Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1845)
- Date
- 1845-03-31
- Page
- Seite 201 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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201 rmion-Akten aufgehoben wurden, wurde eine Bill ohne Erfolg eingebracht, die den Juden den Eintritt in jede Munizipal-Korporation gewährt hätte. 1835 habe er selbst eine Bill eingebcacht, um die Juden zu den Aemtern von städtischen Sheriffs gleich denen in den Grafschaften zu befähigen; allein er sei genöthigt gewesen sie auf das bloße Sheriffamt zu beschränken, überzeugt wie er war, daß jede Erweiterung die Verwerfung des Vorschlags herbeigeführr haben würde. Der beste Beweis hiervon sei gewesen, daß eine gleich darauf von dem Unterhause hierher gelangte, mit der gegenwärtigen gleichlautende Bill von den Lords verworfen sei. Bei der Aussicht auf einmüthige Annahme, [freue er sich daher des Fortschritts, den wenige Jahre in den Gesinnungen der jetzigen Häupter der Regierung herbeigeführt. Er hoffe dies sei jetzt nur eine Vorstufe, und im nächsten Jahre werde der edle und gelehrte Lord auf dem Wollsack hier eine andere Anomalie denunziren, die aus dem Gesetze verschwinden müsse, nämlich daß Juden fähig wären, Lordmayor zu werden, das Kriminalgericht Londons zu präsidiren, über Christen Gericht zu halten und dennoch nicht ihre Mitbürger im Parlament repräsentiren könnten^ (Hört). Der Bischof von London wiederholte, weil aus die Einstimmigkeit für die vorliegende Bill gedeutet werde, daß er bloß nicht opponire um keine unschickliche Debatte berbeizuführen. Lord Colchester, daß des edlen und gelehrten Lords (Campbell) Bemerkung, daß dies nur eine Vorstufe zu umfassenden Maßregeln sei, ihn fast veranlaßt habe, sich der Bill zu widersetzen. Er würde das nun zwar nicht thun, aber er erkläre, daß er es nicht für angemessen halte, daß Personen von jüdischer Religion in dem Rath der Nation sitzen sollten. Lord Redesdale verwies auf die Bill von 1841 .und machte bewerklich, daß deren Worte nach deren Konstruktion weiter gingen als die gegenwärtige. Die Bill ward hierauf zum zweiten Male verlesen. Oberhaus, 14. März. Dritte Verlesung. Hierbei sagte der Herzog von Cambridge: Er wolle bloß in der Kürze seine Theilnahme an der Maßregel aussprechen, da er.häufige Gelegenheit gehabt, Beweise der Achtbarkeit und Liberalität der Betheiligten zu erfahren, namentlich bei den zahlreichen wohlthätigen Stiftungen, denen er präsidire. Zwei von den früher besonders genannten Herren wären ihm persönlich bekannt. Herr Salomons, früher Großfheriff von Kent, und Sir MoseS Montefioce, Sheriff von London vor vier bis fünf Jahren. Bezüglich des letztem Herrn bäte er um Erlaubniß zu erzählen, was ihm mit demselben begegnet sei. Er sei nämlich auf Ansuchen des Bischofs von Worchester zum Vorsitz eines Meetings -für Vermehrung der Zahl der Kirchen in dessen Sprengel gegangen, und sei da im Garten Sir Moses begegnet, der gerade dort war, um eine seiner geliebtesten Nichten sterben zu sehen. Dieser habe ihm sofort eine hübsche Summe für den Zweck, des Meetings überreicht. Es würde unschicklich sein, diese Summe hier zu nennen, aber er erwähne dies nur als eine der vielen Proben der Freigebigkeit derer, auf die die Bill ziele. Auch habe er in dem Lande, dessen Vizekönig er gewesen (Hannover), stets mit Theilnahme die Sorgfalt bemerkt, mit welcher die Juden ihre Waisen erzogen und sie zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft machten. (Hört!). Niemand sei der Kirche von England ergebener, als er — aber er würde dennoch stets jede Toleranzmaßregel unterstützen, die derselben keine Gefahr brächte; und so danke er dem edlen und gelehrten Lord auf dem Wollsack für die Einbringung dieser Bill. Die Bill passirte hierauf zum dritten Male. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 16. März. Die Verhandlungen des englischen Oberhauses über die Abschaffung der bürgerlichen Unfähigkeiten der Juden sind von den französischen Journalen mit wahrhafter Freude und einstimmigen Beifallsbezeugungen ausgenommen worden. Ministerielle wie Oppositionsblätter, Journal des Debats und Courier fran^ais widmen dieser Angelegenheit längere Artikel. Es ist dies abermals ein Beweis, wie tief das Prinzip der bürgerlichen Gleichstellung aller Konfessionen hier in das Leben der Nation eingedrungen ist, daß die Manifestationen dieses Prinzips auch im-Auslande eine so freudige Stimmung Hervorrufen. Der Courier fran<?ais nimmt davon Gelegenheit, auch Deutschland zur endlichen Erfüllung dieser Forderung des Menschenrechts aufzurufen. Unter Anderm sagt er; „In