Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1845)
- Date
- 1845-03-31
- Page
- Seite 206 (sequence 10)
- Language
- German
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Eine solche Anstellung scheint hier um so yöthiger, als ^nser Rabbinat zwar aus drei Mitgliedern gesteht, jedoch in diesem Augenblicke nur ein Mitglich von gelehrter, ja von deutscher Bildung Überhaupt besitzt. Eine so große Gemeinde wie die von Berlin bedarf jedoch in sehr vielen Fällen mehr als Einer Stimme, wenn es gilt, eine Frage des Kultus oder des Unterrichts zu entscheiden. Deutschland. Hannover, 7. Marz. Die Juden werden mit der neuen Eidesformel, welche das Gesetz vom 24. Februar ihnen vorschreibt, sehr unzufrieden sein, und ich glaube mit Recht. Für sie ist die Sache von Belang und Wichtigkeit. Seit undenklicher Zeit bitten sie um Abänderung der altern Eidesformel , bei den Behörden wie bei den Ständen. Letztere erklären die bestehende Form geradezu für ein Üeberbleibsel finsterer und verjährter Vorurtheile und reden einer zeitgemäßen das Woxt. Zuletzt, um die Sache doch endlich zu erledigen, fordern die Kammern die Regierung auf, sie ohne weitere Kommunikation mit den Ständen zu reguliren, natürlich in der Hoffnung, daß ihre (der Stände) allgemeinen Äußerungen über das. Unpassende der alten Eidesform bei der Abänderung berücksichtigt werden würden. Die Negierung kommunizirt nun mit dem Staatsrathe, wo heftige Stimmen gegen jede Konzession zu Gunsten der Juden laut werden, und das Resultat ist das bekannte Gesetz. Abgesehen von den nutzlosen und häßlichen Förmlichkeiten, die es vorschreibt, ist es sogar, nach dem Urtheile Sachkundiger, in einem Punkte total fehlerhaft, woraus hxrvorgeht, daß man das Gutachten eines jüdischen Religionsgelehrten einzuholen versäumt hat, was hier doch durchaus nothweydig war. Unerfreulich im Allgemeinen ist das Gesetz, weil es wieder einen Beleg dafür giebt, wie wenig man hier noch geneigt ist, den Juden die Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft zu geben, auf die sie vollgültigen Anspruch haben. Freilich bedurfte es zu dieser Erkenntniß leider keiner neuen Belege; es gab deren schon vorher genug. (D. Ä. Z.) HlMrburH, *9. März. (Privatmitth.) Ende Februar starb Hierselbst der als der vorzüglichste hebräische Dichter und Stylist seiner Zeit berühmte Salomon Jakyb Co hem (pari i'hs aibtö) dessen letztes größeres Werk, die Davidkade (‘■m -v^) vor etwa 12 Jahren erschien. Er brachte feiy Mer auf 73 Jahre und ohne Zweifel werden Literaten, denen seine hier wohnhaften Söhne gewiß gern rajjt Notizen zu Händen gehey, sich beeilen seinen Nekrolog quszuarbeiten. —. Der harte und so beispiellos langwierige Mater hat auch in unserer Gemeinde die Wohlthätigkeit besonders angeregt, und außerdem sind mehrere Legate sehr zur rechten Zeit zu Statten gekommen. Es wurden an größeren außerordentlichen Haben in unserer deutschen Gemeinde vertheilt: 3I1Ö0 Mrk. bei Salomon Herne's Beerdigung von Testaments wegen, zugleich 2000 Mrk. freiwillig von dessen Sohne Karl Heine und 1200 Mrk. aus den Rev.enüen der Wittwe Hartwig; 109 Gaben zu 20 Mrk. jede, aus der Hartwig'schen Stiftung, werden verloost. Außerdem sind dem Feuerungsvertheilungs -V.ereiu auf öffentliche Aufforderung über 2000 Mrk. extra zugeflossen (größtentheils von Christen) und eins außerordentliche Sammlung zur Erleichterung der Noth verschämter Armer brachte über 8000 Mrk. Die vor Jahren von Moses Salomon Frankel gestiftete, nachmals von Salomon Heine unterhaltene Purimmahlzeit im Krankenhause hat Herr Hirsch Bexend Oppenheimer für die Zukunft übernommen. —. In einer wenig gelesenen jüdischen Monatsschrift findet sich ein Artikel über hiesige Zustande, der fast eben so viele Unkenntniß des Stoffs beweist, als des deutschen Styls. Darin wird denn auch das alte Lamento wiederholt, daß noch keine große Synagoge erbaut werde, obgleich das Geld dazu gewiß zu erhalten oder anzuseihen fei, und es wäre doch eine Schande für diese Gemeinde, verödet dazustehen, da der Tempel zwar groß und imposant, aber kein Gemeindeknstitut sei. Das sind nun freilich so viele Unwahrheiten und respektive Verläumdungcn als Worte. Jedermann Hier in Hamburg weiß, daß es nicht der Kostenpunkt ist, wer den übrigens langst beschlossenen Bau einer großen, neuen Synagoge noch verzögert; weiß, daß die Gemeinde die ganze bedeutende Summe, die sie aus der Auerkasse für das abgebrannte Grundstück erhielt, in welchem außer 4 bis 6 früher vermietheten unähnlichen Häusern und Wohnungen auch eine kleine