Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1845)
- Date
- 1845-03-24
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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setzes, Mayer auf Revision der Liturgie, Hirsch auf Revision des Sabtzat- und Speisegesetzes nicht mitgebracht, sondern wären nun erst darauf gekommen, als wir die Bestätigung jener Antworten beantragten? Haben diese Herren ihre Anträge aber witgebracht, wie können wir mit unser« Anträge dafür verantwortlich sein, darum mit unsrer Kritik inkonsequent? Aber Herr Mayer will seinen Beweis noch schlagender wachen, er nimmt — was er so liebt — den Dozenteuton an, und fragt uns, ob wir denn wissen, was eigentlich mit jenen Antworten angerichtet sei. Wir müssen ihm hier sagen: daß er uns nicht im Geringsten begriffen hat. Mit seiner häufigen Flüchtigkeit hat Herr Mayer sicherlich unsre Bevorwortung , die die Prot. S. 94 wittheilen, nicht durchgelesen. Unsre Absicht war, das Verhältniß des Judenthums zu der Gesellschaft, und der Regierungen zum Iudenthume und dessen Entwickelung durch eine Erklärung der R a b b i n e rv ersa mm lu ng festg eft e llt zu sehen. Die Basis hierzu hat das französische Sanhedrin in der Beantwortung der Napoleon'schen Fragen gegeben; auf diesen Antworten hat der französische Staat die Gleichstellung der Juden aufgerichtet; nur auf diesen Antworten erhält der französische Staat die Gleichstellung der Juden aufrecht — will man den Beweis, so'lese man §. 20 des neuen Organisationsgesetzes vom 25. Mai 1844, wo es heißt: „Das Konsistorium ist beauftragt zu wachen: 1) daß keine Erklärung oder Auslegung des Gesetzes gegeben werde, welche nicht den Antworten der Generalversammlung der Israeliten, in Lehrgrundsätze durch das große Sanhedrin verwandelt, gemäß sei;" so lese man den §. 56 desselben Gesetzes, wo es heißt: „Kein Diener des israel. Kultus kann eine Unterweisung oder Erklärung des Gesetzes geben, die nicht den Entscheidungen des großen Sanhedrins gemäß sei;" — und die Gleichstellung der Israeliten in Frankreich die Basis der Emanzipation in allen europäischen Staaten ist, indem sie die älteste und noch immer die vollständigste ist: so sind jene Antworten des französischen Sanhedrins die Grundlage aller modernen Verhältnisse unsrer Glaubensgenossen. Die erste Versammlung von jüdischen Geistlichen sollte demnächst diese Grundlage auch als die ihrige anerkennen. Mit Nichten kann daher diese Bestätigung durch die Rabbinerversammlung als etwas Kritisches' angesehen werden: sie. hat es allein und ganz und gär mit etwas Bestehendem zu thun, mit etwas, was die Basis des ganzen jetzigen Judenthums längst geworden ist. Mögen wir Alle, die der ersten Rabbinerversammlung beiwohnten , uns nur nicht einbilden, daß wir an dieser Basis ein Wesentliches hätten ändern oder rütteln können, durch unsre Bestätigung haben wir dieses Bestehende, dieses Geschichtlichfeststehende nur uns selbst zur Grundlage gemacht, wir sollten dadurch einen festen Boden unter unseren Füßen bekommen; und alle die vielen kleinlichen Streitigkeiten, die unsre Federn in Bewegung setzen, reichen nicht hinan an dieses feste Gebäu, welches die Geschichte bereits unerschütterlich aufgerichtet hat. Sehen Sie, Herr Mayer, das war meine An - und Absicht bei meinem Anträge, und ich kann nichts dafür, wenn Sie mich nicht verstanden und begriffen haben, und nun Wunder wie tief zu greifen glauben, wenn'Sie mich fragen, ob das Dogma des Messias mit der Erklärung über unser Vaterland nicht in Streit sei? eine Frage, die jetzt noch aufzuwerfen, rein kindisch ist; wenn Sie mich fragen, ob die gemischten Ehen nicht gegen den Talmud stoßen? Und ob der Theologe mit seinem Logos oder mit seinem geetms diesen Unterschied macht? Mein lieber Freund, der Logos im Theologen wird zu-den gemischten Ehen immer „Nein!" sagen, aber das pectus wird Ja! sagen; und die gemischten Ehen sind da, bestehen in zahlreichen Gemeinden, und wir antworten daher mit dem Sanhedrin, „sie sind nicht verboten," ohne daß wir sie irgend herbeiwünschen, ohne daß wir sie billigen. Im Ganzen hat aber unser Herr Mayer noch ein Wesentliches vergessen. Wie wir es in No. 27 vor. Jahres hinreichend dargestellt haben: dir Resultate der Rabbinerversammlung an sich sind es noch gar nicht, welche die Kritik eigentlich herausgefordert haben. Es handelte sich ja meistens nur um die-Wahl von Kommissionen -- aber die Art, wie über die betreffenden Gegenstände im Voraus häufig, vielfach gesprochen wurde, welche Aenßerungen den Lippen beredter Redner entflossen — diese müßten oft genug die Ueberzeugung wecken, daß die Kritik, ja daß eine feindselige Kritik düs Häupimoment ein nahm: Wenn nicht Herr Mayer so leicht im Vergessen wäre, so"würde ersich erinnern, daß wir oft genug dagegen opponirten. Genug, wir' können noch heute unsre Kritik nur unterschreiben, und bitten nur, die unparteiischen Thellnehj-- wer der ersten Rabbinerversammlung unsre ganze Beuttheilung in No. 27 und 28' des von Jahres im ganzen Zusammenhänge noch einmal zn überlesen. Rach Vollendung' des Obigen kömmt uns die Schrift