Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1845)
- Date
- 1845-03-24
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschlechts ist das Vorurtheil beinahe verwischt, und ein unbefangener Blick auf die Verhältnisse der Jugend auf den Hochschulen, den Gymnasien und den Turnplätzen geworfen, wird die Ueberzeugung gewähren, daß sie auf Glauben sunterfchied, kein Gewicht mehr legt. §. 4. Die den Juden vorgeworfenen Absonderung von den Christen bezieht sich nur auf äußere Gebräuche und ihre Abhängigkeit vom Talmud, der an und für sich kein Gesetzbuch ist, und keine bindende Kraft hat, verhindert sie in keiner Weise, an der. Erfüllung ihrer Pflichten als Mensch und Bürger. Nie hat sich ein jüdischer Verbrecher darauf berufen, daß er nach seinem Gesetze straflos sei. Wer nicht absichtlich sein Auge und Ohr verschließen will, und in der täglichen Erfahrung die Bestätigung dieses Satzes finden. An amtlichen Belegen für denselben fehlt, es auch nicht, und die 12 von dem Sanhedrin in Paris 1897 angenommenen Artikel, so wie die Beschlüsse der Rabbinerversammlung, welche sich am 12. Juni 1844 in Braunschweig konstituirte, mögen als Beweis dafür dienen. Ist es nach dem Vorgehenden außer Zweifel gestellt, daß die Christen seit uralten Zeiten die ersten Pflichten ihrer Religion, Liebe und Duldsamkeit versäumt .haben, so sie ihnen.einmal Gerechtigkeit gewährten, so muß in Jedem der sich zum echten preußischen „Vorwärts" bekennt, der innige Wunsch entstehen, verübetes Unrecht zu vergüten und soweit seine Kräfte reichen, Hand an das Werk der Liebe und Gerechtigkeit zu legen. Daßder Weisheit unseres hochherzigen Königs diese Umstande nicht entgangen sind, ist bekannt, und es kann seinem Herzen nur erfreulich sein, wenn im Lande von allen Seiten her, die Stimmen seines christlichen Volkes sich erheben, und um Gerechtigkeit für ihre Brüder bitten. Aus diesen Gründen bitten wir Einen hohen Provinziallandtag sich in einer Dankschrift bei Sr. Majestät dem Könige dafür zu verwenden, daß den jüdischen Unterthanen im preußischen Staate gleiche Rechte mit den christlichen gewahrt werden.' Der Magistrat und die Stadtverordneten- Versammlung zu Königsberg, eingereicht dem am 9. Februar 1845 eröffneten preußischen Pronvinziallandtage zu Danzig. Koblenz, 14. März. (Rhein. Blatt.) In der Sitzung des rheinischen Landtages vom 12. ist der Antrag um Aufhebung des kaiserlichen Dekrets vom 27. März 1808 mit 65 Stimmen gegen 7 und der Antrag auf völlige Gleichstellung der Juden mit 56 Stimmen gegen 16 nach einer interessanten zweistündigen Debatte angenommen worden. Berlin, 14. März. (Privatmitth.) Bei der Stern'schen Vorlesung über Emanzipation der Juden waren auch viele Standemitglieder zugegen, und hat sie bei ihnen besondere Anregung vermittelt, die sich auch in einem Anträge der märkischen Stände auf Verbesserung der Stellung der Juden, besonders auf Ausführung des Edikts vom 13. März 1811 ausgesprochen hat. Berlin, 14. Marz. (Privatmitth.) Die Vorlesungen des Dr. Stern machen in der hiesigen Gemeinde Epoche. Es hat sich unter seiner Leitung ein Konnte gebildet, um Veränderungen im Judenthume vorzunehmen, vielleicht um möglichst ein -Schisma zu bilden, dem alten Judenthum gegenüber, wie das christ-katholische dem alten Katholizismus gegenüber. Dies könnte nun insofern nicht gelingen, als das ganze Judenthum auf dem Wege der Reform ist, also eine besondere Sekte nicht gebildet werden kann. Deutschland. Aus dem Badischen, 21. Februar. (Privatmitth. a. bad. Blättern. Schluß.) Einen Tag später berichtet der Abgeordnete, Pfarrer Zittel über eine der Emanzipation nahe angehenden Petition, rücksichtlich der jüdisch-kirchlichen Verhältnisse und des jüdischen Oberraths. Es haben nämlich schon im August 1842 die badischen Rabbinen eine ausführliche Vorstellung „Reorganisation, des ganzen Rabbinerwefens betreffend" ihrer obern Behörde vorgelegt, die aber bis zur Stunde ohne allen und jeden Erfolg geblieben ist, sowie eine andere, die Rabbinen betreffende Petition von 1841 gleichfalls erfolglos blieb, und, mit noch anderen Erscheinungen, zu der traurigen Ueber- 13»