synagoge besindlich gewesen, ohne allen Abzug zum Synagogenbäüfottds bestimmt hat, und daß diesem Fonds seitdem mehrere Legate und Gaben zugefallen sind*): Allein Zedetmann weiß auch, daß bei dem größten Theil der Gemeinde die feste Ansicht herrschend geworden ist, daß für den Synagogenkultus, wie er jetzt hier ist, kein neues und großes Gebäude vonnöthen fei, weil derselbe eben so würdig, viel bequemer und aufrichtig, gesagt, für die Aufrechthaltung jenes Systems noch weit zweckmäßiger in den zahlreichen kleinen Minjanim abgehalten werden kann. Was aber die Aeußerung anbelangt, der Tempel sei kein Gemeindeinstitut, d. h. er erhalte kein Geld aus der Gemeindekasse, so kann es der Welt sehr gleichgültig sein, aus welcher Kasse er versorgt wird, und wir möchten wol einmal sehen, was diese Herren für ein Geschrei erheben würden, wenn die Gemeinde heute oder morgen die Kosten des Tempels übernehme! Dcr wäre gewiß der Einsturz des Himmels vor der Thür, den unsere Bigotten schon oft (das letzte Mal bei Vergrößerung der Gemeindesubsidie für die Freischule, und, jetzt wieder für die beabsichtigte Zulassung des Tempelritus bei Beerdigungen) mit verdrehten Augen vergeblich geweissagt haben. —. Beiläufig sei es den ungeduldigen Fortschreitern gesagt: das vom hiesigen Tempel befolgte System hat durch die neuechrist-katholische Kirche einen glänzenden Triumph erlebt, da diese völlig dieselben Privilegien befolgt. Kein Aufgeben der Katholizität, möglichstes Anhalten an die Tradition, kein Abschließen, kein rücksichtsloses Zerstören gemüthlicher Und liebgewonnener Symbole; vielmehr das Ueberlassen der weitern Reform an die Nachwelt und die öffne Thür zur spütern Wiedervereinigung mit der stets liebgehaltenen Masse, — diese Regeln werden dort wie hier befolgt: nicht aus Theorie, sondern weil dort wie hier der Impuls nicht von Büchermännern, sondern vom Leben ausging. Freilich ist wegen der Ungezogenheit der meisten jüdischen Theologen ein nachgiebiges Entgegenkommen bei den Christen weit eher zu erwarten als bei den Juden. . *) Die erste bestand aus einer Kollekte im Tempel und der Synagoge am Dankfeste nach dem großen Brande. —. Ein Komet mit einem großen Schweif ist äm israelitischen Himmel erschienen! Eine gedruckte Warnung von 78 Geistlichen (26x3 -----78) vor den gefaßten und noch zu fassenden Beschlüssen der RabbinerversamMlung; — und es dürfte wol mit Sicherheit prophezeiht werden, daß dieser Komet auf Ströme zu vergießender israelitischer Tinte deutet. Wir können indeß nicht laugnen, daß das Aktenstück-von Seiten der Dunkelmänner einen bedeutenden Fortschritt zeigt. Statt daß, nach orthodox christlichen Mustern, diese Herren früher immer gleich die Polizei zu Hülfe riefen und den Untergang aller Staateü aus den teuflischen Ruhestörungen und Grundsätzen der Ketzer weissagten, nehmen sie jetzt mit vieler Höflichkeit Alles aus den anathematisirten Protokollen aus, was sich auf das Verhältniß des Juden zum Staat und zu dessen sammtlichen Bewohnern, auf den Eid rc. bezieht, was sie freilich für ganz bekannte und keineswegs neue Gegenstände erklären, die längst in allen (ihren??) Schulen gelehrt würden. Zweitens ist da, gewiß zum großen Erstaunen von drei Viertheilen der Unterzeichneten, zum aller ersten Male in dieser Gattung kein Fluch- und Schimpfwort zu finden und selbst das herkömmliche überzuckerte Pfaffenflüchelchen, „das Beten für die Bekehrung der irrenden Brüder" ist kaum leise angedeutet. Das sind große, gar Nicht zu verwerfende Fortschritte, dem sich noch der anreiht, daß die vielen Herren, deren Residenz sich auf— cicz und öd und sky rc. reimt, nachdem sie einmal expreß Lese- und Schreibünterricht genommen Und ein §itlebu8—deutsch gedrucktes Aktenstück deutsch unterzeichnet haben, sich doch unmöglich, wie noch der selige Sofer, der Einführung des deutschen Unterrichts Und der deutschen Predigt opponiren können. Inzwischen ist doch Mehreres was in jenem, an die ^8^2)1 121728 1)2ibw (zufolge 2. Sam. 20, 19. Sprache eines alten Weibes) addressirten, Dokumente sehr zu bewundern. So z. B. daß diejenigen Herren, deren Aemterjagd seit einer Reihe von Jahren sich bei jeder Gelegenheit auf das Gröbste bemerklich gemacht hat, Andere der -Genuß- und Ehrsucht zeihen, die für ihr eignes mühsam erspartes Geld Bestrebungen verfolgen, die ihnen für das Wohl der Nation förderlich dünken. Ferner, daß so Viele die notorisch kein deutsches' Buch zu verstehen, kaum zu lesen im Stande sind, von ihrer sorgfältigen