Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1845)
- Date
- 1845-03-31
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225404--06784-3236634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
essen der City von London genau kennt, ein solcher Mann, der noch überdies der Stadt bereits als Sheriff gedient hat, aspirirt die Würde eines Aldermanns. Nehmen Sie an, es würde eine Bill eingebracht, dieses verböte Israeliten. überhaupt zu diesem und zu anderen Munizipalämtern zuzulassen: würden Sie eine solche Maßregel wol gut heißen? Würde irgend eine Versammlung von vernünftigen Männern eine solche Maßregel genehrchgen? (Hört). Nun denn, würden Sie dies nicht auf direkte Weise genehmigen, so können Sie es auch nicht vermittelst der Umwege, die jetzt statt haben. (Hört). (Nach einer speziellen Erörterung, wie die Ausschließung des Herrn Salomons, lediglich durch ein parteiisches und eigenmächtiges Verfahren der Aldermänner herbeigeführt worden, fährt der Redner fort.) Ich schlage demnach vor, daß bei einer Deklaration eines Israeliten die Worte „auf den wahren Glauben eines Christen" weggelassen werden. Dies ist schon zu Gunsten der Quäker, der Herrnhuter, der Zndepedenten und der Separatisten bewilligt worden, weil alle diese erklärten, sie könnten die Worte nicht ohne Gewissensskrupel unterzeichnen. Aber man entgegnet mir, dies seien alle christliche Sekten.' Aber es ist selbst bezüglich der Juden keine Neuerung im meinen Vorschlag. Zuerst ward eine Akte erlassen, um die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die ihnen zur Erlangung des Großsheriffamtes im Wege standen, weil'man ihnen dieses Amt zugänglich zu machen wünschte. Noch andere Fälle sind vorhanden. In minder liberalen Zeiten als die jetzigen, als viele Leute noch mehr Gefahr erblickten und chimärischen Befürchtungen sich überließen, schon in George I, 10 ist in der Abschwörungsakte den Juden der Satz „auf den wahren Glauben eines Christen, so wahr mir Gott helfe" erlassen. Desgleichen in George ll, 13 wo dieser Satz denjenigen Juden, die Lu unseren auswärtigen Kolonieen naturalisirt werden, erlassen ist. Es liegt mir sehr am Herzen, daß diese Maßregel durchgehe. Die Minister I. M. theilen diesen Wunsch, und deshalb haben wir sie nicht auf großen politischen Zwecke basirt, wo Meinungsverschiedenheit herrschen kann, so daß am Ende in der allgemeinen Debatte der besondere Gegenstand verloren geht. Deshalb detaillire ich auch nicht, was das Ausland in diesem Punkte gethan hat. Ich sage nichts von dem was in Frankreich, Belgien, den vereinigten Staaten, und vor Allem, was in Holland statt gefunden hat, wo seit sehr vielen Jahren Bekenner des Judenthums ohne alle Beschränkung zu hohen Aemtern zugelassen sind, und wo diese, von allen Gebildeten und Aufgeklärten gewünschte Anordnung nicht die geringste Unannehmlichkeit veranlaßt hat. Ein minder liberales Verfahren wird in den österreichischen Staaten und in Deutschland befolgt; aber auch da fängt man an von dieser Strenge nachzulassen. Preußen hat den deutschen Staaten das Beispiel gegeben. Da werden Israeliten an Schulen und Universitäten zugelassen, wo sie Vorlesungen halten (ohe!) und Grade erlangen. Die bewundernswürdigsten Folgen sind aus diesem Verfahren entstanden, denn mehrere der gelehrtesten Männer jener Universitäten, die sich in Wissenschaften und Literatur am meisten ausgezeichnet, gehören zu diesen Personen. Als Beleg hierzu will ich mir erlauben Ihnen einen Brief vorzulesen, den ich auf meine desfallsigen Erkundigungen erhalten habe, von einem Mann, dessen hohe Stellung über allen Zweifel erhaben ist. Er sagt: „die bürgerlichen Unfähigkeiten sind in Preußen früher als in anderen deutschen Staaten beseitigt worden. Dieses, und die Zulassung zu den Schulen haben die Wirkung gehabt, die Ueberlegcnheit dieser Volksrace in geistiger Thätigkeit und Kraft an den Tag zu bringen. Juden, bekehrte und uzrbekehrte, nehmen die höchsten Standpunkte im bürgerlichen Leben ein, und eine im Verhältniß zu der übrigen Bevölkerung weit überwiegende Anzahl derselben bekleiden sehr bedeutende Aeutter." Dies bestätigt, Mylords, das was ich früher schon in Bezug auf Literatur auf Wissenschaft von der Beseitigung jener Unfähigkeiten erwähnt habe, und ich mache diese Anführungen lediglich um den Einwendungen niedriger Seelen zu begegnen, welche erst die Gegenstände ihrer Abneigung durch bürgerliche Zurücksetzung degradiren, und dann diese Degradation als Grund der Fortdauer dieser Zurücksetzung benutzen. Ich glaube, Mylords, nun genug gesagt zu haben, um Sie zur,Genehmigung der zweiten Verlesung zu bewegen. Doch bevor .ich niedersitze, kann ich nicht umhin zu erwähnen, daß ich bei meinen Untersuchungen des Gegenstandes, auf einige bezügliche alte Parlamentsakten gestoßen bin, die ich der Aufmerksamkeit der Kommission zur Revision unserer Kriminalgesetze empfohlen habe, damit solche der offiziellen Aufhebung nicht entgehen. Unter Anderen ist da eine Akte aus der Regierung Edward 1. betitelt de Judammc, wo die Bewohner der in verschiedenen Städten befindlichen Judengaffen verpflichtet werden, an ihrem Oberkleide einen Lappen zu tragen, der ihre Religion bezeichnet. . Ich denke, Mylords, Sie sind mit mir einver-